Diplomarbeit, 2002
102 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition und Gegenüberstellung wesentlicher Ansätze
2.1.Eugen Bleuler: Autismus als Symptom der Schizophrenie
2.2.Leo Kanner: Early infantile autism
2.3.Hans Asperger: Die autistische Psychopathie
2.4.Kritische Gegenüberstellung der Ansätze von Leo Kanner und Hans Asperger
3. Das Erscheinungsbild des kindlichen Autismus
3.1.Das autistische Syndrom
3.2.Primäre Symptomatik
3.2.1. Wahrnehmung
3.2.1.1. Kognitive Störungen
3.2.1.2. Sensorische Störungen
3.2.1.3. Emotionale Störungen
3.2.2. Sprache
3.2.2.1. Kommunikationsstörungen
3.2.2.2. Besonderheiten des Sprachverhaltens
3.2.3. Motorik
3.2.3.1. Körperliche Störungen
3.2.3.2. Epileptische Störungen
3.2.4. Sozialbeziehungen
3.3. Sekundäre Symptomatik
3.3.1. Sonderleistungen
3.3.2. Eßstörungen
3.3.3. Aggression, Autoaggression
3.3.4. Ritualisierungen, Stereotypen, zwanghaftes Verhalten
4. Erklärungsansätze zur Ätiologie
4.1. Psychoanalytische Verursachungstheorie
4.1.1. Die psychogenetische Sichtweise Bettelheims
4.1.2. Die psychogenetische Sichtweise Margaret Mahlers
4.1.3. Die psychogenetische Sichtweise Niko und Elisabeth A Tinbergens
4.2. Hirnorganische Verursachungstheorien
4.3. Biochemische Verursachungstheorien
4.4. Genetische Erklärungsansätze
4.5. Störung der Wahrnehmungsverarbeitung als Ursache
4.6. Multikausalität
5. Ambulante Therapieansätze in der Behandlung autistischer Kinder
5.1. Grundprinzipien der therapeutischen Arbeit mit autistischen Kindern
5.2. Ambulante Interventionen
5.2.1. Vorteile
5.2.1.1. Familienanbindung
5.2.1.2. Gewohnte Umgebung
5.2.2. Ziele
5.3. Stationäre Unterbringungen
5.3.1. Konzepte der Behandlung
5.3.2. Vorteile
5.3.3. Ziele
6. Spieltherapie
6.1. Die nicht- direktive Kinder- Spieltherapie nach Virginia M. Axline
6.1.1. Theoretische Grundlagen
6.1.2. Die nicht- direktive Therapie
6.1.3. Die nicht direktive Gruppentherapie
6.1.4. Das Spielzimmer und das Spielmaterial
6.1.5. Das Kind
6.1.6. Der Therapeut
6.1.6.1. Die 8 Grundprinzipien
6.1.7. Die Rolle der Eltern als indirekte Teilnehmer
6.2. Ziele der Spieltherapie
6.3. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
7. Sensorische Integrationstherapie
7.1. Theoretische Grundlagen
7.1.1. Störung der sensorischen Integration
7.2. Spezifische Behandlungsansätze
7.2.1. Sensorische Integrationstherapie nach Ayres
7.2.2. Basale Stimulation nach Fröhlich
7.3. Ziele der sensorischen Integration
7.4. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
8. Verhaltenstherapeutisch orientierte Autismustherapie
8.1. Theoretische Grundlagen
8.1.1. Operantes Verhalten
8.1.2. Klassisches Konditionieren
8.1.3. Generalisieren und Diskriminieren
8.1.4. Modellernen
8.1.4.1. Verbales Imitationstraining
8.1.5. Verstärker
8.1.6. Löschung
8.2. Spezifischer Behandlungsansatz
8.2.1. Therapie der sozialen Kompetenz nach Kusch/ Petermann
8.2.2. Behandlung von Stereotypen
8.3. Verhaltenstherapeutische Ziele
8.4. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
9. Ganzheitlicher und umfassender ambulanter Therapieansatz des Autismus- Therapie- Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Münster
9.1. Autismus- Therapiezentrum in Münster
9.2. Klientel
9.3. Methoden und Themen bei der Therapie von autistischen Kindern
9.4. Die therapeutische Arbeit mit den autistischen Kindern
