Diplomarbeit, 2010
75 Seiten, Note: 1,8
1. Verdachtsmomente
1.1 Motivverdacht
1.2 Stigmatisierungsverdacht
1.3 Effizienzverdacht
1.4 System der sozialen Hilfe
2. Strategien und Struktur der Entwicklungszusammenarbeit (entwicklungspolitische Rahmenbedingungen)
2.1 Strategien und Prinzipien der Entwicklungszusammenarbeit
2.1.1 Modernisierungs- und Industrialisierungsstrategien
2.1.2 Dependenztheorien und "Neokolonialismus"
2.1.3 Grundbedürfnisstrategie
2.1.4 Strategie der Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung
2.1.4.1 Verteilungsgerechtigkeit
2.1.4.2 Chancengerechtigkeit
2.2 Entwicklungspolitische Ziele und Richtlinien
2.2.1 UN-Konferenzen
2.2.1.1 UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro 1992
2.2.1.2 Weltgipfel für soziale Entwicklung in Kopenhagen 1995
2.2.1.3 Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg 2002
2.2.2 Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs)
2.2.3 Aktuelle Ergebnisse: Paris-Deklaration von 2005 und Aktionsplan von Accra 2008
3. Maßnahmen und Vorgaben bei der Durchführung von Entwicklungsprojekten
3.1 Maßnahmen und Orientierungswerte von Entwicklungshilfeprojekten
3.1.1 Kohärenz, Koordination und Komplementarität
3.1.2 Gleichberechtigung und Gerechtigkeit
3.1.3 Verantwortung und Eigenverantwortung
3.1.4 Relevanz
3.1.5 Wirkung und Wirksamkeit (impact)
3.1.6 Effektivität und Effizienz
3.2 Wirkungs- und Nachhaltigkeitsmessung
3.2.1 Ziel und Zweck der Erfolgskontrolle bzw. Evaluation
3.2.2 Grundlagen der Wirkungs- und Nachhaltigkeitsmessung
3.2.3. Durchführung und Form der Evaluation
3.2.4 Kurzdarstellung von Projektevaluationen
Die Arbeit analysiert kritisch die Strukturen und Wirkmechanismen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ), um zu untersuchen, ob diese Projekte tatsächlich hilfreich für die Zielgruppen sind oder primär dem Erhalt des Hilfesystems dienen. Basierend auf systemtheoretischen Verdachtsmomenten wird erforscht, wie durch Strategien, Richtlinien und Evaluationsmethoden die Wirksamkeit gesteigert und eine Stärkung der Eigenverantwortung der betroffenen Länder erreicht werden kann.
1.1 Motivverdacht
„Erstens unterliegt alle Hilfe dem Motivverdacht, eher dem Helfenden zu nützen als dem, dem zu helfen ist“ (Baecker 1994, S. 93).
Hilfe ist die „Aufrechterhaltung bestimmter Eigenzustände der Gesellschaft“ (ebd.) und schließt somit die Aufrechterhaltung von Abweichungen und Normalität in der Gesellschaft ein. Solange es Abweichung in der Gesellschaft gibt, das heißt, so lange die Sozialarbeit Situationen als abweichend definiert, sichert sie (die Sozialarbeit) sich ihr Handlungsfeld. Der Motivverdacht geht also von der Behauptung aus, dass das Motiv, das sich hinter der Hilfe, des Helfens halber versteckt, die Aufrechterhaltung des Systems Soziale Hilfe ist.
Die helfende Organisation „darf das Problem nicht nur lösen, das sie zu entscheiden hat, sie muß es auch reproduzieren, damit sie es auch in Zukunft entscheiden kann" (Baecker 1997b, S. 44). Sie muss sich durch Sicherung des Nachschubs ihre Existenzgrundlage bewahren. Der einzelne Sozialarbeiter ist damit in den Stand gesetzt, „…sich aus den vielen Gründen für soziale Hilfe denjenigen auszusuchen, den er von Fall zu Fall braucht" (Baecker 1997b, S. 45). Ihr „Handwerkszeug“ zur Sicherung des Nachschubs ist die Entscheidungsmacht, wann eine Abweichung als solche gilt.
