Forschungsarbeit, 2011
54 Seiten
0. Orientierende Vorworte: Die gegenwärtige Situation der wissenschaftlichen Pädagogik und das Anliegen und Programm der Abhandlung
I. Erster Hauptteil: Zur Problematik des Verhältnisses von Bildung und Gerechtigkeit am Beispiel Martin Luthers und ausgewählter Aspekte seiner Wirkungsgeschichte
0. Einleitung und Überblick
1. Akzentuierungen zum Verständnis von Bildung und von Gerechtigkeit in der Ära seit Luther
1.1 Politischer Akzent: Zusammenhänge zwischen Bildung und irdischer, äußerer Gerechtigkeit sowie Herrschaft
1.2 Kultureller Akzent: Entwicklung zur veräußerlichten Auffassung von Wissen und Bildung
2. Die »Zwei-Reiche-Lehre« Luthers im Zusammenhang der Frage von Bildung und Gerechtigkeit
3. Konsequenzen für eine Bildungstheorie mit Option auf skeptisch-kritische Bildung zur Ermöglichung eines problemerschlossenen Gerechtigkeitsverständnisses
II. Zweiter Hauptteil: Platon und das Problem von Bildung und Gerechtigkeit
1. Einführung
1.1 Verknüpfung von göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit am Ursprung des abendländischen Philosophierens
1.2 Der Übergang vom Vorrang der göttlichen Gerechtigkeit hin zur menschlichen Gerechtigkeit durch Platons »Rettung der Phänomene«
2. Bildung und Gerechtigkeit in Anlehnung an Platons Politeia
III. Schluss: Philosophische Skepsis und historische Forschung als wesentliche Momente systematisch-pädagogischer Reflexion
Die vorliegende Abhandlung untersucht kritisch das Verhältnis von Bildung und Gerechtigkeit unter Rückgriff auf historische und philosophische Positionen, primär am Beispiel von Martin Luther und Platon. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, aufzuzeigen, wie eine philosophisch-skeptisch informierte Pädagogik dazu beitragen kann, heutige pädagogische Sachprobleme – insbesondere die Verknüpfung von Bildung und Gerechtigkeit – jenseits verengter ideologischer oder ökonomischer Perspektiven neu zu erschließen.
Der Beitrag der Bildung zum rechten Umgang mit der Gerechtigkeitsnorm besteht vor allem in der Stärkung der praktischen Urteilskraft
Da es beim Gerechtigkeitsproblem primär auf den rechten Umgang mit der Gerechtigkeitsnorm ankommt, ist im Hinblick auf die Bildung derer, die sich gerecht verhalten und Gerechtigkeit verwirklichen sollen, vor allem deren praktische Urteilskraft zu stärken. Die Gerechtigkeitsnorm ist, wie gezeigt, in der Anwendung zu vermitteln mit den vielen für sie potenziell einschlägigen konkreten Situationen, denen nie völlig gleiche Merkmale eignen. Diese Vermittlung kann nur durch Personen unter Gebrauch ihrer praktischen Urteilskraft geleistet werden. Deren Urteilskraft gilt es daher zu stärken durch Bildung als Ausbildung der persönlichen Sachvernunft und als praktische Erfahrung. Denn eine positive Gerechtigkeitsnorm ist wenig wert, wenn ihre Verwendung den Problemen im Zusammenhang der lebensweltlichen Anwendung dieser Norm nicht gerecht wird.
Wie dargelegt, ist weder eine endgültige Antwort auf die Gerechtigkeitsfrage zu erwarten unter den Bedingungen unserer Lebenswelt, noch könnte eine solche, wäre sie gefunden, Gerechtigkeit garantieren, da es, wie die Erfahrung nahelegt, nie bloß EINE Lesart gibt, weder von einer Gerechtigkeitsnorm noch von einer konkreten Situation, auch nicht von ihrem Verhältnis zueinander. Ich komme damit zum zweiten Aspekt des Verhältnisses von Gerechtigkeit und Bildung:
0. Orientierende Vorworte: Die gegenwärtige Situation der wissenschaftlichen Pädagogik und das Anliegen und Programm der Abhandlung: Der Autor plädiert für die Wiedereinbindung historischer und philosophisch-skeptischer Perspektiven in die systematische Pädagogik, um Sacherschließung angesichts zeitgenössischer Verengungen zu ermöglichen.
I. Erster Hauptteil: Zur Problematik des Verhältnisses von Bildung und Gerechtigkeit am Beispiel Martin Luthers und ausgewählter Aspekte seiner Wirkungsgeschichte: Dieser Teil untersucht, wie Luthers Theologie eine Bildungstradition begründete, die Gerechtigkeit oft mit obrigkeitlicher Herrschaft verknüpfte und damit skeptisch-kritische Bildungspotenziale einschränkte.
0. Einleitung und Überblick: Einführung in das bildungshistorische und -systematische Problem der Verengung von Bildungschancen durch bestimmte Gerechtigkeitsverständnisse in der Tradition Luthers.
1. Akzentuierungen zum Verständnis von Bildung und von Gerechtigkeit in der Ära seit Luther: Analyse der politischen und kulturellen Folgen der Reformation, die Bildung und Herrschaft in einen problematischen, kritikimmunisierenden Zusammenhang brachten.
