Bachelorarbeit, 2010
34 Seiten, Note: 2,3
Einleitung
1. Zur Quellenproblematik des Klaviertrios
2. Entstehungsgeschichte des Klaviertrios im biografischen Kontext
2.1 Kurzbiografie Brahms‘
2.2 Erstfassung
2.3 Spätfassung
3. Ästhetik und Literatur bei Johannes Brahms
3.1 Literarische Bildung Brahms’
3.2 Johannes Kreisler
3.3 Zum Umgang mit dem Kreisler-Pseudonym in Brahms‘ Werken
4. Gattungsgeschichtlicher Kontext des Klaviertrios und frühe Rezeption
5. Analyse beider Fassungen im Vergleich
5.1 Allgemeiner Überblick zum Werk
5.2 Erster Satz
5.3 Zweiter Satz
5.4 Dritter Satz
5.5 Vierter Satz
6. Folgen der Veränderungen auf das revidierte Werk
6.1 Erster Satz
6.2 Zweiter Satz
6.3 Dritter Satz
6.4 Vierter Satz
7. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Klaviertrio Nr. 1 op. 8 von Johannes Brahms mit dem primären Ziel, die Gründe für die grundlegende Revision des Werkes nach 37 Jahren sowie die kompositorischen Unterschiede zwischen Erst- und Spätfassung darzulegen. Hierbei wird analysiert, wie sich Brahms' künstlerische Entwicklung und sein Umgang mit der eigenen Identität in den Fassungen widerspiegeln.
3.2 Johannes Kreisler
In den 1850er Jahren signierte Brahms seine Musikautographen mit besonderer Vorliebe mit dem Namen von E.T.A. Hoffmanns literarischem Charakter, dem Kapellmeister Johannes Kreisler. Der literarische Kreisler hatte nicht nur ein reales Vorbild im Komponisten Ludwig Böhner (1787-1860), sondern Hoffmann selbst benutzte dieses Pseudonym noch zur Zeichnung einiger musikalischer Rezensionen, die überwiegend in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung erschienen. Hoffmann verdeutlichte am Beispiel des Kapellmeisters Kreisler seine Musikauffassung, in der seine Anschauung ebenso thematisiert wurde, wie sein Spott und Hohn über den zeitgenössischen Musikbetrieb und den Publikumsgeschmack.
Insgesamt repräsentiert Johannes Kreisler den Künstlertypus der Frühromantik, welcher der Aufzeichnung seiner eigenen Kunst tief misstraut und sich daher wehrt, seine Kompositionen niederzuschreiben, oder eben einfach alles vernichtet, sobald es in Noten fixiert ist. Dies geschieht einerseits wegen des Publikums, durch welches Musik nur noch zur Ware verkommen ist und andererseits durch die bei den Frühromantikern weit verbreitete Skepsis, poetische Ideen in Sprache und Musik fixieren zu können.
Schumann hat diesem Kreisler-Charakter in seinem Klavierzyklus Kreisleriana (1838) ein musikalisches Denkmal gesetzt. Die Annahme, dass Brahms dieses Pseudonym aufgrund der Verehrung zu Schumann benutzte, kann so gut wie ausgeschlossen werden, da er bereits in einem Brief an Joseph Joachim vom 29. Juni 1853 auf diesen Namen anspielte. Die Schumanns besuchte er erst im Spätsommer desgleichen Jahres und beschäftigte sich auch erst seit dem ersten Zusammentreffen intensiver mit dessen Kompositionen. Dieser Brief an Joachim ist auch gleichzeitig die früheste Erwähnung des Kreisler-Namens in der Korrespondenz. Hier beklagt sich Brahms über den Geiger Eduard Reményi, mit dem er sich gerade auf einer Konzertreise befand.
Einleitung: Einführung in die Besonderheit des Klaviertrios Nr. 1 op. 8 mit seinen zwei weit auseinanderliegenden Fassungen und Aufwerfen der zentralen Forschungsfragen.
