Magisterarbeit, 2010
105 Seiten, Note: 5 (Skala 1 - 5)
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
1.1 Ausgangspunkt
2. Zur Methode und meiner Position
3. Die Frauendarstellungen im Patrismus
3.1 Frauenfiguren in der bildenden Kunst, Musik und Literatur der Jahrhundertwende
3.1.1 Die Femme fatale
3.1.1.1 Wedekinds Lulu
3.1.1.2 Strauss‘ Salome
3.1.1.3 Kubins Frauen
3.1.2 Die Femme fragile enfante
3.1.2.1 Schnitzlers Fräulein Else
3.1.2.2 Thomas‘ Oper Mignon
3.1.2.3 Franz von Stucks Innocentia
3.1.3 Die Femme légitime
3.1.3.1 Effi Briest
3.1.3.2 Die Femme légitime in der bildenden Kunst
3.2 Frauenbilder in der Romantik
3.2.1 Melück Maria Blainville – die exotische Hexe
3.2.2 Undine – der Schicksalsengel aus einem anderen Reich
3.2.3 Die ‚Heilige‘ und die ‚Hure‘ der Romantik
3.3 Frauenbilder der Renaissance
3.4 Frauenbilder des Mittelalters
4. Frauenbilder – fantastische Konstrukte
5. Veränderte Gesellschaftsstrukturen – Frau macht mobil
6. Eine fatale Sexualmoral – Illustration an F. Wedekinds Frühlings Erwachen
7. Die Entstehung der patristischen Gesellschaftsordnung
8. Die Verschattung der Frau
8.1 Der Kollektive Schatten im Patrismus
8.2 Die freiwillige Unterwerfung resp. die Schattenakzeptanz oder die Verantwortung der Frau an ihrem Schicksal
8.3 Der Kollektive Schatten bei Jung oder: die Gemeinsamkeit zwischen Juden und Frauen
8.4 Das Nordweib Louhi von Akseli Gallen-Kallela
8.5 Die leere Frau
8.6 Die liebeskranke Mutter und die dichotomen Projektionen
8.6.1 Die Angst der Männer
8.6.2 Die Religion des Patrismus
9. Ein Weg aus den patristischen Machtstrukturen und Bilderprojektionen
9.1 Eine gesunde Gesellschaft hat keinen Schatten
9.2 Eine sanfte resp. heilsame Pädagogik
10. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Entstehungsmechanismen männlicher Projektionen auf das Frauenbild, wobei sie argumentiert, dass diese auf eine zugrunde liegende, krankhaft "gepanzerte" und von Machtstrukturen geprägte Gesellschaftsform, den sogenannten "Patrismus", zurückzuführen sind. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, aufzuzeigen, wie diese dichotomischen Frauenbilder (die "Heilige" und die "Hure") durch gesellschaftliche Verdrängung und elterliche Erziehung entstehen und wie eine "weiche", authentische Pädagogik einen Ausweg aus diesen zerstörerischen Machtdynamiken bieten könnte.
3.1.1.1 WEDEKINDS LULU
Der in Lenzburg, Schweiz, aufgewachsene Deutsche Frank Wedekind (1864 - 1918), Sohn eines Gynäkologen, war ein Enfant terrible und der meistgespielte Dramatiker seiner Zeit. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Auftritten in seinen eigenen Stücken und auch an der Zeitschrift Simplicissimus arbeitete er mit. 1899 verbüßte er wegen Majestätsbeleidigung sechs Monate Haft und aufgrund des Erscheinens der Büchse der Pandora und ihrer Vertonung durch Alban Berg in der Oper Lulu. Wedekind und Berg wurden der Verbreitung unzüchtiger Schriften beschuldigt, später aber freigesprochen. Der unzüchtige Gynäkologensohn hatte mindestens einen unehelichen Sohn, heiratete eine Schauspielerin und zielte in seinen Schriften hauptsächlich darauf ab, die bürgerliche Scheinmoral auf die Schippe zu nehmen. Noch nach seinem Ableben verursachte er einen Skandal, als seiner Beerdigung eine Anzahl Damen aus dem Rotlichtmilieu beiwohnten.
Keine andere Frauenfigur in der Literatur der Jahrhundertwende verkörpert die Femme fatale mehr als Wedekinds Lulu. „[D]ie Wesensmerkmale der Femme fatale sind bei ihr sogar bis ins Groteske gesteigert“ (Knaus 2003)18.
Lulu ist die Protagonistin in zwei Werken Wedekinds: in Erdgeist und der Büchse der Pandora. Sie wird nahezu allen ihren zahlreichen Ehemännern, Liebhabern und Verehrern zum Verhängnis. Bezeichnend ist, dass Lulus ‚Karriere‘ bereits in frühen Kinderjahren auf der Straße, also als Prostituierte, ihren Anfang nahm, wo sie, Lulu, auch ihr Ende findet. Insgesamt führt sie vier Ehen, welche für sämtliche Ehemänner tödlich enden. Zudem verlieren drei weitere Personen durch sie ihr Leben. Am Ende prostituiert sie sich in ihrem Elend und stirbt durch einen brutalen Mörder.