2. Die »Zwei-Reiche-Lehre« Luthers im Zusammenhang der Frage von Bildung und Gerechtigkeit: Untersuchung der theologischen Grundlagen, die weltliche Ordnungen als gottgewollt legitimieren und Erziehung zu deren Erhalt instrumentalisieren.
3. Konsequenzen für eine Bildungstheorie mit Option auf skeptisch-kritische Bildung zur Ermöglichung eines problemerschlossenen Gerechtigkeitsverständnisses: Zusammenfassung der Problematik von Luthers Erbe und Forderung nach einer Befreiung pädagogischer Theorie aus dieser theologischen Umklammerung.
II. Zweiter Hauptteil: Platon und das Problem von Bildung und Gerechtigkeit: Anwendung einer sokratisch-skeptischen Perspektive auf Platons Texte, um das Potenzial für ein problemorientiertes Bildungsdenken jenseits von Dogmatismus freizulegen.
1. Einführung: Darstellung der philosophischen Herausforderung, menschliche Gerechtigkeit zu denken, ohne sie einer starren göttlichen Vorordnung zu unterwerfen.
2. Bildung und Gerechtigkeit in Anlehnung an Platons Politeia: Analyse der Politeia als sokratische Kontrastfolie, die zur Entwicklung von praktischer Urteilskraft und problemqualifiziertem Gebrauchswissen anleitet.
III. Schluss: Philosophische Skepsis und historische Forschung als wesentliche Momente systematisch-pädagogischer Reflexion: Fazit über die Notwendigkeit historischer und skeptischer Reflexion als Mittel zur Selbstkorrektur und tieferen Sacherschließung in der Pädagogik.
Bildung, Gerechtigkeit, Wissenschaftliche Pädagogik, Martin Luther, Platon, Sokratische Bildung, Philosophische Skepsis, Historische Forschung, Systematische Pädagogik, Praktische Urteilskraft, Wissensgesellschaft, Herrschaft, Ordnungstheologie, Gebrauchswissen, Problemerschlossenheit.
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Bildung und Gerechtigkeit. Sie analysiert kritisch, wie historische und philosophische Traditionen – insbesondere die lutherische Theologie und die platonische Philosophie – unser Verständnis von Bildung und Gerechtigkeit geprägt haben und welche Konsequenzen dies für die heutige Pädagogik hat.
Die zentralen Felder sind die bildungshistorische Analyse der Reformation, die Untersuchung der Verknüpfung von Bildung und staatlicher Herrschaft, die philosophische Grundlegung von Gerechtigkeit bei Platon sowie die Bedeutung der philosophischen Skepsis für eine systematische pädagogische Reflexion.
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Pädagogik durch eine philosophisch-skeptische und historische Besinnung dazu zu befähigen, aktuelle pädagogische Sachprobleme wie das Verhältnis von Bildung und Gerechtigkeit eigenständig und kritisch zu durchdringen, anstatt sich blind in tradierten Selbstverständlichkeiten zu verfangen.
Der Autor nutzt eine historisch-systematische Methode. Er unterzieht klassische Texte – vor allem von Luther und Platon – einer kritischen Lektüre (unter der Hypothese ihrer Sachangemessenheit), um deren pädagogische Relevanz und problematische Wirkungsgeschichte für die Gegenwart fruchtbar zu machen.
Der erste Hauptteil widmet sich der kritischen Wirkungsgeschichte Luthers, wobei die Verknüpfung von Bildung mit obrigkeitlicher Herrschaft und Wissensobjektivismus im Fokus steht. Der zweite Hauptteil beleuchtet Platons Politeia und arbeitet das sokratische Potenzial heraus, Bildung als Förderung praktischer Urteilskraft und problemqualifizierten Gebrauchswissens zu begreifen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bildung, Gerechtigkeit, skeptische Bildung, praktische Urteilskraft, Wissensgesellschaft, historische Reflexion und Sacherschließung charakterisieren.
Der Autor argumentiert, dass Luther durch seine Rechtfertigungstheologie und die Zwei-Reiche-Lehre ungewollt eine Tradition begründete, die Bildung stark funktionalisierte, um Untertanen für staatliche Zwecke zu disziplinieren, und Wissen in Richtung eines "Wissensobjektivismus" verengte, was einer kritisch-skeptischen Bildung entgegensteht.
Der Autor bezieht sich darauf, dass Platon die reale Welt und ihre vielheitlichen Erscheinungen vor dem "ontologischen Vernichtungsurteil" des Parmenides rettete. Dies schuf erst den notwendigen Freiraum, um eine weltlich-menschliche Gerechtigkeit zu denken, die nicht von einer angenommenen göttlichen Ordnung erdrückt wird.
In der modernen Wissensgesellschaft ist die Menge an Informationen riesig. Praktisches Gebrauchswissen, dessen Kern die "problematische Erschlossenheit des Guten" ist, befähigt dazu, Wissen und Informationen unvoreingenommen und verantwortungsvoll zu prüfen, anstatt bloße Wissensansprüche als Machtinstrumente zu akzeptieren.
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