Forschungsarbeit, 2011
37 Seiten
0 Einleitung
1 Die drei salafistischen Strömungen
1.1 Puristischer Salafismus
1.2 Politischer Salafismus
1.3 Jihadistischer Salafismus
2 Besondere Charakteristika des deutschen Jihadi-Salafismus
2.1 Keine Führungskader der Al-Qaida in Deutschland
2.2 Verbreitung der jihadi-salafisitschen Ideologie in Deutschland
2.3 Der verdeckt agierende Jihadi-Salafismus
2.4 Verzögerte Transformation zum globalen Jihadi-Salafismus
3 Gegenwärtige salafistische Strömungen in Deutschland
3.1 Puristische Salafisten in Deutschland
3.2 Aufspaltung und Radikalisierung des puristisch-salafistischen Milieus
3.3 Der kleine militante Rand im politisch-salafistischen Milieu
3.4 Neue Internationalisten oder deutsche Taliban
3.5 Entsteht ein jihadi-salafistisches Propaganda-Netzwerk im Internet? Die Gefahren des deutschen Online-Jihadismus
4 Schlussfolgerung
Die vorliegende Arbeit analysiert die Strukturen, Charakteristika und die Radikalisierungstendenzen salafistischer Strömungen in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle des Internets und der Verbreitung jihadistischer Ideologien liegt. Sie untersucht, wie sich puristische, politische und jihadistische Strömungen voneinander unterscheiden, warum sich in Deutschland bislang keine zentralen Führungskader etabliert haben und welche Gefahren von der zunehmenden professionellen Online-Propaganda für junge Menschen ausgehen.
0 Einleitung
Der Begriff "salaf" bedeutet fortfahren oder fortschreiten. Salafisten fühlen sich berufen, auf dem Weg Mohammeds fortzufahren. Und nur dieser Weg wird von den Salafisten als der einzig wahre Weg zur richtigen Ausübung des islamischen Glaubens angesehen. Im Salafismus gilt nur die reine Glaubenslehre (aqidah) als bindend. Wahr ist nur der Islam, der von den rechtsschaffenden Altvorderen (al-salaf al-salih) in der Frühphase des Islams gelebt wurde, da diese unmittelbar Kontakt mit dem Religionsbegründer Mohammed hatten oder dessen Nachfolger kannten. Die drei Generationen der rechtschaffenden Altvorderen, die von 610 n. Chr. bis zum Tode Ibn Hanbals im Jahre 855 n. Chr. den islamischen Glauben maßgeblich prägten, gelten als die entscheidenden Vorbilder der Salafisten, weil sie angeblich die einzigen Gläubigen waren, die fromm und gottesfürchtig lebten. Alle, die dieser Form der Glaubensausübung nicht folgen, sind keine „wahren“ Muslime und müssen von den Salafisten auf den richtigen Weg zurückgebracht werden. Falls sie diesen salafistischen Weg nicht folgen, „prophezeien [sie] ihnen, nach dem Tod in der Hölle zu landen.“
Interessant ist, dass die Salafisten viele religiöse Veränderungen, die nach 855 n. Chr. in den Islam eingedrungen sind, als unislamische Neuerungen (bida) ansehen und deswegen konsequent ablehnen. Damit werden große Teile der islamischen Rechtsauslegung von den Salafisten nicht geduldet. Dies resultiert aus der strengen Betonung der Einzigkeit Gottes, die für alle Salafisten durch jegliche Art von Neuerungen verteidigt werden muss, um die Einheit des Glaubens (tawhid) aufrecht zu erhalten. Dabei schrecken Salafisten nicht zurück, Jahrhunderte alte Lehrmeinungen der islamischen Rechtsgelehrten, die zwischen dem 9. und dem 19. Jahrhundert den Islam geprägt haben, als unislamisch zu bezeichnen, weil diese angeblich zum Verfall des islamischen Glaubens und somit zum Niedergang der islamischen Herrschaft in der Welt geführt haben sollen.
0 Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Begriff Salafismus, definiert die zentralen Glaubensgrundlagen und beschreibt die Bedeutung der Altvorderen sowie die Ablehnung jeglicher Neuerungen.
1 Die drei salafistischen Strömungen: Das Kapitel differenziert zwischen puristischen, politischen und jihadistischen Strömungen anhand ihrer Einstellung zur Politik, zum herrschenden Regime und zur Gewaltanwendung.
2 Besondere Charakteristika des deutschen Jihadi-Salafismus: Dieses Kapitel analysiert, warum Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien keine Führungskader beherbergte und wie der Jihadi-Salafismus verdeckt agiert.
3 Gegenwärtige salafistische Strömungen in Deutschland: Hier werden aktuelle Entwicklungen, die Rolle charismatischer Jugendimame und die zunehmende Bedeutung von Internetpropaganda und Netzwerken in Deutschland detailliert untersucht.
4 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass in Deutschland zwar keine zentralen Ideologen existieren, sich aber durch das Internet und neue Netzwerke zunehmend gefährliche Radikalisierungsprozesse abzeichnen.
Salafismus, Jihadi-Salafismus, Islamismus, Al-Qaida, Online-Propaganda, Radikalisierung, Jugendimame, Wahhabismus, Internet, Terrorismus, Jihad, Deutschland, Missionierung, Ideologie, virtuelle Netzwerke
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, den verschiedenen Strömungen und den aktuellen Entwicklungen des Salafismus in Deutschland mit einem Fokus auf die Rolle des Internets bei der Radikalisierung.
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung der drei Strömungen, die historische Entwicklung der jihadistischen Netzwerke in Europa und die moderne Rekrutierung über soziale Medien.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich der Salafismus in Deutschland von einer weitgehend lokalen, unprofessionellen Szene zu einem virtuellen Netzwerk mit Radikalisierungspotenzial entwickelt hat.
Der Autor nutzt eine ideentheoretische Analyse sowie die Auswertung von Verfassungsschutzberichten und medialen Quellen, um die Ideologie und die Aktivitäten der Protagonisten zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Differenzierung der Strömungen, eine Analyse der Besonderheiten des deutschen Umfelds sowie eine detaillierte Untersuchung der Internetpropaganda und der aktuellen Radikalisierungstendenzen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Salafismus, Jihadi-Salafismus, Online-Propaganda, Radikalisierung und virtuelle Netzwerke charakterisiert.
Das Internet ermöglicht Anonymität und dient als Ersatz für fehlende physische Propagandazentren in Deutschland, wodurch eine professionelle Vernetzung und Indoktrinierung von Jugendlichen über Webforen und Portale möglich wird.
Jugendimame fungieren als charismatische Identifikationsfiguren, die durch eine moderne Sprache und Anpassung an die Lebenswelt junger Menschen eine Brücke in das salafistische Milieu schlagen.
Ja, in Großbritannien konnten sich aufgrund der dort ansässigen Führungskader professionelle Strukturen zur Rekrutierung entwickeln, während dies in Deutschland aufgrund der staatlichen Vorgehensweise und fehlender Führungspersönlichkeiten lange Zeit nicht möglich war.
Der Autor warnt vor einer wachsenden Gefahr durch die zunehmende Professionalisierung der Online-Netzwerke, die zur Herausbildung eigenständiger "jihadi pundits" und einer anhaltenden Selbstradikalisierung junger Menschen führen könnte.
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