Diplomarbeit, 2008
103 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Partizipation und Öffentlichkeit in der Postdemokratie
2.1. Partizipation in der Postdemokratie
2.2. Die Mediatisierung der Politik
2.3. Politische Öffentlichkeit als Partizipationsraum
3. Kampagnenorganisation und Partizipation: Ein Widerspruch?
4. Bewertung der Partizipation an der Kampagnenorganisation
4.1. Die Partizipationsmethoden
4.2. Die Kampagnenphasen
4.3. Die Bewertungsmaßstäbe
5. Die partizipative Kampagne
5.1. ... in der Prüfungsphase
5.2. ... in der Konzeptionsphase
5.3. ... in der Realisierungsphase
5.4. ... in der Evaluationsphase
5.5. Partizipationsraster
6. Die Mobilisierungskampagnen zum G8-Gipfel in Heiligendamm
6.1. Die Kampagne der Linkspartei
6.2. Die Kampagne von attac
7. Kampagnenpartizipation nach Organisationstypen
8. Fazit I: Anregungen zur partizipativen Kampagnenorganisation
9. Fazit II: Kampagnenpartizipation als Partizipationsmethode
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Trägerstruktur politischer Kampagnen Einfluss auf die Partizipationsmöglichkeiten von Mitgliedern, Dialoggruppen und Aktivisten nimmt, um den Widerspruch zwischen effizienter Organisation und demokratischer Teilhabe zu überbrücken.
2. Partizipation und Öffentlichkeit in der Postdemokratie
Partizipation ist der normative Bezugspunkt der Fragestellung dieser Arbeit. Im Folgenden soll deshalb der hier verwendete Partizipationsbegriff erörtert und eine theoretische Einordnung der Fragestellung in die zentralen politikwissenschaftlichen Kategorien Demokratie und Öffentlichkeit erfolgen.
Eine weit verbreitete Definition des Partizipationsbegriffs findet sich bei Max Kaase: „Partizipation in der Politik bedeutet alle Handlungen, die Bürger einzeln oder Gruppen mit dem Ziel vornehmen, Entscheidungen auf den verschiedenen Ebenen des politischen Systems zu beeinflussen und/oder selbst zu treffen.“ (Max Kaase 2000: 466).
Der Partizipationsbegriff, der in dieser Arbeit verwendet wird, ist jedoch grundlegender, weil er im Habermaschen Sinne Partizipation „als allgemeine und chancengleiche Teilnahme an diskursiven Willensbildungsprozessen“ (Habermas 1973: 183) versteht. Der Partizipationsbegriff umfasst daher auch eine normative Dimension.
Aus der Perspektive der Demokratietheorie und der Theorie der politischen Öffentlichkeit wird – wie noch ausgeführt wird – deutlich, dass die Möglichkeiten der Beteiligung an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen in der postdemokratischen Gesellschaft begrenzt sind. In soziologischen Debatten wird sogar die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob in hochkomplexen System demokratischer Gesellschaften noch von einer Autonomie des Individuums ausgegangen werden kann oder ob der universale Funktionalismus auf analytischer Ebene präjudiziert, dass das „Ende des Individuums“ bereits eingetreten sei (vgl. Habermas 1973: 178-193).
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Trend zur Mediatisierung und Professionalisierung politischer Kampagnen und deren Auswirkungen auf die Partizipation der Bürger.
2. Partizipation und Öffentlichkeit in der Postdemokratie: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung von Partizipation als Teilhabe an diskursiven Willensbildungsprozessen in modernen Gesellschaften.
3. Kampagnenorganisation und Partizipation: Ein Widerspruch?: Dieses Kapitel beleuchtet den Zielkonflikt zwischen professionellem Kampagnenmanagement und den Ansprüchen auf breite demokratische Teilhabe.
4. Bewertung der Partizipation an der Kampagnenorganisation: Es wird ein Bewertungsschema entwickelt, um Partizipation in verschiedenen Kampagnenphasen messbar zu machen.
5. Die partizipative Kampagne: Eine detaillierte Beschreibung der Phasen (Prüfung, Konzeption, Realisierung, Evaluation) hinsichtlich ihrer Offenheit für Beteiligung.
6. Die Mobilisierungskampagnen zum G8-Gipfel in Heiligendamm: Empirische Untersuchung der Kampagnen der Linkspartei, von attac und des Bündnisses Block G8.
7. Kampagnenpartizipation nach Organisationstypen: Ein vergleichendes Fazit, das den Zusammenhang zwischen Organisationsstruktur (institutionalisiert vs. netzwerkartig) und Offenheit analysiert.
8. Fazit I: Anregungen zur partizipativen Kampagnenorganisation: Praktische Empfehlungen zur Gestaltung partizipativer Prozesse innerhalb formalisierter Strukturen.
9. Fazit II: Kampagnenpartizipation als Partizipationsmethode: Abschließende theoretische Reflexion über die Bedeutung von Kampagnen als Räume politischer Artikulation.
Partizipation, politische Kampagne, Postdemokratie, Mediatisierung, Kampagnenorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, zivilgesellschaftliche Akteure, politische Kommunikation, Mobilisierung, G8-Gipfel, Linkspartei, attac, Block G8, Organisationsstruktur, diskursive Willensbildung.
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Trägerstruktur und Organisation politischer Kampagnen auf die Möglichkeiten für Bürger, aktiv an diesen Kampagnen mitzuwirken.
Die Schwerpunkte liegen auf den Spannungsfeldern zwischen Professionalisierung, Mediatisierung und dem Anspruch auf demokratische Teilhabe (Partizipation) in der modernen Postdemokratie.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie verschiedene Organisationstypen (von Parteien bis zu losen Bündnissen) partizipative Prozesse innerhalb einer Kampagnenorganisation ermöglichen oder erschweren.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Fundierung mit einer empirischen Analyse von drei Mobilisierungskampagnen zum G8-Gipfel 2007 (Linkspartei, attac, Block G8) durch Auswertung von Materialien und Experteninterviews.
Nach einer theoretischen Einleitung und der Entwicklung eines Bewertungsrasters für Partizipation in verschiedenen Kampagnenphasen folgt die detaillierte Fallstudie zu den drei ausgewählten Kampagnen.
Zentrale Begriffe sind Partizipation, politische Kampagne, Postdemokratie, Mediatisierung, Kampagnenorganisation sowie spezifische Organisationsformen wie Netzwerke und institutionalisierte Strukturen.
Die Analyse zeigt, dass weniger formalisierte, netzwerkartige Strukturen wie beim Bündnis "Block G8" tendenziell mehr Raum für eine offene Partizipation bieten als stark institutionalisierte Parteistrukturen.
Die Untersuchung macht deutlich, dass auch in vermeintlich offenen Strukturen wie bei attac informelle Machtstrukturen entstehen können, die die Partizipation der breiten Basis in der Realisierungsphase beeinträchtigen können.
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