Magisterarbeit, 2009
103 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
Einleitung
1. Gedächtnis und Autobiografie
1.1 Das menschliche Gedächtnis – Ideengeschichte, Neuroanatomie und Entwicklung
1.2 Das autobiografische Gedächtnis – ein Gedächtnis für Lebensereignisse
1.3 Die Entwicklung des autobiografischen Gedächtnisses
1.4 Zusammenfassung: Welche Bedeutung hat das autobiografische Gedächtnis für den Menschen und seine Erinnerungen?
2. Autobiografische Erinnerungen
2.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.2 Die Ordnung autobiografischer Erinnerungen
2.3 Der rekonstruktive Charakter der Erinnerung
2.4 Quellenamnesie und Erinnerungsverzerrung
2.5 Blitzlichterinnerungen und traumatische Erinnerungen
2.6 Die infantile Amnesie
2.7 Zusammenfassung: Wozu braucht der Mensch persönliche Erinnerungen?
3. Die Persönlichkeit des Menschen
3.1 Persönlichkeit – Ideengeschichte und der Versuch einer Begriffsbestimmung
3.2 Biologische Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung und die Anlage-Umwelt-Problematik
3.3 Die Persönlichkeitsentwicklung
3.3.1 Bedingungen der Persönlichkeitsentwicklung
3.3.2 Die Bedeutung der Familie für die Persönlichkeitsentwicklung
3.4 Die Komplexität der Persönlichkeit
3.5 Zusammenfassung: Wozu braucht der Mensch eine Persönlichkeit?
4. Erinnerung und Persönlichkeit
4.1 Rückblick auf die biologischen Grundlagen
4.2 Sigmund Freud
4.3 Moderne Ansätze
4.4 Studien zum Thema
4.4.1 Langzeitwirkungen der Teilnahme an internationalen Schüler- und Jugendbegegnungen
4.4.2 Persönlichkeitsspezifische Effekte beim Erinnern lebensgeschichtlicher Ereignisse
4.4.3 Trauma und Erinnerung
4.5 Zusammenfassung: Welche Bedeutung haben die frühesten Erinnerungen für die Persönlichkeitsentwicklung?
Fazit und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die wechselseitige Beziehung zwischen dem autobiografischen Gedächtnis, lebensgeschichtlichen Erinnerungen und der Persönlichkeitsentwicklung. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit frühe Erinnerungen die Entwicklung der individuellen Identität beeinflussen und formen.
2.3 Der rekonstruktive Charakter der Erinnerung
Grundlage zur Aktivierung eines Erinnerungsprozesses können Bilder, sensorische Eindrücke, Wörter oder auch im Gedächtnis gespeicherte Ausschnitte des zu erinnernden Ereignisses sein. Diese Hinweisreize bilden wichtige Gedächtnisstützen für die Erinnerung (vgl. Estrade 2007: 31). Wenn eigentlich verloren geglaubte Erinnerungen wieder auftauchen, kann das möglicherweise daran liegen, dass ein Abrufreiz aufgetreten ist, der zur Aktivierung des Engramms geführt hat. Denn je älter eine Erinnerung ist, desto mehr Hinweisreize sind zu deren Abruf erforderlich (vgl. Schacter 2001: 133f.). Nach Tulving und Thompson bestimmt schon die Art der Enkodierung eines Ereignisses, welche Hinweisreize zum Abruf nützlich sind (vgl. ebd.: 189). Dies nannten sie „Prinzip der Enkodierungsspezifität“ (Parkin 2000: 49). Je größer der Grad der Überlappung von gegenwärtigen und gespeicherten Informationen ist, desto größer ist auch der Abruferfolg (vgl. ebd.: 49). Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erinnerungssituation mit der Originalsituation völlig identisch ist, sehr gering. Insbesondere die aktuellen Lebensumstände, die Motivation und Emotion und die soziale Umwelt unterscheiden sich häufig von denen bei der Enkodierung (vgl. Pohl 2007: 148).
