Bachelorarbeit, 2009
39 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung in die Thematik
2. Analyse der narrativen Funktion des Erzählers im Gregorius
2.1. Identifikation der Erzählerstellen
2.2. Kategorien der Erzählerstellen
2.2.1. Vorausdeutungen im Gregorius
2.2.2. Beglaubigungen im Gregorius
2.2.3. Wendungen zum Publikum im Gregorius
2.2.4. Wertungen im Gregorius
3. Abschließende Betrachtung
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der Untersuchung der narrativen Funktion der Erzählerstellen im „Gregorius“ Hartmanns von Aue. Dabei wird analysiert, wie der Erzähler durch spezifische Formkategorien wie Vorausdeutungen, Beglaubigungen, Wendungen zum Publikum und Wertungen in das Geschehen eingreift, um den Handlungsverlauf zu steuern, den Rezipienten zu lenken oder eine belehrende Wirkung zu erzielen.
2.2.1. Vorausdeutungen im Gregorius
Kennzeichen der Vorausdeutungen ist, dass sie sich mit Inhalten befassen, die im Handlungsverlauf der Geschichte erst später stattfinden. Es kommt daher in der Abfolge der Ereignisse an diesen Stellen zu einem Bruch. Diese Anachronie wird von Scheffel und Martínez als „Umstellung der chronologischen Ordnung einer Ereignisfolge“ definiert. Die Vorausdeutung lässt sich jedoch noch genauer definieren: Im Unterschied nämlich zur Ankündigung handelt es sich hierbei um Eingriffe des Erzählers, auf die der behandelte Inhalt nicht nahtlos folgt. Im Gregorius Hartmanns von Aue konnte ich fünf Vorausdeutungen isolieren. Allerdings erschließt sich keine Mindestanzahl an Versen, an Hand derer man die Ankündigungen von den Vorausdeutungen trennen könnte. Die Prolepsen im Gregorius beziehen sich auf Ereignisse, die 66 – 348 Verse später wieder aufgegriffen werden.
Wichtiger als die Versanzahl ist demzufolge bei der Unterscheidung von Ankündigung und Vorausdeutung der semantische Wert und somit die Chronologie des Erzählten. Zudem ist bemerkenswert, dass alle Vorausdeutungen erstens im Präteritum stehen und zweitens nie Personalpronomina der ersten Person Singular Teil von Vorausdeutungen sind. Die von Arndt als „typische Zeitadverbien“ der Vorausdeutung betitelten Adverbien „sît, unz, noch, nie(mer) mê“ lassen sich in meiner Untersuchung lediglich in zwei von fünf Stellen finden und sind somit lediglich als syntaktisches Indiz, nicht aber als Charakteristikum der Vorausdeutungen geeignet.
1. Einführung in die Thematik: Der Autor erläutert die Forschungsabseitsstellung des Gregorius und stellt seine Absicht vor, die Erzählerstellen des Werkes hinsichtlich ihrer narrativen Funktionen systematisch zu kategorisieren.
2. Analyse der narrativen Funktion des Erzählers im Gregorius: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem verschiedene Formkategorien des Erzählerauftretens definiert, isoliert und ihre jeweilige narrative Wirkung untersucht wird.
2.1. Identifikation der Erzählerstellen: Es werden die methodischen Voraussetzungen zur Identifikation der Erzählerstellen geklärt und die Problematik eines fehlenden allgemein anerkannten Ordnungssystems im Umgang mit mittelhochdeutscher Literatur erörtert.
2.2. Kategorien der Erzählerstellen: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der vier ausgewählten Formkategorien.
2.2.1. Vorausdeutungen im Gregorius: Untersuchung der internen und externen Prolepsen als Mittel zur Spannungssteuerung sowie zur Belehrung des Lesers.
2.2.2. Beglaubigungen im Gregorius: Analyse der Wahrheitsbeteuerungen und Quellenberufungen des Erzählers, die dazu dienen, das Vertrauen des Lesers in die Erzählung zu festigen.
2.2.3. Wendungen zum Publikum im Gregorius: Betrachtung der direkten Leseransprache, die sowohl der Vermeidung von Wiederholungen als auch der Rezipientenlenkung dient.
2.2.4. Wertungen im Gregorius: Untersuchung der Handlungs- und Personenbewertungen durch den Erzähler, die zur moralischen Steuerung des Rezipienten beitragen.
3. Abschließende Betrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse, wobei die Eignung der gewählten Formkategorien für die Analyse der narrativen Funktion kritisch bewertet wird.
Gregorius, Hartmann von Aue, Erzähler, narrative Funktion, Vorausdeutung, Beglaubigung, Wendung zum Publikum, Wertung, Rezipientenlenkung, Prolepse, mittelhochdeutsche Literatur, Erzähltheorie, Fiktionalität, Schuld-Sühne-Komplex, Belehrung.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der verschiedenen Formen des Erzählerauftretens im mittelhochdeutschen Epos „Gregorius“ von Hartmann von Aue und deren narrativen Funktionen.
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Erzählerstellen (Vorausdeutungen, Beglaubigungen, Wendungen zum Publikum, Wertungen) und deren Auswirkungen auf die Rezipientenlenkung und den Handlungsverlauf.
Das Ziel ist es, die spezifische narrative Funktion des Erzählers im „Gregorius“ zu identifizieren, da bisherige Forschungsarbeiten dies nur oberflächlich oder im Vergleich zu anderen Werken Hartmanns behandelten.
Es wird eine strukturierte, kategorienbasierte Textanalyse angewandt, die sich methodisch an existierende Erzähltheorien anlehnt, diese jedoch für das spezifische Werk „Gregorius“ adaptiert.
Im Hauptteil werden die Identifikation der Erzählerstellen und die detaillierte Untersuchung der vier Kategorien – Vorausdeutungen, Beglaubigungen, Wendungen zum Publikum und Wertungen – auf ihre jeweilige narrative Funktion hin analysiert.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie „narrative Funktion“, „Erzähleranalyse“, „Gregorius“, „Rezipientenlenkung“ und „mittelhochdeutsche Literatur“ charakterisieren.
Diese Unterscheidung nach Genette ermöglicht es, unterschiedliche narrative Funktionen zuzuordnen: Interne Prolepsen dienen primär dem Spannungsaufbau, während externe Prolepsen eine belehrende Funktion innehaben.
Der Fischer ist die einzige Figur, deren Handlungen durchgehend negativ vom Erzähler bewertet werden, was ihn als Kontrastfigur zu Gregorius hervorhebt und die gezielte Rezipientenlenkung verdeutlicht.
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