1. Zur Quellenproblematik des Klaviertrios: Vorstellung der Analysebasis, insbesondere der Publikation von Franz Zaunschirm und der Relevanz der verschiedenen überlieferten Fassungen.
2. Entstehungsgeschichte des Klaviertrios im biografischen Kontext: Darstellung der biografischen Umstände der beiden Entstehungsphasen von 1853/54 und 1889 sowie der Revisionsabsichten des reifen Brahms.
3. Ästhetik und Literatur bei Johannes Brahms: Untersuchung des Einflusses romantischer Literatur und der Bedeutung des Pseudonyms Kreisler jun. auf die ästhetische Haltung des jungen Brahms.
4. Gattungsgeschichtlicher Kontext des Klaviertrios und frühe Rezeption: Einordnung des Werkes in die Gattungsgeschichte des Klaviertrios und Analyse der zeitgenössischen Kritik sowie der Resonanz des frühen Werkes.
5. Analyse beider Fassungen im Vergleich: Systematische Gegenüberstellung der formalen Struktur und technischer Details aller vier Sätze der beiden Fassungen.
6. Folgen der Veränderungen auf das revidierte Werk: Bewertung der Auswirkungen der Revision auf das Werkgefüge und die kompositorische Wirkung der Änderungen in jedem Satz.
7. Schlussbetrachtungen: Resümee über die Notwendigkeit der Revision und die Koexistenz beider Fassungen als Zeugnisse unterschiedlicher Schaffensphasen von Brahms.
Johannes Brahms, Klaviertrio op. 8, Erstfassung, Spätfassung, Johannes Kreisler, E.T.A. Hoffmann, Musikästhetik, Romantik, Kompositionsrevision, musikalische Analyse, Kammermusik, 19. Jahrhundert, Clara Schumann, Sonatensatzform, formale Entwicklung.
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Klaviertrios Nr. 1 op. 8 von Johannes Brahms, von dem zwei wesentliche, zeitlich weit auseinanderliegende Fassungen existieren, und analysiert deren Unterschiede und die Beweggründe des Komponisten für die Revision.
Zentrale Themen sind die biografische Einordnung der beiden Schaffensperioden Brahms', der Einfluss romantischer Literatur und die Entwicklung seiner Kompositionstechnik von der Jugend zur Reife.
Das Ziel ist es, neben einem formalen Vergleich der beiden Fassungen zu ergründen, warum Brahms sein Jugendwerk nach über drei Jahrzehnten grundlegend überarbeitete.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse der Erstdrucke, ergänzt durch Quellenstudien, Briefkorrespondenzen und die Einbeziehung musikwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Entstehungsgeschichte, dem literarischen Einfluss durch das Kreisler-Pseudonym, der gattungsgeschichtlichen Einordnung sowie einer detaillierten satzweisen Analyse beider Fassungen.
Wichtige Begriffe sind Johannes Brahms, Klaviertrio op. 8, Erstfassung, Spätfassung, Johannes Kreisler, Musikästhetik und kompositorische Entwicklung.
Das Pseudonym Kreisler jun. dient als Schlüssel zur Ästhetik des jungen Brahms, da es dessen Identitätsfindung, sein tiefes Misstrauen gegenüber der öffentlichen Kunstwahrnehmung und seine Verbundenheit zur Literatur der Frühromantik verdeutlicht.
Es handelt sich nicht nur um kleine Retuschen, sondern um eine tiefgreifende kompositorische Neubearbeitung, bei der Brahms sogar Teile des Werkes durch neues Material ersetzte, um eine einheitlichere Form zu erreichen.
Er dient als Beispiel für thematische Zitate, deren Entfernung in der Spätfassung von der Autorin differenziert betrachtet wird, wobei sie davor warnt, dies einseitig nur als Distanzierung zum "Clara-Bezug" zu deuten.
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