Diplomarbeit, 2011
82 Seiten, Note: 2,3
A. Hinführung zum Thema
I. Problemstellung und Relevanz der Arbeit
II. Methodisches Vorgehen
B. Vertrauen
I. Annäherung an das Konstrukt Vertrauen
II. Zentrale Komponenten von Vertrauen
1. Wann entstehen Vertrauenssituationen?
2. Von der Vertrauensentscheidung bis zur Vertrauenshandlung
III. Vertrauen in komplexen sozialen Systemen
IV. Vertrauensgenese und –wiederaufbau im organisationalen Kontext
1. Organisationsvertrauen (Mitarbeiter - Vorgesetzen - Beziehung)
2. Interorganisationales Vertrauen (Stakeholder Vertrauen)
3. Organisationales Vertrauen (Kundenvertrauen)
4. Ansatzpunkte zur Wiederherstellung von erodiertem Vertrauen
C. Beleuchtung der Finanzkrise und systemischer Vertrauensverlust
I. Entstehung, Verlauf und Gründe der Finanzkrise ab 2007
II. Ablauf der Vertrauensdemontage während der Finanzkrise
III. Auswertung des systemischen Vertrauensverlustes in der EU
D. Erkenntnisse für einen Gründer einer unabhängigen Vermögensverwaltung
I. Die Dienstleistung unabhängige Vermögensverwaltung
1. Ein umfassender Vermögensberatungsansatz
2. Eine transparente Kostenstruktur
3. Ein System aus Checks und Balances
II. Die Gründerperson
III. Stakeholder
IV. Ausblick
V. Chancen einer Gründung einer unabhängigen Vermögensverwaltung
E. Fazit
Diese Diplomarbeit untersucht, inwieweit die Finanzkrise als systemische Vertrauenskrise eine Chance für die Gründung einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Deutschland bietet. Ziel ist es, auf Basis einer theoretischen Vertrauensanalyse und der Untersuchung der Finanzkrise ein Unternehmenskonzept zu entwickeln, das langfristig eine vertrauensvolle Berater-Kunden-Beziehung ermöglicht.
Zentrale Komponenten von Vertrauen
Vertrauen entsteht nur unter bestimmten Bedingungen. Es gibt vier konstitutive Merkmale, die eine Vertrauenssituation auszeichnen: Verhaltensunsicherheit, Verlustgefahr, Entscheidungsfreiheit und Ergebnisabhängigkeit. Ein Vertrauensbedarf entsteht in Situationen, die mit einem Risiko behaftet sind. In dem Sinne, dass zwischen zwei Handlungsalternativen zu wählen ist, deren Konsequenzen subjektiv unsicher sind, aber entweder einen Nutzen stiften oder mit einem Verlust einhergehen. Die Gefahr einen Schaden zu erleiden, ist somit Folge eines freiwilligen Verzichts auf Kontrolle und der aktiven Teilnahme an einer subjektiv unsicheren Situation. Risiko ist daher sowohl Bedingung für Vertrauen als auch Resultat einer Vertrauenshandlung.
Zucker argumentiert analog zu Luhmann, dass ohne Vertrauen die alltäglichsten Dinge, wie das Verlassen des Hauses unmöglich wären, würden Menschen nicht vertrauen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, was nach Verlassen des Hauses passieren könnte, wie bspw. das Überfahren werden durch ein Auto. Die soziale Umwelt stellt sich als so komplex dar, dass niemand sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen verarbeiten kann. Hinsichtlich der Interaktion zwischen Akteuren bedeutet dies, dass Verhaltensunsicherheit aufgrund unvollständiger Kenntnisse der Fähigkeiten und Motive von anderen und dem Unvermögen die vorhandenen Informationen zu verarbeiten, entsteht. Somit muss es im Umgang mit sozialen Situationen und der damit einhergehenden Informationsfülle Reduktionsmechanismen geben, um Handlungsunfähigkeit vorzubeugen. Luhmann sieht hier Vertrauen als zentralen Reduktionsmechanismus. Es werden von vorne herein bestimmte ggf. bedrohliche Handlungen ausgeschlossen. So vertraut der Ehepartner dem anderen, wenn dieser allein in den Urlaub fährt. Folglich dient Vertrauen nicht zuletzt auch der psychologischen Risikominimierung, welche Luhmann auch als riskante Vorleistung bezeichnet. Vertrauen ist danach letztlich immer unbegründbar. Es bleibt ein Wagnis, da es eine Mischung aus Wissen und Nichtwissen ist. Komplexe gesellschaftliche Systeme funktionieren erst durch die Komplexitätsreduktion auf der individuellen Ebene. Der Vertrauensvorschuss als riskante Vorleistung impliziert, dass der Schaden beim Vertrauensbruch stets größer sein wird, als der Vorteil, der sich aus dem Vertrauenserweis ergibt.
A. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Problematik der Vertrauenskrise im Finanzsektor und Definition der zentralen Forschungsfrage.
B. Vertrauen: Theoretische Auseinandersetzung mit Vertrauen als Konstrukt, dessen Entstehung, organisationalen Dimensionen sowie Methoden zum Wiederaufbau nach Vertrauensbrüchen.
C. Beleuchtung der Finanzkrise und systemischer Vertrauensverlust: Analyse der Entstehung und Etappen der Finanzkrise und wie diese zur globalen Vertrauenskrise führte.
D. Erkenntnisse für einen Gründer einer unabhängigen Vermögensverwaltung: Herleitung eines Unternehmenskonzepts für unabhängige Vermögensverwalter basierend auf Transparenz, Honorarberatung und Vertrauensaufbau.
E. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Finanzbranche.
Vertrauen, Vertrauenskrise, Finanzkrise, Vermögensverwaltung, Unabhängigkeit, Honorarberatung, systemisches Vertrauen, Vertrauensgenese, Transparenz, Behavioral Finance, Reputation, Risikomanagement, Stakeholder, Unternehmenskonzept, Kundenvertrauen.
Die Arbeit untersucht, wie das durch die Finanzkrise massiv beschädigte Vertrauen in Finanzinstitutionen den Aufbau einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Deutschland beeinflusst und welche strategischen Ansätze für eine erfolgreiche Gründung essenziell sind.
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Vertrauensforschung, der systemischen Analyse der Finanzkrise ab 2007 sowie der Ableitung eines transparenten Geschäftsmodells für unabhängige Vermögensverwalter.
Die Arbeit stellt die Frage, inwieweit die als Vertrauenskrise bezeichnete Finanzkrise eine Chance zur Gründung einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Deutschland darstellt.
Es erfolgt eine intensive Literaturanalyse zu den Themen Vertrauen und Finanzkrise. Zudem werden empirische Daten ausgewertet und durch ein Experteninterview mit einem Vertreter der Branche (VZ Vermögenszentrum) ergänzt.
Im Hauptteil werden zunächst das Konstrukt Vertrauen und die Dynamik der Vertrauensdemontage während der Finanzkrise analysiert, um darauf aufbauend ein Anforderungsprofil für eine vertrauenswürdige, unabhängige Vermögensberatung zu entwickeln.
Die zentralen Begriffe umfassen Vertrauen, Finanzkrise, Honorarberatung, Transparenz, systemisches Vertrauen, unabhängige Vermögensverwaltung und Kundenbeziehungsmanagement.
Das Experteninterview liefert praktische Einblicke in den deutschen Markt für unabhängige Vermögensverwalter und dient dazu, die theoretisch abgeleiteten Handlungsempfehlungen mit der Realität abzugleichen.
Die Honorarberatung minimiert das opportunistische Eigeninteresse des Beraters durch den Verzicht auf Provisionen, was nach den Erfahrungen der Finanzkrise als kritischer Faktor für den Wiederaufbau von Kundenvertrauen identifiziert wird.
Sie dienen dazu, den Kunden vor Fehlern zu schützen, die Integrität der Anlageentscheidungen sicherzustellen und das durch die Krise verletzte Vertrauensverhältnis aktiv durch Transparenz und Sanktionsmöglichkeiten zu stärken.
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