Magisterarbeit, 2011
137 Seiten, Note: 1,2
Einleitung
I Diskursanalyse - Theorie und Methoden
1 Diskurs als Gegenstand der Linguistik
2 Diskursanalyse – gängige Verfahren
2.1 Historische Semantik
2.2 Argumentationsanalyse
2.3 CDA – Kritische Diskursanalyse
3 Linguistische Diskursanalyse – neuere Ansätze
3.1 Mediendiskurs als Rollenspiel
3.2 DIMEAN
4 Zusammenfassung
II Erklärte Sicherheiten?! Eine Prototypentheorie sozialer Ordnung (und ihre Grenzen)
1 Amoklauf – wissenschaftlicher Diskurs und öffentliche Debatte
1.1 Psychologie
1.2 Soziologie
1.3 Pädagogik
1.4 Medien- und Kommunikationswissenschaft
1.4.1 Exkurs: ‚soziale Ordnung/Kontrolle‘
1.4.2 C. Beyer: Der Erfurter Amoklauf in der Presse
2 Ein normaler Mittwoch in Winnenden – die Korpusanalyse
2.1 Wahl und Beschaffenheit des Korpus
2.2 Erfurt und Winnenden - Einführung
2.3 Fokus der Analyse
2.4 Diskursanalytische Ergebnisse
2.4.1 Fassungslosigkeit und gekehrte Straßen – Konsens der Betroffenheit
2.4.2 Aus der Gesellschaft gefallen - Der Täter
2.4.3 Balanceakt – Die Verantwortung
2.4.4 offener Diskurs
3 Zusammenfassung – Vom erklärenden zum erklärten Diskurs
III Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die mediale Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden sprachlich gestaltet ist und welche Rolle sie bei der gesellschaftlichen Konstruktion von Normalität und Abweichung spielt. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie und mit welchen sprachlichen Mitteln werden der Amoklauf und seine Umstände in der Öffentlichkeit wahrgenommen und dargestellt?
2.4.1 Fassungslosigkeit und gekehrte Straßen – Konsens der Betroffenheit
BEYER stellt für den Erfurt-Diskurs zunächst fest, dass die Grundlage der im Prozess diskursiver Normalisierungspraxis vorgenommen Bestimmung von Normalität und Abweichung in der Deklarierung und Charakterisierung eines gewissen Kollektivs besteht. Einfach ausgedrückt könnte man sagen, dass die Diskursgemeinschaft, bevor sie den Diskursgegenstand und damit ihr Verhältnis sowie ihre Einstellung zu diesem verhandelt, zunächst sich selbst und ihren ganz allgemeinen Standpunkt bestimmt. Wer ist das WIR, dass diesen Diskurs führt und welche Wirkung hat der Gegenstand auf uns, der diesen Diskurs überhaupt ins Rollen gebracht hat? Weiterhin hält er fest, dass bereits hier die Definition eines Normalzustandes einsetzt, auf den im weiteren Verlauf der Gegenstand konträr bezogen wird. Schon in der Behauptung einer geschlossen Gruppe bestünde die Schaffung einer (normalen) Konsensgemeinschaft als Basis einer ausgrenzenden Bestimmung des (anomalen) Gegenstandes. Dieser Gruppe kommt dabei ein in besonders polysemer Weise einendes Bestimmungsmerkmal zu – sie ist betroffen.
Die Frage, die sich somit stellt, ist, ob auch der Winnendener Amoklauf ein solches diskursiv vermitteltes Zusammenrücken der Gesellschaft nach sich zieht. Gibt es auch hier eine solche Behauptung kollektiver Betroffenheit und wenn ja, was bedeutet eine solche im Grunde banale Feststellung im Kontext der Verhandlung eines Amoklaufs?
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Amoklaufs ein und erläutert die zentrale These, dass solche Ereignisse stets auf Grundlage eines gesellschaftlichen Bewusstseins von Normalität und Abweichung verhandelt werden.
I Diskursanalyse - Theorie und Methoden: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über den Diskursbegriff, die Diskurslinguistik und stellt mit der „Diskurslinguistischen Mehr-Ebenen-Analyse“ (DIMEAN) ein methodisches Modell vor.
II Erklärte Sicherheiten?! Eine Prototypentheorie sozialer Ordnung (und ihre Grenzen): In diesem Hauptteil wird der Amoklauf in den wissenschaftlichen Diskurs eingeordnet und eine Korpusanalyse der Berichterstattung zu Winnenden durchgeführt, um die diskursiven Ergebnisse und Strukturen zu beleuchten.
III Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die methodische Herangehensweise sowie die Bedeutung der Normalisierungspraxis im medialen Diskurs.
Amoklauf, Winnenden, Diskursanalyse, Normalität, Abweichung, Medienberichterstattung, DIMEAN, gesellschaftliche Ordnung, Konstruktion, diskursive Praxis, kollektive Identität, Normalisierung, Täterprofil, Krisenkommunikation, Betroffenheit
Die Arbeit analysiert, wie Medien über den Amoklauf in Winnenden berichteten und wie diese Berichterstattung dazu beiträgt, gesellschaftliche Vorstellungen von Normalität und Abweichung zu bestätigen oder zu konstruieren.
Die zentralen Themenfelder sind die linguistische Diskursanalyse, die mediale Konstruktion von gesellschaftlicher Ordnung sowie die Analyse von Pressetexten im Kontext extremer Gewaltereignisse.
Das Ziel ist es, die mediale Berichterstattung zu Winnenden zu beleuchten und zu untersuchen, mit welchen sprachlichen Mitteln der Amoklauf und seine Umstände in der Öffentlichkeit wahrgenommen und dargestellt werden.
Die Arbeit stützt sich auf die linguistische Diskursanalyse und verwendet das Modell der „Diskurslinguistischen Mehr-Ebenen-Analyse“ (DIMEAN), um Korpusdaten systematisch auszuwerten.
Im Hauptteil wird zunächst der wissenschaftliche Diskurs zum Amoklauf (Psychologie, Soziologie, Pädagogik) diskutiert, gefolgt von einer detaillierten Korpusanalyse, die aufzeigt, wie die Presse das Ereignis in ein Muster der Normalisierung einbettet.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Amoklauf, Winnenden, Diskursanalyse, Normalität, Abweichung und Medienberichterstattung.
Die Arbeit zeigt, dass während in Erfurt eine klare Normalisierungsstrategie vorherrschte, in Winnenden eine stärkere diskursive Skepsis und Selbstreflexion der Medien erkennbar ist, die das Scheitern einfacher Erklärungsmodelle thematisiert.
Experten fungieren als sogenannte „Ideology Brokers“, deren Deutungsangebote dazu dienen, das unerklärliche Ereignis des Amoklaufs in den bestehenden gesellschaftlichen Wissensrahmen zu integrieren und das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft zu bedienen.
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