Masterarbeit, 2011
82 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Religion
II.1. Was ist Religion? – Versuch einer Begriffsdefinition
II.1.1. Substanzialistische Bestimmung
II.1.2. Funktionalistische Bestimmung
II.1.3. Das Ritual im Zentrum religiöser Praxis
II.2. Funktion der Religion für die Gesellschaft und das Individuum
II.3. Wandel der Religion – Verschwinden oder Wiederkehr?
II.3.1. Die Säkularisierungsthese
II.3.2. Die unsichtbare Religion
II.3.3. Neue Formen von Religiosität
II.3.3.1. New Age und Esoterik
II.3.3.2. Religiöse Züge säkularer Phänomene
II.4. Die ästhetische Dimension der Religion und die Ästhetisierung des Lebens
II.4.1. Zum Begriff der Ästhetik
II.4.2. Wahrnehmung und Erfahrung als Voraussetzungen moderner Religiosität
Exkurs: Gefühl
III. Musik
III.1. Was ist Musik? – Versuch einer Begriffsdefinition
Exkurs: Hören
III.2. Musik als Gegenstand ästhetischer Betrachtung
III.3. Funktion und Wirkung von Musik
III.3.1. Arten der durch Musik ausgelösten Wirkungen
III.3.2. Einflussnehmende Faktoren
III.3.3. Gesang
IV. Zur Verbindung von Musik und Religion
IV.1. Die Ursprünge der Musik – Ritual und Schöpfungsmythen
IV.2. Religiöse Musik
IV.3. Das Konzert als Ritual
IV.4. Zum Verhältnis musikalischer und religiöser Erfahrung
IV.5. Musik und Transzendenz
IV.5.1. Die magisch-ekstatische Dimension der Musik
IV.5.2. Transzendente Erfahrungen im Musikerleben
IV.6. Die heilend-seelsorgerische Funktion der Musik
IV.6.1. Die besondere Bedeutung des (Chor-)Singens
V. Filmanalyse „Wie im Himmel“
Exkurs: Medienreligion und Sinnsuche im Medium „Film“
V.1. Begründung der Wahl des Films, Methode und Ziel der Untersuchung
V.2. Handlung des Films
V.3. Analyse
V.3.1. Christlich-religiöse Symbolik und der Blick auf die tradierte Religion
V.3.2. Die Wirkung der Musik auf die Protagonisten im Film
V.3.3. Fazit
VI. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Musik und Religion in der modernen Gesellschaft und prüft, inwiefern Musik als Auslöser ästhetischer und religiöser Erfahrung fungieren und dabei sogar religiöse Funktionen übernehmen kann. Durch eine systematische Darstellung sowie eine Filmanalyse wird die These untermauert, dass Musik in der postsäkularen Welt eine wesentliche Rolle bei der Sinnsuche und Gemeinschaftsbildung spielt.
II.3.2. Die unsichtbare Religion
Thomas Luckmann beschäftigte sich bereits Mitte der 1960er Jahre mit den Wandlungsprozessen moderner Religiosität und formulierte in seinem Werk „Die Unsichtbare Religion“ seine Grundthese, die bis heute nicht an Bedeutung eingebüßt hat, aber dennoch stark umstritten ist. Luckmann legt dabei seinen Fokus auf die individuellen Komponenten von Religiosität. Er definiert Religion klar anhand ihrer Funktion und zählt somit zu den Hauptvertretern der funktionalistischen Religionsbestimmung. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist das vielfach konstatierte Verschwinden der Religion in den modernen Gesellschaften.
Luckmann kritisierte schon damals die Gleichsetzung von Religion und Kirche, durch die allein die Säkularisierungsthese erst plausibel werde. Auch er übersieht nicht den Bedeutungsverlust der Kirche, prognostiziert jedoch einen Wandel der Religion anstelle ihres Aussterbens. Einen wichtigen Grund dafür sieht er in der zunehmenden Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Institutionen. Im westlichen Europa wird Religion seit einigen Jahrhunderten von einer hochgradig spezialisierten Institution – der Kirche – getragen, „deren Vertreter ein Expertenwissen über den Heiligen Kosmos besitzen, das den Nicht-Experten nur noch in Ausschnitten und popularisierten Versionen zugänglich ist“.
