Forschungsarbeit, 2011
70 Seiten
0. Einleitung und Überblick
1. Akzentuierungen zum Verständnis von Gerechtigkeit und von Bildung in der Ära seit Luther
1.1 Politischer Akzent: Zusammenhänge zwischen irdischer, äußerer Gerechtigkeit, Herrschaft und Bildung
1.2 Kultureller Akzent: Entwicklung zur veräußerlichten Auffassung von Wissen und Bildung
2. Einschlägige Aspekte des theologischen Denkens Luthers zum Verhältnis von Gerechtigkeit und Bildung
2.1 Luthers Verständnis der Glaubensgerechtigkeit zur Vergewisserung des Heils und seine Auffassung von der Rechtfertigung des Menschen
2.2 Luthers Verständnis der heiligen Schrift und des Wortes Gottes. Seine Betonung der Äußerlichkeit und Leiblichkeit des heilswirksamen Wortes Gottes
2.2.1 Luthers theologischer Objektivismus des Gotteswortes
2.2.2 Konsequenzen für die Bildung des Menschen aus Luthers objektivistischem Verständnis des gerechtmachenden Wortes Gottes
2.3 Gotteswort als Auftrag zum Erhalt der irdischen Gerechtigkeit (iustitia civilis) im Verhältnis zur Bildungsproblematik
2.3.1 Die weltliche Aufgabe der Vernunft
2.3.2 Die „Zwei-Reiche-Lehre“ im Hinblick auf die Aufgaben von Erziehung, Bildung und Schule
3. Schluss: Konsequenzen für eine Bildungsphilosophie mit Option auf skeptisch-kritische Bildung zur Ermöglichung eines problemerschlossenen Gerechtigkeitsverständnisses
Die vorliegende Untersuchung analysiert das problematische Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und Bildung am Beispiel der reformatorischen Theologie Martin Luthers. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern bestimmte Auffassungen von Gerechtigkeit die Möglichkeiten einer skeptisch-kritischen Bildung historisch und systematisch behindern oder ausschließen.
0. Einleitung und Überblick
In meiner Untersuchung widme ich mich am konkreten Beispiel der reformatorischen Theologie Martin Luthers einem sowohl bildungshistorischen wie bildungssystematischen Problem, nämlich der Frage, inwiefern bestimmte Auffassungen von Gerechtigkeit den Möglichkeiten auf Bildung historisch wie sachlich entgegen standen bzw. stehen.
Bei meinen Ausführungen gehe ich implizit davon aus, dass im „sokratischen Erbe“ Platons ein skeptisch-kritisches Potential antiken Bildungsdenkens erschließbar ist, das durch traditionsgeschichtliche Einseitigkeit weit gehend verstellt wurde, ein Potential, das ich als sokratisch-problemerschlossene Bildung tituliere.
Am Beispiel von Luthers Auffassung von Glaubensgerechtigkeit und ihrer Wirkungen will ich erhellen, inwiefern das in diesem Kontext vorherrschende Gerechtigkeitsverständnis die Möglichkeiten auf „skeptisch-problematische“ Bildung behindert oder gar ausschließt.
Ich will auf diesem Hintergrund fragen, inwiefern Luther durch seine Theologie ein Verständnis von Gerechtigkeit und von Bildung befördert, das sich knapp titulieren lässt als „obrigkeitsstaatliche Herrschaft durch (vermeintliche) Bildung – und diese Herrschaft als (angebliche) Gerechtigkeit.“
0. Einleitung und Überblick: Die Einleitung skizziert die Problematik, inwiefern Luthers Theologie das Verständnis von Bildung und Gerechtigkeit im Sinne einer obrigkeitlichen Herrschaft geprägt und skeptisch-kritische Bildungspotenziale verstellt hat.
1. Akzentuierungen zum Verständnis von Gerechtigkeit und von Bildung in der Ära seit Luther: Dieses Kapitel arbeitet die politischen und kulturellen Auswirkungen von Luthers Lehre heraus, die zu einer veräußerlichten Wissensauffassung und einer funktionalen Unterordnung des Schulwesens unter staatliche Machtinteressen führten.
2. Einschlägige Aspekte des theologischen Denkens Luthers zum Verhältnis von Gerechtigkeit und Bildung: Der Hauptteil untersucht Luthers Rechtfertigungslehre, sein Verständnis des Wortes Gottes und die „Zwei-Reiche-Lehre“ als theologische Wurzeln für eine Bildung, die der kritischen Hinterfragung entgegensteht.
3. Schluss: Konsequenzen für eine Bildungsphilosophie mit Option auf skeptisch-kritische Bildung zur Ermöglichung eines problemerschlossenen Gerechtigkeitsverständnisses: Das Fazit zieht bildungsphilosophische Konsequenzen und plädiert für eine Wiedergewinnung eines skeptisch orientierten Problemwissens, um aktuellen Vereinnahmungen von Bildung zu begegnen.
Gerechtigkeit, Bildung, Martin Luther, Theologie, Obrigkeitsstaat, Glaubensgerechtigkeit, Wortobjektivismus, Schulwesen, skeptisch-kritische Bildung, Vernunft, Herrschaft, Wissensgesellschaft, Erziehung, Indoktrination, Rechtfertigung
Die Arbeit untersucht kritisch den Einfluss der reformatorischen Theologie Martin Luthers auf das Verhältnis von Gerechtigkeit und Bildung in Deutschland.
Zentral sind die Wechselwirkungen zwischen theologischen Grundpositionen, staatlicher Herrschaftssicherung durch das Schulwesen und der Entwicklung eines objektiven, veräußerlichten Bildungsverständnisses.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie lutherische Auffassungen von Gerechtigkeit und das Wort Gottes das Potenzial für eine skeptisch-problematische Bildung einschränken oder verhindern.
Der Autor verwendet einen historisch-systematischen Ansatz aus der Perspektive eines skeptisch akzentuierten Bildungsverständnisses.
Der Hauptteil analysiert Luthers Verständnis der Glaubensgerechtigkeit, der Schriftautorität (Wortobjektivismus) und die „Zwei-Reiche-Lehre“ hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Bildungs- und Erziehungspraxis.
Gerechtigkeit, Bildung, Martin Luther, Theologie, Obrigkeitsstaat, Wortobjektivismus, skeptisch-kritische Bildung, Indoktrination, Herrschaft.
Die Arbeit argumentiert, dass Luthers Betonung des Wortes und sein Wirken für eine Reformation der Schulen eine Institutionalisierung beförderten, die das Schulwesen langfristig dem staatlichen Zugriff („Etatisierung“) öffnete.
Es handelt sich um eine Form der Bildung, die im Gegensatz zu dogmatischer Einprägung auf die Fähigkeit zur vorbehaltlosen Orientierung, Hinterfragung und zum problemgemäßen Gebrauch von Wissen abzielt.
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