Magisterarbeit, 2010
105 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Lévi-Strauss und Film
1.2. Fragestellung, Zielsetzung und Anspruch
1.3. Methodisches Vorgehen und theoretische Einbettung
1.4. Aufbau der Arbeit
2.Wildes Denken: Einführung des Begriffs und Abgrenzung zu domestiziertem Denken
3. Analogien zur Ästhetik und Übertragbarkeit des Konzepts des wilden Denkens auf Kunst und Film
3.1. Wildes Denken und Ästhetik/Kunst
3.2. Über den Stellenwert und die Besonderheiten des Films
4.Orte des wilden Denkens im Film
4.1. Totalising Function: Totemismus und Magie
4.1.1. Totalising Function und Totemismus
4.1.2. Totalising Function des Films
4.2. Der Schamane und der Psychoanalytiker und der Filmemacher
4.2.1. Nele-Gesang – der schamanistische Komplex
4.2.2. Symbolische Effizienz
4.2.3. Übertragbarkeit auf Film/Theater
4.2.4. Von symbolischer Effizienz zu Katharsis
4.3. Die Wissenschaft vom Konkreten
4.3.1. Sinnlich Wahrnehmbares und die Äquivalenz zur konkreten Realität
4.3.2. Symbolische Äquivalenz von sinnlich Wahrnehmbarem im Film
4.4. Zur Historizität wilden Denkens
4.4.1. Mythische Struktur des Films?
4.4.2. Tschuringas
4.4.3. Rezeption geschichtlicher Themen im Film
5. Terrence Malicks The New World: Zwischen wildem Denken und domestiziertem Denken
5.1 Terrence Malicks Filme
5.2. The New World
5.3. Wildes Denken in The New World
5.3.1.Arbeitsweise/Bricoleur
5.3.2. Konkrete Wissenschaft
5.3.3. Voice-Over
5.3.4. Charaktere – Mythen
5.3.6. Historizität
5.4. Entzauberung und Re-Entzauberung: zu den Ähnlichkeiten im Geist von Lévi-Strauss und Malick
6. Dialektik des Denkens?
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das von Claude Lévi-Strauss entwickelte Konzept des "wilden Denkens" auf den Film als Kunstform übertragen werden kann. Es wird erforscht, ob und wie Denkstrukturen des wilden Denkens – charakterisiert durch konkrete Logik, Klassifizierung und mythische Bezüge – in der filmischen Produktion und Struktur verankert sind und ob sich dies durch eine Analyse der Filme von Terrence Malick belegen lässt.
4.2.1. Nele-Gesang – der schamanistische Komplex
Die nähere Betrachtung einer Form des wilden Denken, des magischen Denkens, wie es im Schamanentum Ausdruck findet, soll zur weiteren Herausarbeitung der Parallelen des wilden Denkens zum Film dienen, wobei in diesem Fall ein „Umweg“ über die Ähnlichkeiten der Psychoanalyse notwendig ist.
Lévi-Strauss beschreibt in Das Wilde Denken eine Heilpraktik der Cuna-Indianer Südamerikas. Im Falle einer schweren Geburt zieht die Hebamme einen Schamanen, genannt „Nele“, der einen bestimmten Typ des Medizinmannes repräsentiert und sich durch die besondere Fähigkeit auszeichnet, mittels einer Vision die Ursache einer Krankheit wahrzunehmen, hinzu (Enderwitz 1977: 9). Mit Hilfe ritueller Handlungen und der Rezitation eines bestimmten Beschwörungstextes, der nur in diesem Fall Anwendung findet, ist das Ziel des „Nele“, jenes Kräfteparallelogramm, das ursprünglich vorhanden war, wiederherzustellen (Enderwitz 1977: 10). Die Praxis der angewendeten Methode beschränkt sich auf den rituellen Gesang des Beschwörungstextes, der Schamane berührt den Körper der Kranken während des gesamten Ablaufs nicht und flößt ihr auch keine Heilmittel ein (Enderwitz 1977: 11). Im Beschwörungstext ruft der „Nele“ „Muu“ an und beschreibt „den Weg des Muu“, was im Verständnis der Cuna nicht nur einen mythischen Ort oder Weg symbolisiert, sondern einer direkten Anrufung der Organe der Frau entspricht. Die Technik seiner Erzählung besteht darin, tatsächlich Erlebtes zu reproduzieren, indem er eine Beschreibung der Situation, in der die Frau sich befindet, und ihres Leidens liefert. Zunächst werden in diesem Gesang ausführlich der Beginn der Krankheit und die Schmerzen der Frau und ihr Leidensweg bis zu dem Punkt, an dem der „Nele“ selbst hinzugezogen wurde, behandelt (Enderwitz 1977: 15). Das Verfahren basiert auf dem Vor- und Einverständnis der Kranken und setzt auch ihr verständnisvolles Miterleben seiner mythischen Erzählung als Bedingung für den Erfolg voraus.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsabsicht ein, das Werk von Lévi-Strauss auf seine Anwendbarkeit für die Filmanalyse zu prüfen und die Analogie zum wilden Denken herauszuarbeiten.