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein der Arbeit und führt in die zentrale These ein, dass das Frauenbild ein männliches Konstrukt innerhalb der patristischen Gesellschaft darstellt.
2. Zur Methode und meiner Position: Dieses Kapitel erläutert den soziohistorischen Forschungsansatz sowie die Einbeziehung literaturpsychologischer Methoden, um die Herkunft weiblicher Projektionsbilder zu hinterfragen.
3. Die Frauendarstellungen im Patrismus: Dieser umfangreiche Teil analysiert Frauenbilder der Literatur und Kunst in verschiedenen Epochen und arbeitet die Dichotomie zwischen Femme fatale und Femme fragile heraus.
4. Frauenbilder – fantastische Konstrukte: Das Kapitel reflektiert, dass Frauenbilder in der Kunst keine biologischen Gegebenheiten, sondern "erdachte Wesen" sind, die gesellschaftlichen Zwecken dienen.
5. Veränderte Gesellschaftsstrukturen – Frau macht mobil: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem wachsenden Einfluss der Frauen im öffentlichen Leben und der daraus resultierenden männlichen Identitätskrise untersucht.
6. Eine fatale Sexualmoral – Illustration an F. Wedekinds Frühlings Erwachen: Das Kapitel verdeutlicht am Beispiel von Wedekinds Werk die zerstörerischen Folgen einer sexualfeindlichen Erziehung.
7. Die Entstehung der patristischen Gesellschaftsordnung: Hier wird die "Saharasia"-Theorie von James DeMeo vorgestellt, die klimatische Ursachen für die Entstehung von Machtstrukturen und Panzern in der menschlichen Gesellschaft postuliert.
8. Die Verschattung der Frau: Dieser Hauptteil widmet sich der Jungschen Schatten-Theorie und argumentiert, dass Frauen kollektiv als Schattenanteile der patristischen Gesellschaft fungieren.
9. Ein Weg aus den patristischen Machtstrukturen und Bilderprojektionen: Das Kapitel plädiert für einen Paradigmenwechsel in der Erziehung, hin zu Freiheit und Authentizität, um die Entstehung von Schatten zu verhindern.
10. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen feministisch-soziohistorischen Ergebnisse der Arbeit und bestätigt die Notwendigkeit einer neuen pädagogischen Ära.
Patrismus, Matrismus, Frauenbild, Femme fatale, Femme fragile, Schattenarchetyp, Projektion, Sexualmoral, Erziehung, Psychologie, Gesellschaftsstruktur, Literaturwissenschaft, Gender Studies, Kindheit, Literaturanthropologie
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Machtstrukturen, insbesondere der "Patrismus", dazu führen, dass Männer negative Eigenschaften und Ängste auf Frauen projizieren und so künstliche, dichotomische Frauenbilder erschaffen.
Zentrale Themen sind die Entstehung von Frauenbildern in der Literaturgeschichte, der Einfluss von Sexualmoral und Erziehung auf die psychische Gesundheit sowie die Theorie der patristischen Gesellschaft.
Das Ziel ist es, die Entstehungsmechanismen dieser Bilder offenzulegen und aufzuzeigen, wie eine veränderte, "weiche" Erziehung dazu beitragen kann, eine gesündere, schattenfreie Gesellschaft zu formen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der Literaturanalyse, feministisch-soziohistorische Studien sowie literaturpsychologische Theorien (insbesondere von C. G. Jung und Wilhelm Reich) kombiniert.
Der Hauptteil analysiert literarische Frauenfiguren aus vier Epochen, illustriert diese durch Bildanalysen und erläutert die psychologischen Prozesse der Projektion und Verschattung im Kontext der patristischen Ordnung.
Wichtige Begriffe sind Patrismus, Verschattung, Projektion, Femme fatale, Femme fragile, Schattenarchetyp, Sündenbock-Komplex und authentische Pädagogik.
Die Autorin versteht "Patriarchat" als eng gefasste androzentrische Sicht, während "Patrismus" umfassender die gesamten Auswirkungen einer "gepanzerten" Gesellschaftsordnung auf Psyche, Pädagogik und Sexualität umfasst.
Die Arbeit postuliert, dass die Mutter als zentrale Figur der patristischen Erziehung (oft selbst durch ihr Umfeld "liebeskrank") durch ihre erzieherischen Methoden maßgeblich zum Fortbestand der Machtstrukturen und zur Prägung des negativen Frauenbildes beiträgt.
Es beschreibt den Prozess, in dem Frauen als Projektionsfläche für unerwünschte, vom patristischen Mann verdrängte Schattenanteile dienen, wodurch sie kollektiv zu Minderwertigkeit und Abnormität abgestempelt werden.
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