Die Erlebnisse können somit nicht detailgetreu wiedergegeben werden, sondern es werden nur fragmentarische Informationen gespeichert. Dies dient in erster Linie der Reduktion von Komplexität. Erinnerungen stellen damit lediglich eine schematische Rekonstruktion der Vergangenheit dar (vgl. Gisbert 2001: 29). Die Erinnerungsspuren sind als Muster von Neuronenverbindungen auf bestimmte Areale im Gehirn verteilt. Beim Erinnerungsprozess werden die einzelnen Komponenten aktiviert und zusammengefügt. Diese Konstruktion unterliegt verschiedenen Einflüssen. So werden bei jedem Erinnerungsvorgang auf der Basis des bereits gespeicherten Engramms, Aspekten aus anderen Erinnerungen und den Befindlichkeiten der aktuellen Situation neue Verknüpfungspunkte hinzugefügt, sodass ein neues neuronales Netzwerk gebildet wird. Dabei sind eben insbesondere die Erinnerungsdetails von der Verzerrung betroffen (vgl. Siegel 2006: 24f.; Welzer 2005: 20f., 44f., 56). Auf diese Weise können also auch falsche Erinnerungen entstehen (vgl. Siegel 2006: 35). Durch Vergessen oder unvollständiges Speichern entstehen Lücken in der Erinnerung, die durch Fantasie und Vorstellungskraft geschlossen werden.
1. Gedächtnis und Autobiografie: Dieses Kapitel legt den theoretischen Rahmen dar, indem es die neuroanatomischen Grundlagen und die Entwicklung des Gedächtnisses beleuchtet.
2. Autobiografische Erinnerungen: Hier werden die Funktionsweise, der rekonstruktive Charakter und spezielle Formen der Erinnerung wie Blitzlichterinnerungen und infantile Amnesie analysiert.
3. Die Persönlichkeit des Menschen: Das Kapitel befasst sich mit der Definition von Persönlichkeit sowie den biologischen und sozialen Bedingungen ihrer Entwicklung.
4. Erinnerung und Persönlichkeit: Dieser Teil führt die Erkenntnisse zusammen und diskutiert den direkten Einfluss von Erinnerungen auf die Identitätsbildung unter Einbeziehung von Fallstudien.
Autobiografisches Gedächtnis, Erinnerung, Persönlichkeitsentwicklung, Identität, Neuroanatomie, infantile Amnesie, Rekonstruktion, Quellenamnesie, Trauma, Anlage-Umwelt-Problematik, episodisches Gedächtnis, soziales Gedächtnis, Persönlichkeitspsychologie, Bindungstheorie, Selbstbild.
Die Arbeit untersucht, wie das autobiografische Gedächtnis und persönliche Erinnerungen als Grundlage für die Entwicklung und Stabilität der menschlichen Persönlichkeit dienen.
Die zentralen Felder umfassen die Gedächtnispsychologie, die Neuroanatomie der Erinnerung, die Persönlichkeitsentwicklung sowie die Rolle von sozialen Faktoren und traumatischen Erlebnissen bei der Identitätsbildung.
Das Hauptziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, dass die Entwicklung der Persönlichkeit maßgeblich durch autobiografische Erinnerungen beeinflusst wird, wobei eine wechselseitige Beeinflussung von Gedächtnisinhalten und Persönlichkeitsmerkmalen postuliert wird.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychologischer, neurologischer und erziehungswissenschaftlicher Studien sowie der theoretischen Auseinandersetzung mit den Modellen bedeutender Forscher wie Schacter, Markowitsch, Welzer und Freud.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Strukturen des autobiografischen Gedächtnisses, die Dynamik der Erinnerungsrekonstruktion, die biologischen Grundlagen der Persönlichkeit und die verschiedenen Funktionen autobiografischen Erinnerns für den Menschen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem autobiografisches Gedächtnis, Identität, Persönlichkeitsentwicklung, rekonstruktiver Charakter der Erinnerung, infantile Amnesie und Anlage-Umwelt-Interaktion.
Die infantile Amnesie markiert die Grenze der bewussten autobiografischen Erinnerbarkeit und dient als zentraler Ansatzpunkt, um zu verstehen, wie und wann Kinder beginnen, ein "Selbst" und eine eigene Lebensgeschichte zu entwickeln.
Traumata können durch organische Veränderungen im Gehirn (z.B. Hippocampus-Veränderungen) und durch psychogene Mechanismen wie dissoziative Amnesien die Persönlichkeitsstruktur tiefgreifend verändern und die Bildung einer stabilen Identität erschweren.
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