2.Wildes Denken: Einführung des Begriffs und Abgrenzung zu domestiziertem Denken: Das Kapitel erläutert den Begriff des wilden Denkens, seine Abgrenzung zum domestizierten Denken und rehabilitiert es als eigenständige, logische Erkenntnisform.
3. Analogien zur Ästhetik und Übertragbarkeit des Konzepts des wilden Denkens auf Kunst und Film: Hier werden die theoretischen Bezüge zwischen Kunst und dem wilden Denken als "modèle réduit" dargelegt und die Besonderheiten des Films als sinnliches Medium diskutiert.
4.Orte des wilden Denkens im Film: Dieser Hauptteil analysiert vier spezifische Bereiche – Totemismus, Schamanismus, konkrete Wissenschaft und Historizität – und deren Entsprechungen in der filmischen Logik.
5. Terrence Malicks The New World: Zwischen wildem Denken und domestiziertem Denken: Anhand des Films "The New World" werden die theoretischen Ansätze der vorangegangenen Kapitel praktisch überprüft und Malicks Arbeitsweise als Beispiel für wildes Denken untersucht.
6. Dialektik des Denkens?: Das Schlusskapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und reflektiert die Dialektik zwischen der Analyse mythischer Strukturen und ihrem gleichzeitigen Verlust durch die wissenschaftliche Untersuchung.
Wildes Denken, Claude Lévi-Strauss, Filmtheorie, Terrence Malick, The New World, Bricolage, Schamanismus, symbolische Effizienz, Katharsis, Wissenschaft vom Konkreten, Totemismus, Filmlogik, Historizität, Mythos, Strukturalismus.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen zwischen dem anthropologischen Konzept des "wilden Denkens" von Claude Lévi-Strauss und dem Medium Film als moderne Kunstform.
Zentrale Themen sind die Logik der sinnlichen Wahrnehmung, die Strukturierung von Weltbildern durch Klassifikation und die Rolle von Mythen und Symbolen in Film und Gesellschaft.
Ziel ist es, Analogien zum Konzept des wilden Denkens im Film nachzuweisen und zu zeigen, dass Film mehr als bloße Unterhaltung ist, sondern ähnliche ordnende und sinnstiftende Funktionen wie magische Systeme besitzt.
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die strukturalistische Ansätze von Lévi-Strauss mit klassischer Filmtheorie (u.a. Balázs, Metz) kombiniert.
Der Hauptteil analysiert, wie sich Strukturen des wilden Denkens (Totemismus, Schamanismus, konkrete Wissenschaft) in der Filmarbeit niederschlagen, und führt eine Fallstudie zu Terrence Malicks Werk durch.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Wildes Denken, Bricolage, symbolische Effizienz, Katharsis, Filmlogik und die Dialektik zwischen Natur und Kultur.
Malick verzichtet auf die klassische dramatische Zielgerichtetheit, nutzt vorwiegend natürliches Licht und setzt auf eine sinnliche, oft meditative Bildsprache anstelle expliziter Erklärungen.
Der Film dient als aktuelles und anschauliches Beispiel, an dem sich die Anwendung des Konzepts des "bricoleurs" und die Auseinandersetzung mit der verlorenen Einheit zur Natur besonders gut untersuchen lassen.
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