Bachelorarbeit, 2025
46 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Sartres Konzept der Unaufrichtigkeit
2.1. Das Für-sich-Sein
2.2 Das Phänomen der Unaufrichtigkeit
2.3 Die Unaufrichtigkeit und der Blick
2.4 Die Unaufrichtigkeit als Flucht vor der Schuld
2.5. Das existentialistische Argument
3. Die Unaufrichtigkeit im White Gaze
3.1. Das institutionalisierte Schwarze Objekt
3.2. Der White Gaze als unaufrichtige Forderung
3.3. Die Internalisierung des White Gaze
3.4. Der Versuch, „Weiß zu werden“
3.5. Die „Schwarze Ehrlichkeit“
3.6. Fanons existentialistischer Appell
4. Authentizität im White Gaze
4.1 Die Grenzen der Freiheitsthese (T)
4.2. Die Grenzen der Authentizitätsthese (A)
4.3. Der White Gaze als moralisch verwerfliche Unaufrichtigkeit
4.4. Fanons Ambivalenz
4.5. Die Authentizität als kollektives Projekt
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den existentialistischen Appell zur Authentizität für die rassifizierte Schwarze Person, indem sie prüft, inwiefern Frantz Fanons Analyse in Schwarze Haut, Weiße Masken die Grenzen von Jean-Paul Sartres Konzept der Unaufrichtigkeit und Authentizität aufzeigt.
3.1. Das institutionalisierte Schwarze Objekt
Ein besonders perfides Moment der Objektifizierung leitet das fünfte Kapitel von SHWM ein. Ein Kind erblickt den schwarzen Ich-Erzähler in einer Lyoner Straßenbahn und ruft voll Angst: „Sieh mal, ein [N-Wort]!“ Der auf diese Weise Erblickte zieht die bittere Konklusion, sich „als Objekt inmitten anderer Objekte“ zu entdecken.73
Die Erfahrung des Schwarzen, objektifiziert zu werden, erscheint zunächst als Fallbeispiel von Sartres Blickanalyse: Der White Gaze ist qua Blick eine unaufrichtige Forderung zur Ehrlichkeit, die ontologisch unmöglich zu realisieren ist. Doch wie in Sartres Analyse der Situation des Juden in ÜJ geht seine Objektifizierung im White Gaze über die Konfrontation mit einem „Unrealisierbaren“ hinaus und lässt sich als radikalisiert unaufrichtig fassen. Die spezifische Unaufrichtigkeit des White Gaze wird in drei Aspekten untersucht: erstens die manichäische Zuschreibung des Bösen in Form einer körperfokussierten „Phobie“, zweitens das historisch entstandene Machtgefälle und drittens die „Überdetermination“ anhand der institutionalisierten Vorlage des Objekts im White Gaze sowie dessen Ausführungskriterium anhand der Hautfarbe. Diese drei Aspekte sind nicht voneinander zu trennen, sondern verschränken sich im White Gaze zu einer mehrfach unaufrichtigen Forderung.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Sartres existenzphilosophische Grundlagen ein und formuliert das Ziel, deren Anwendbarkeit auf die rassifizierte Schwarze Person bei Frantz Fanon kritisch zu prüfen.
2. Sartres Konzept der Unaufrichtigkeit: Dieses Kapitel rekonstruiert die ontologischen Grundlagen von Freiheit, Faktizität und der "Unaufrichtigkeit" als Fluchtmechanismus bei Sartre.
3. Die Unaufrichtigkeit im White Gaze: Hier wird Fanons Analyse genutzt, um den "White Gaze" als institutionalisierte Form der Unaufrichtigkeit zu beschreiben und die Reaktionen des Protagonisten zu untersuchen.
4. Authentizität im White Gaze: Das Kapitel diskutiert die Grenzen sartrescher Existentialismusthesen unter Einbeziehung rassistischer Machtstrukturen und plädiert für eine systemische Erweiterung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die systemische Dimension des White Gaze Sartres Konzept zwar ergänzt, jedoch eine kollektive, politische Reflexion der Authentizität erfordert.
Unaufrichtigkeit, Authentizität, Existenzphilosophie, Jean-Paul Sartre, Frantz Fanon, White Gaze, Rassismus, Objektifizierung, Faktizität, Transzendenz, Antischwarzer Rassismus, Entfremdung, Identität, Négritude, Kolonialismus.
Die Arbeit analysiert das Konzept der Unaufrichtigkeit bei Jean-Paul Sartre und untersucht dessen Übertragbarkeit und Grenzen bei der Anwendung auf Frantz Fanons Analyse des Rassismus.
Zentrale Themen sind die existenzialistische Philosophie, die psychologische und soziologische Dimension der Rassifizierung sowie die Frage nach individueller Handlungsfähigkeit unter Unterdrückung.
Ziel ist es zu klären, ob der existenzialistische Appell zur Authentizität für eine rassifizierte Schwarze Person angesichts struktureller Unterdrückung überhaupt sinnvoll oder realisierbar ist.
Es wird eine phänomenologische und existenzialphilosophische Textanalyse angewandt, die durch soziologische und postkoloniale Perspektiven ergänzt wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der Rekonstruktion von Sartres Theorien, der Analyse von Fanons "White Gaze" als institutionalisierter Unaufrichtigkeit und der kritischen Diskussion der Freiheitsthese.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Unaufrichtigkeit, Authentizität, White Gaze, Antischwarzer Rassismus und Entfremdung.
Während Sartres Blickanalyse von einem reziproken Austausch zwischen Individuen ausgeht, weist Fanons "White Gaze" eine durch Kolonialgeschichte und institutionelle Machtverhältnisse festgeschriebene Asymmetrie auf, die eine Reziprozität unmöglich macht.
Die Arbeit zeigt auf, dass rassistische Machtstrukturen die Möglichkeit zur kritischen Reflexion der eigenen Situation – eine Voraussetzung für Authentizität – systematisch behindern und individuelle Fluchtversuche oft wieder in rassistische Narrative integrieren.
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