Trotzdem legitimierte Religion die gesamte Sozialordnung. Im Laufe der Zeit wurden einzelne gesellschaftliche institutionelle Bereiche immer autonomer und spezialisierter. Dies ist „der Ausgangspunkt für Luckmanns Konzept der Unsichtbaren Religion: Nicht nur ist das Wissen der religiösen Experten den Laien kaum mehr zugänglich; die Sozialstruktur (d.h. die Institution und der Komplex sozialer Schichtung) selbst wird säkularisiert“. Somit meint Säkularisierung nicht das Verschwinden, sondern die Verlagerung der Religion. Die Kirche wird in der Folge zu einer Institution unter vielen: „Weltliche Sinndeutungssysteme politischer, ökonomischer oder auch ‚wissenschaftlicher‘ Provenienz treten mehr und mehr an ihre Stelle“.
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Vernachlässigung des Musik-Religion-Verhältnisses in der Religionswissenschaft und stellt ihre methodische Ausrichtung vor.
II. Religion: Dieses Kapitel definiert Religion aus substanzialistischer und funktionalistischer Sicht und diskutiert den Wandel sowie die "unsichtbare" Form von Religiosität.
III. Musik: Hier wird der Musikbegriff sowie die psychologische und physiologische Wirkung von Musik auf den Menschen, insbesondere durch den Gesang, analysiert.
IV. Zur Verbindung von Musik und Religion: Das Kapitel verknüpft Musik und religiöse Praxis, Rituale und die Fähigkeit von Musik, Transzendenz zu erzeugen.
V. Filmanalyse „Wie im Himmel“: Die Analyse untersucht christliche Symbolik und die heilsame Wirkung von Musik anhand des Spielfilms „Wie im Himmel“.
VI. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Bedeutung von Musik als Medium der Sinnstiftung und als funktionale Entsprechung religiöser Bedürfnisse zusammen.
Musik, Religion, Säkularisierung, Ritual, unsichtbare Religion, Transzendenz, Ästhetik, Musiktherapie, Gemeinschaftsbildung, Medienreligion, Christentum, Gefühl, Körperlichkeit, Sinnsysteme, Wie im Himmel
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Beziehungen zwischen Musik und Religion, insbesondere wie musikalische Erfahrungen in der modernen, oft säkularen Welt religiöse Funktionen übernehmen können.
Zu den zentralen Themen gehören die Definitionen von Religion, das Konzept der "unsichtbaren Religion", die psychologische und soziale Wirkung von Musik, sowie die Rolle des Rituals in beiden Bereichen.
Das Ziel ist es, systematisch aufzuzeigen, wie Musik als Medium ästhetischer und religiöser Erfahrung fungiert und ob sie dazu in der Lage ist, die gemeinschaftsstiftende und sinnstiftende Rolle der tradierten Religion in der Moderne zu ersetzen.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die religionswissenschaftliche, soziologische und psychologische Erkenntnisse nutzt sowie eine exemplarische Filmanalyse durchführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Religion und Musik, die Untersuchung ihrer Verbindung, eine Analyse ihrer heilenden Kraft sowie eine konkrete Fallstudie zum Film "Wie im Himmel".
Wichtige Begriffe sind Musik, Religion, Ritual, Transzendenz, unsichtbare Religion, Medienreligion, Ästhetik, Gemeinschaft und psychische Stabilisierung.
Während explizite religiöse Musik auf eine klare Botschaft innerhalb religiöser Subszenen setzt, findet implizite religiöse Musik im säkularen Kontext statt und thematisiert Lebensfragen, die religiöse Bereiche berühren, ohne eine explizite Glaubensbotschaft zu forcieren.
Der Film "Wie im Himmel" dient als Fallbeispiel, das zeigt, wie Musik als Metakunst wirken kann, um Menschen zu vereinen, starre Moralvorstellungen aufzubrechen und individuelle, transzendente Erfahrungen zu ermöglichen.
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