Wissenschaftliche Studie, 2011
27 Seiten
I. Entstehungsbedingungen der Parteien
II. Zusammenhang zwischen Parlamentarismus und Parteienentstehung
III. Ansätze der Herausbildung von Parteien in Deutschland vor 1918
IV. Entwicklungen in Deutschland nach 1918
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe der Parteienentstehung in Deutschland, wobei insbesondere die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Parlamentarismus, der theoretischen Staatslehre der jeweiligen Zeit und dem institutionellen Wandel der Parteien analysiert werden.
I. Entstehungsbedingungen der Parteien
Die Freiheit des politischen Denkens ist eine notwendige Voraussetzung für die Freiheit des politischen Handelns und somit auch für die Entstehung von politischen Vereinen bzw. Parteien. In Europa entstand diese Kultur der politischen Freiheit mit dem allmählichen Zurücktreten der Religion in weltlichen Angelegenheiten, also mit der Säkularisierung, die in Deutschland erst mit der Beendigung des Bündnisses zwischen Thron und Altar im Jahre 1918 zum Abschluss kam. Diese Neutralitätserklärung des Staates war die Grundlage für ein Verständnis der Politik, in der jede Position gleichen Wert und Rang hatte; dabei wurden weltanschauliche Prägungen nur zu Beweggründen bzw. Motiven für politisches Handeln oder Zielsetzungen herabgesetzt. Mit der Säkularisierung ging die Befreiung der Menschen vor obrigkeitlicher Bevormundung einher, somit bewirkte die Aufklärung die Aufhebung der Objektstellung des Menschen und befähigte diesen zur menschlichen und politischen Selbstbestimmung.
Damit waren Individuen unabhängig vom sozialen Stand frei und gleich, weshalb sich die Forderung nach bürgerschaftlicher Teilhabe im politischen Prozess ergab und im Postulat der Volkssouveränität mündete. Die in der Aufklärung erworbenen Erkenntnisse bedurften der Annahme im Bewusstsein der breiten Bevölkerungsschichten, damit die geistig-bildungsmäßigen Voraussetzungen gegeben sind, ohne die eine notwendige Basis, die für das Entstehen der politischen Parteien erforderlich ist, nicht vorliegt, da ein Mindestmaß an politischem Bewusstsein und Engagement in der Bevölkerung eine notwendige Bedingung für die Auflösung von Tradition und ererbter Autorität ruhender Herrschaftsstrukturen ist.
I. Entstehungsbedingungen der Parteien: Dieses Kapitel erläutert die ideengeschichtlichen Grundlagen der Parteienentstehung, insbesondere die Bedeutung von Säkularisierung, Aufklärung und Emanzipation für die Herausbildung einer politischen Öffentlichkeit.
II. Zusammenhang zwischen Parlamentarismus und Parteienentstehung: Hier wird die funktionale Abhängigkeit zwischen dem Entstehen parlamentarischer Systeme (ausgehend von England) und der Entwicklung organisierter Parteien als Akteure der politischen Willensbildung analysiert.
III. Ansätze der Herausbildung von Parteien in Deutschland vor 1918: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung erster politischer Gruppierungen in Deutschland während des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss restriktiver absolutistischer Strukturen bis hin zur Etablierung des Parteienspektrums im Kaiserreich.
IV. Entwicklungen in Deutschland nach 1918: Die Untersuchung befasst sich mit der Rolle der Parteien in der Weimarer Republik, deren verfassungsrechtlicher Einordnung, der Krise des Parteiensystems und dem Übergang zur institutionellen Anerkennung im Grundgesetz.
Parteienentstehung, Parlamentarismus, Staatslehre, Weimarer Reichsverfassung, Parteienstaat, politische Willensbildung, Repräsentationsprinzip, Rechtsstatus, Vereinigungsfreiheit, Demokratie, Massenparteien, Konstitutionalismus, politischer Pluralismus, Volkssouveränität, Parteienprivileg.
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und der verfassungsrechtlichen Einordnung politischer Parteien in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis zur Etablierung des Grundgesetzes.
Zentrale Themen sind die historische Genese der Parteien, deren Beziehung zum Parlamentarismus, die staatsrechtliche Theoriebildung in der Weimarer Zeit sowie der Wandel ihres Rechtsstatus.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Parteien von extrakonstitutionellen sozialen Gebilden zu einer institutionell abgesicherten Säule der repräsentativen Demokratie wurden.
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Literatur zur Verfassungsgeschichte und Staatslehre.
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsbedingungen, die Verbindung von Parlamentarismus und Parteien, die Entwicklung der Parteienlandschaft bis 1918 sowie deren Rolle und Krise in der Weimarer Republik.
Parteienentstehung, Parlamentarismus, Staatslehre, Weimarer Reichsverfassung, Parteienstaat, politische Willensbildung.
Die Bewertung war ambivalent: Einerseits wurden Parteien als notwendige Instrumente der modernen Demokratie anerkannt, andererseits wurden sie häufig als extrakonstitutionelle "Fremdkörper" kritisiert, die das Gemeinwohl zugunsten von Partikularinteressen gefährdeten.
Die Verfassung sah Parteien nicht explizit vor (keine institutionelle Absicherung), was den Eindruck eines "beredten Schweigens" erweckte und Diskussionen darüber befeuerte, ob die parlamentarische Demokratie zwangsläufig ein "Parteienstaat" sei.
Die Märzrevolution gilt als der wichtigste Anstoß für die Parteienbildung in Deutschland, da sie den Übergang von informellen Zirkeln hin zu Abgeordnetenzusammenschlüssen in den Parlamenten förderte.
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