Magisterarbeit, 2002
153 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Bestandsbeschreibung
1.2.1 Schriftliche Quellen
1.2.2 Fotobestand
2 Fotografie als historische Quelle
2.1 Fotografie und Wirklichkeit
2.2 Inhaltsanalyse von Fotografien
2.3 Fotografieren in den 20er und 30er Jahren
3 Inszenierungsmuster
3.1 Produktfotografie
3.2 Bilder vom Werk
3.3 Belegschaftsbilder
4 Fotografie als soziales Phänomen
4.1 Die Auftraggeber
4.2 Die Ausführenden
4.3 Anwendungsbereiche
4.3.1 Fotografien in Expertendiskursen
4.3.2 Fotografien als pädagogisches Werkzeug
4.3.3 Fotografien als gemeinschaftsstiftendes Medium
5 Zusammenfassung
A Prinzipien der Bildbeschreibung
B Produktbilder
C Bilder vom Werk
D Belegschaftsbilder
E Fotografie als soziales Phänomen
Die Arbeit untersucht die Bildwelt der Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand des im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig erhaltenen Fotobestands, um die wechselnden Darstellungsbedürfnisse und Inszenierungsmuster der Unternehmensleitung zu rekonstruieren.
Die Leipziger Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG
Die Leipziger Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG legte im Verlauf ihrer Geschichte immer großen Wert auf den Ruf, ein modernes und innovatives Unternehmen zu sein. Im Jahre 1923 wurde, vermutlich von einem Mitglied des Vorstandes, beschlossen, sich auf eine sehr zeitgemäße Art und Weise an die Kunden des Unternehmens zu wenden: Geplant wurde ein Film über das Wahrener Werk und seine Produkte. Der Film selbst ist nicht erhalten. Erhalten ist jedoch die Vorrede und eine ziemlich exakte Beschreibung der einzelnen Einstellungen zusammen mit den Kommentaren, die während der Vorführung gegeben wurden. Am Anfang dieser Arbeit steht eine Analyse dieses Dokumentes, weil es gut illustriert, worum es in ihrem weiteren Verlauf gehen soll.
Der Film besteht aus insgesamt 33 Einstellungen und zwei Teilen. Im ersten Teil werden eine Reihe von Fabrikaten des Unternehmens gezeigt, der zweite Teil lädt das Publikum zu einer filmischen Betriebsbesichtigung ein. Die Inszenierung beginnt mit der Nennung des Namens des Unternehmens, dann folgen Angaben über die bebaute und genutzte Fläche, gefolgt von einem Rundflug über die Fabrik. In den folgenden Einstellungen wird die topografische Ansicht Stück für Stück gefüllt. Zu sehen ist nun das Werk von der repräsentativen Vorderfront, während der Kommentar aufzählt, was sich wo befindet: die Wasch- und Garderobenräume und die Großfräserei im Keller, die Magazinräume für halbfertige und fertige Teile im Erdgeschoss, im ersten Obergeschoss Büros, im zweiten Obergeschoss die Modellboden- und Betriebsabteilung, und unter dem Dach die Lichtpauserei, die Lichtbild- und Retuscheabteilung.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert den Forschungsstand und beschreibt den im Leipziger Staatsarchiv überlieferten Quellenbestand.
2 Fotografie als historische Quelle: Das Kapitel diskutiert die theoretischen Grundlagen der historischen Bildanalyse und die mediale Spezifik von Fotografien als Quellen.
3 Inszenierungsmuster: Hier werden die spezifischen Motive und Bildcodes bei Pittler analysiert, unterteilt in Produktfotografie, Werksansichten und Belegschaftsbilder.
4 Fotografie als soziales Phänomen: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehungsbedingungen der Fotografien, die Rolle der Auftraggeber sowie die Verwendung der Bilder in Expertendiskursen und als pädagogisches Instrument.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Erkenntnisse über die fotografische Selbstdarstellung der Firma und deren Wandel bis in die Kriegsjahre.
Industriefotografie, Pittler Werkzeugmaschinenfabrik, Werksfilm, Bildanalyse, Unternehmensgeschichte, Industrielle Rationalisierung, Nationalsozialistische Betriebspolitik, Betriebszeitschrift, Produktfotografie, Bildinszenierung, Leipziger Industriegeschichte, Visuelle Geschichte, Arbeiterschaft, Betriebliche Sozialpolitik.
Die Arbeit analysiert die fotografische Selbstdarstellung der Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand des Firmenarchivs.
Im Zentrum stehen die Bildsprache der Industriefotografie, Inszenierungsmuster von Produkten und Mitarbeitern sowie die Rolle von Fotografien in der Unternehmenspolitik.
Das Ziel ist es, ein Kategoriensystem für den Fotobestand zu entwickeln, um Darstellungsbedürfnisse der Unternehmensleitung und deren Wandel über die Zeit zu untersuchen.
Es wird eine inhaltsanalytische Methode angewandt, die den Bestand systematisch kategorisiert und in den zeitgenössischen Kontext der Industriegeschichte einbettet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zur Fotografie als Quelle sowie eine detaillierte Analyse der Inszenierungsmuster und Anwendungsbereiche der Pittler-Fotografien.
Die wichtigsten Begriffe sind Industriefotografie, Pittler Werkzeugmaschinenfabrik, Bildanalyse, Unternehmensgeschichte und betriebliche Sozialpolitik.
Die Fotografien wurden gezielt für Repräsentationszwecke, Werbung und Dokumentation eingesetzt, wobei das Archiv eine stetige Systematisierung und zunehmende Instrumentalisierung widerspiegelt.
Fotografen wie Robert Ditscherlein agierten als Dienstleister der Unternehmensleitung und mussten technische Anforderungen mit den werblichen Interessen des Unternehmens in Einklang bringen.
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