Angesichts dieser Theorie ist Hilfe aus Helfersicht als hilfreich zu bewerten, obwohl in der gängigen Vorstellung Hilfe vor allem an den Bedürftigen gerichtet sein sollte.
1. Verdachtsmomente: Einführung in die systemtheoretische Kritik von Dirk Baecker, die Hilfe als potenzielles Mittel zur Aufrechterhaltung von Stigmatisierung und Systemerhalt betrachtet.
2. Strategien und Struktur der Entwicklungszusammenarbeit (entwicklungspolitische Rahmenbedingungen): Analyse der globalen Leitbilder, UN-Konferenzen und Millenniums-Entwicklungsziele, die als Richtlinien zur Qualitätssteigerung und Zielvorgabe dienen.
3. Maßnahmen und Vorgaben bei der Durchführung von Entwicklungsprojekten: Untersuchung der operativen Kriterien wie Kohärenz, Wirksamkeit und Evaluation, anhand derer Entwicklungshilfe in der Praxis gesteuert und kontrolliert wird.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Verdachtsmomente im Kontext praktischer Entwicklungsstrategien und die Feststellung, dass eine wirkungsorientierte Evaluation der Schlüssel zur Überwindung von Ineffizienz ist.
Entwicklungszusammenarbeit, Systemtheorie, Motivverdacht, Stigmatisierungsverdacht, Effizienzverdacht, Millenniums-Entwicklungsziele, Nachhaltigkeit, Eigenverantwortung, Evaluation, Wirkungsmessung, Hilfe zur Selbsthilfe, Good Governance, soziale Gerechtigkeit, Nicht-Hilfe, Entwicklungsstrategien.
Die Arbeit untersucht die kritische Frage, ob Entwicklungshilfe tatsächlich den Hilfsbedürftigen zugutekommt oder ob sie primär als Instrument zur Aufrechterhaltung von Machtstrukturen und des eigenen Hilfesystems fungiert.
Die Arbeit beleuchtet systemtheoretische Grundlagen, entwicklungspolitische Rahmenbedingungen, internationale Abkommen wie die Millenniums-Entwicklungsziele und operative Maßnahmen zur Evaluierung von Projekten.
Ziel ist es herauszufinden, ob durch moderne Strategien und Qualitätsstandards in der Entwicklungspolitik die systemimmanenten Gefahren einer ineffizienten oder stigmatisierenden Hilfe ausgeräumt oder zumindest abgeschwächt werden können.
Die Autorin nutzt eine systemtheoretische Analyse, insbesondere basierend auf den Konzepten von Dirk Baecker, und kombiniert diese mit einer Literaturanalyse aktueller entwicklungspolitischer Strategien und Evaluationsberichte aus der Praxis.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Verdachtsmomente, eine detaillierte Analyse der entwicklungspolitischen Strategien und Ziele sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Maßnahmen und Evaluationsmethoden in der praktischen Projektdurchführung.
Zentrale Begriffe sind die „3 Verdachtsmomente“ (Motiv-, Stigmatisierungs- und Effizienzverdacht), Eigenverantwortung (Ownership), Nachhaltigkeit sowie verschiedene Ansätze zur Wirkungs- und Erfolgskontrolle in der Entwicklungszusammenarbeit.
Die „Nicht-Hilfe“ wird systemtheoretisch als notwendige Option betrachtet, um einer drohenden Abhängigkeit und Lähmung der Selbsthilfepotenziale der Betroffenen entgegenzuwirken, wenn eine Hilfeleistung ihre Funktion verloren hat.
Evaluationen dienen als wichtiges Korrektiv, um über rein materielle Zuwendungen hinaus die tatsächliche Wirksamkeit (Impact) und Nachhaltigkeit zu prüfen, wodurch ein Lerneffekt für zukünftige Projekte ermöglicht wird.
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