9.4.1. Erstgespräche und Beratung bei der Diagnosefindung
9.4.2. Ganzheitliches Angebot
9.4.3. Einzel- und Gruppentherapie
9.4.4. Verstehender Dialog mit Grenzen und Regeln
9.4.5. Strukturierung und Orientierung
9.4.6. Eltern-, Angehörigen und Familienberatung
9.4.7. Krisenintervention
10. Resümee
11. Anhang
11.1 Merkmal- und Symptomkatalog zur Erkennung des frühkindlichen Autismus
11.2. Frühsymptome
11.3. Therapieprogramm zur sensorischen Integration
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen fundierten Überblick über das Erscheinungsbild, die Ätiologie und insbesondere die ambulanten Therapieansätze bei frühkindlichem Autismus zu geben. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie durch ganzheitliche und auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes zugeschnittene therapeutische Interventionen eine bessere Integration und eine Steigerung der Lebensqualität erreicht werden kann, wobei die Einbeziehung des familiären Umfelds eine zentrale Rolle spielt.
3.2.1.1. Kognitive Störungen
Die kognitiven Störungen werden als charakteristische Basisstörungen betrachtet. Sie werden als allgemeines Defizit an Fähigkeiten verstanden, Sinn- und Bedeutungsgehalte aus sprachlichen Informationen abzuleiten. Hiervon ist vor allem das interpersonale Verstehen betroffen. (STEINHAUSEN, 1996, 57)
"Ähnlich wie der Blinde unfähig ist, die Welt leibhaftig zu sehen, so scheint der autistische Mensch nach neueren Erkenntnissen außerstande zu sein, das Innenleben von Personen wahrzunehmen. In gewissem Sinne könnte man von einer Blindheit für psychische Vorgänge sprechen- analog zu der für physische (FRITH, 1993, 48).“
Die Dreiheit der autistischen Störung, die in der Beeinträchtigung der Kommunikation, Phantasie und der sozialen Beziehungsfähigkeit besteht, ist mit dem Versagen eines einzigen kognitiven Mechanismus zu verstehen. Deshalb können sie nicht nachvollziehen, wie Verhalten aus bestimmten Situationen resultiert und können nicht begreifen, wie sich Überzeugung und Einstellung manipulieren lassen. Aus dem Grund fällt es ihnen auch schwer zu verstehen, was Täuschung und Betrug ist. (FRITH, 1993, 54)
Die Grundlage der Probleme autistischer Kinder ist eine unzureichende Verarbeitung von Informationen. Es werden weniger übergreifende Schemata ausgebildet, die es ihnen ermöglichen, die Informationen zuverlässig zu zuordnen. Das Defizit bei der Ausbildung von übergreifenden Schemata, die den Lebenszusammenhang repräsentieren und damit Einzelinformationen in einen funktionalen Sinnzusammenhang bringen, erschwert die Ausbildung und den Einsatz von Gedächtnisstrategien. Autistische Kinder sind weitgehend auf das unmittelbare Behalten angewiesen. Ein autistisches Kind nimmt einen Begriff auf, ohne ihn in einen umgreifenden Sprach- oder Lebenszusammenhang einzubeziehen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die weltweite Bedeutung des frühkindlichen Autismus und betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose sowie Förderung zur gesellschaftlichen Integration.
2. Begriffsdefinition und Gegenüberstellung wesentlicher Ansätze: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Begriffs Autismus und vergleicht die wegweisenden Ansätze von Eugen Bleuler, Leo Kanner und Hans Asperger.
