Bachelorarbeit, 2009
79 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
1.1 Die Quellenlage
1.2 Der Widerstandsbegriff
2. Grundlegende Beschreibung der beiden Lager
2.1 Das Konzentrationslager Auschwitz
2.2 Das Ghetto Theresienstadt
3. Musik im Konzentrationslager Auschwitz
3.1. Lagerlieder im Gefangenenalltag
3.1.1 Singen aus Zwang
3.1.1.1 Singen im Lageralltag
3.1.1.2 Singen bei Bestrafungen
3.1.2 Singen aus freien Stücken
3.2 Organisiertes Musizieren
3.2.1 Musik bei Appellen und Bestrafungen
3.2.2 Heimliche Musik
3.2.3 Musizieren im Häftlingskrankenbau
3.2.4 Musik im Rahmen soziokultureller Veranstaltungen
3.3 Musik zwischen Strafe und Selbstbehauptung
4. Musik im Ghettolager Theresienstadt
4.1 Kulturelle Großveranstaltungen
4.1.1 Opernaufführungen
4.1.2 Die Kinderoper Brundibár
4.1.3 Giuseppe Verdis Requiem
4.1.4 Viktor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis
4.2 Musikalische Darbietungen kleinerer Form
5. Abschließende Betrachtung
Diese Arbeit untersucht die unterschiedlichen Funktionen von Musik in den nationalsozialistischen Lagern Auschwitz und Theresienstadt, wobei der Schwerpunkt auf der Frage liegt, inwiefern Musizieren für die Inhaftierten eine Form des geistigen Widerstands gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen darstellte.
3.1.1.1 Singen im Lageralltag
Für viele Gefangene begann das Singen aus Zwang und damit eine der Formen des Singens als Strafe – was vom Singen bei Bestrafungen zu unterscheiden ist – schon mit Einlieferung in das Lager. Da mir für Auschwitz in diesem Falle explizit keine Quellen vorliegen, soll an dieser Stelle ein bekanntes Beispiel aus dem Lager Sonnenburg erwähnt werden, nämlich die Einlieferung Carl von Ossietzkys: Er wurde „mittels massiver Prügel gezwungen, auf dem Fußmarsch ins Lager Sonnenburg das Horst-Wessel-Lied zu singen.“ In Buchenwald wurden Juden damit gequält, das sog. Judenlied zu singen, ein übles Pamphlet, in dem die Juden sich selbst beschimpfen und die Nazis dafür loben mussten, dass man sie endlich gefangenen genommen hat. Solche Erniedrigungen geschahen voraussichtlich auch in Auschwitz und standen vermutlich dort genauso auf der Tagesordnung wie in allen anderen großen KZ auch.
Das Singen auf den Befehl der SS oder allgemein auf Befehl der Machthaber – dies konnten auch besonders befugte Häftlinge oberen Ranges sein – bildete die gebräuchlichste Form angeordneter Musikausübung. Musik wurde dabei einerseits zum ‚Erlernen’ von „Tugenden wie ‚Zucht und Ordnung’“ und andererseits als Strafe missbraucht.
Vielleicht eines der perversesten Beispiele für den Missbrauch von Musik stammt aus Sachsenhausen. Dort mussten die Menschen unter ständiger Prügel eine Planierwalze in Bewegung setzen und dazu singen. Wer keine Kraft mehr hatte, wurde in manchen Fällen solange weiter geschlagen, bis er tot war. Ähnliche Erlebnisse mussten Gefangene in anderen Lagern auch machen, z. B. in Buchenwald.
Qualvoll war es auch für die Häftlinge, Lieder mit von den Nazis veränderten Texten zu singen, in denen sie sich selbst erniedrigen mussten. Ein Beispiel hierfür ist das folgende in Auschwitz verordnete Lied, das auf die Melodie von Hamburg ist ein schönes Städtchen gesungen wurde:
„Auschwitz ist ein schönes Städtchen, (ist’s jawoll)
es wohnen dort viel schöne Mädchen, (ist’s jawoll)
Schuh und Strümpfe sind zerrissen, Haare abgeschnitten,
durch die Hose bläst der Wind.
Ach, es ist ja so schwer, aus der Heimat zu gehn,
wenn die Hoffnung nicht wär’, auf ein Wieder-Wiedersehn.
Lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl,
lebe wohl, auf Wiedersehn.“
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Kunst als Widerstand im Nationalsozialismus und definiert die Forschungsfrage nach den Funktionen der Musik in Auschwitz und Theresienstadt.
2. Grundlegende Beschreibung der beiden Lager: Dieses Kapitel ordnet Auschwitz als Vernichtungslager und Theresienstadt als Ghetto in den Kontext des NS-Lagersystems ein und erläutert die unterschiedlichen Intentionen der Lagerführung.
3. Musik im Konzentrationslager Auschwitz: Der Hauptteil analysiert die Praxis des Singens und der Orchester in Auschwitz, wobei zwischen Zwang, Instrumentalisierung durch die SS und dem inneren Widerstand der Häftlinge differenziert wird.
4. Musik im Ghettolager Theresienstadt: Dieses Kapitel beschreibt das kulturell reiche Musikleben in Theresienstadt, von großen Opernproduktionen wie Brundibár bis hin zu kammermusikalischen Darbietungen.
5. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten geistigen Widerstands durch Musik trotz extremster Bedingungen und psychischer Entkräftung.
Musik, Konzentrationslager, Auschwitz, Theresienstadt, Widerstand, NS-Regime, Häftlingsorchester, Lagerlieder, Kultur, Selbstbehauptung, Brundibár, Verdis Requiem, Zwangsarbeit, Identität, Holocaust.
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Rollen und Funktionen von Musik in den nationalsozialistischen Lagern Auschwitz und Theresienstadt.
Zentrale Themen sind die Instrumentalisierung von Musik als Zwangsmittel der SS, ihr Einsatz als Mittel der psychischen Selbstbehauptung der Inhaftierten sowie der Vergleich der sehr unterschiedlichen Lageralltage.
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob und in welcher Form Musizieren für die Inhaftierten als geistiger Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft gewertet werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der vorhandenen musikwissenschaftlichen Literatur, Zeitzeugenberichten und Dokumentationen, um ein differenziertes Bild der Musikausübung zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Lagergesangs (erzwungen vs. freiwillig) sowie die Analyse des organisierten Musizierens in Orchestern und bei kulturellen Veranstaltungen in beiden Lagern.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Musik im KZ, Widerstand, Selbstbehauptung, Auschwitz, Theresienstadt, Lagerorchester und Identitätswahrung.
Die Besetzung war oft zufällig und hing davon ab, welche Instrumente bei den Häftlingen greifbar waren und wer diese mehr oder weniger beherrschte, was zu ungewöhnlichen und wechselnden Ensemble-Zusammensetzungen führte.
Die Aufführung des christlich-liturgischen Werkes in einem jüdischen Ghetto war ein hochgradig symbolischer Akt Rafael Schächters, der ein „Bekenntnis zur Humanität“ inmitten der Unmenschlichkeit darstellte.
Diese Kinderoper war das meistgespielte Stück in Theresienstadt und diente den Kindern und Erwachsenen als identitätsstiftendes Erlebnis sowie als Hoffnungsträger gegen die Trostlosigkeit.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