3. Das Erscheinungsbild des kindlichen Autismus: Hier werden die primäre und sekundäre Symptomatik detailliert dargestellt, einschließlich kognitiver, sprachlicher, motorischer und sozialer Auffälligkeiten.
4. Erklärungsansätze zur Ätiologie: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über verschiedene Erklärungsmodelle zur Entstehung von Autismus, von psychoanalytischen Theorien bis hin zu hirnorganischen und genetischen Hypothesen.
5. Ambulante Therapieansätze in der Behandlung autistischer Kinder: Es werden die Grundprinzipien ambulanter Interventionen sowie deren Vorteile gegenüber stationären Unterbringungen diskutiert.
6. Spieltherapie: Fokus liegt auf der nicht-direktiven Spieltherapie nach Virginia M. Axline als therapeutisches Mittel zur emotionalen Selbstentfaltung.
7. Sensorische Integrationstherapie: Dieses Kapitel behandelt das Konzept der sensorischen Integration nach Jean M. Ayres und die basale Stimulation als Methode zur Förderung der Wahrnehmungsverarbeitung.
8. Verhaltenstherapeutisch orientierte Autismustherapie: Die Arbeit erläutert verhaltenstherapeutische Methoden wie operantes Konditionieren und Modellernen sowie deren spezifische Anwendung bei Autismus.
9. Ganzheitlicher und umfassender ambulanter Therapieansatz des Autismus- Therapie- Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Münster: Eine Vorstellung der praktischen Arbeit und Methoden eines spezifischen Therapiezentrums.
10. Resümee: Eine abschließende Zusammenfassung betont die Unheilbarkeit des Autismus, unterstreicht aber die Wichtigkeit ganzheitlicher Fördermaßnahmen für positive Entwicklungsfortschritte.
11. Anhang: Der Anhang enthält umfangreiche Symptomkataloge, Frühsymptome und konkrete Therapieübungen zur sensorischen Integration.
Frühkindlicher Autismus, Autismus-Therapie, Ambulante Behandlung, Kanner-Syndrom, Asperger-Syndrom, Wahrnehmungsstörung, Sensorische Integration, Verhaltenstherapie, Frühförderung, Spieltherapie, Elternarbeit, Symptomatik, Ätiologie, Soziale Kompetenz, Ganzheitliche Therapie.
Die Diplomarbeit widmet sich den verschiedenen therapeutischen Ansätzen bei der Behandlung autistischer Kinder unter besonderer Berücksichtigung ambulanter Interventionsmöglichkeiten.
Die zentralen Themen umfassen die historische Begriffsdefinition, die klinische Symptomatik, die verschiedenen Ätiologietheorien sowie eine detaillierte Darstellung therapeutischer Konzepte wie der Spieltherapie, der sensorischen Integrationstherapie und der Verhaltenstherapie.
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie durch eine frühzeitige, ganzheitliche und in das soziale Umfeld eingebettete Therapie die Lebensqualität autistischer Kinder verbessert werden kann.
Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturanalyse und vergleichende Gegenüberstellung bestehender theoretischer Modelle und therapeutischer Praxisbeispiele.
Der Hauptteil analysiert das Erscheinungsbild des Autismus, beleuchtet die ätiologischen Ursachen (von psychoanalytisch bis biologisch) und stellt spezifische ambulante Therapiekonzepte in der Praxis vor.
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Frühkindlicher Autismus, ambulante Therapie, sensorische Integration, Verhaltenstherapie und ganzheitliche Förderung charakterisieren.
Die Arbeit arbeitet Unterschiede in Bezug auf den Krankheitsbeginn, die sprachliche Entwicklung (Sprachverzögerung bei Kanner vs. differenziertere Sprache bei Asperger) und die allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit heraus.
Das ambulante Setting wird als vorteilhaft hervorgehoben, da es die Integration in das vertraute Familienleben ermöglicht, weniger belastend für das Kind ist und die aktive Mitarbeit der Eltern als „Co-Therapeuten“ fördert.
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