Masterarbeit, 2026
80 Seiten, Note: 1,50
1 Einleitung
2 Theoretischer und historischer Kontext
2.1 Das bürgerliche Trauerspiel als Schauplatz gesellschaftlicher und moralischer Kontrolle
2.2 Patriarchat als Ordnungsprinzip und Geschlechterordnung des 18. Jahrhunderts
2.3 Tugend, Ehre, Keuschheit als Normen von (weiblicher) Subjektivierung
3 Methodisch-analytischer Zugriff auf beide Dramen
4 Analyse von Miss Sara Sampson
4.1 Konfigurationen des Patriarchats
4.1.1 Sir William Sampson
4.1.2 Mellefont
4.2 Machtachse: Miss Sara - Gesellschaft
4.3 Ergebnis: Innenzwang aus Externalisierung und Mikroebene des Scheiterns
5 Analyse von Emilia Galotti
5.1 Exposition und Objektifizierung Emilias
5.2 Konfigurationen des Patriachats
5.2.1 Odoardo und das Familienpatriarchat
5.2.2 Hof und Willkür: Der Prinz und Marinelli als System der Macht
5.3 Von der Tugendnorm zur Katastrophe: Emilia im Netz äußerer Zwänge
6 Vergleich der beiden Dramen
6.1 Die Bedeutung der Exposition für den Status der weiblichen Figuren
6.2 Mikro- und Makroebene: Unterschiedliche Gewichtung der Zwänge
6.3 Übergabemodell und Besitz
7 Begrenzter Handlungsspielraum: Warum Lessing kein anderes Ende eröffnet
8 Zusammenspiel: Dramenform und Begrenzung
9 Fazit
10 Bibliographie
10.1 Primärliteratur
10.2 Sekundärliteratur
10.3 Siglenverzeichnis
Die Masterarbeit untersucht, wie G.E. Lessing in seinen bürgerlichen Trauerspielen Miss Sara Sampson und Emilia Galotti weibliche Handlungsspielräume modelliert. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen der Mikroebene (familiäre Konstellationen) und der Makroebene (gesellschaftliche Konventionen, höfische Macht), um aufzuzeigen, wie durch patriarchale Strukturen und den Tugenddiskurs die Autonomie der Frauenfiguren systematisch untergraben wird.
Die Bedeutung der Exposition für den Status der weiblichen Figuren
In Miss Sara Sampson und Emilia Galotti markiert die Exposition bereits die Begrenzung des weiblichen Handlungsspielraums, denn beide Frauenfiguren treten nicht direkt als sprechende Subjekte auf, sondern die Männerfiguren sprechen in ihrer Abwesenheit über sie. Martina Schönenborn geht auf diese Thematik ein, indem sie sich zur Charakterisierung weiblicher Figuren im Drama folgendermaßen äußert:
Geschlechterbeziehungen und Kommunikationsprozesse in dramatischen Texten des 18. Jahrhunderts reflektieren das zeitgenössische Rollenverständnis. Unterscheidet man verbale und nonverbale Kommunikation, zeigt sich, daß weibliche Dramenfiguren maßgeblich durch Elemente nonverbaler Kommunikation charakterisiert werden.330
In Lessings Dramen kommt diese Problematik zum Vorschein, indem Sara und Emilia zunächst als „Objekt männlicher Sprache“331 fungieren, was die Rolle ihres Geschlechts des damaligen Gesellschaftsgefüges deutlich macht. Darüber hinaus werden beide Frauenfiguren erst zu einem späteren Zeitpunkt Teil der Handlung, wobei sie zunächst durch männliche Rede herbeigeführt werden.332 Sie selbst erlangen zunächst keine Möglichkeit, sich zu äußern.
1 Einleitung: Darstellung der Leitfrage bezüglich der weiblichen Handlungsspielräume im Spannungsfeld von Mikro- und Makroebene.
2 Theoretischer und historischer Kontext: Erläuterung der Gattungsgeschichte, der patriarchalen Familienstruktur und der Bedeutung des Tugendideals im 18. Jahrhundert.
3 Methodisch-analytischer Zugriff auf beide Dramen: Einführung der Analysebegriffe wie Innenzwang, Außenzwang, Objektstatus und Handlungsspielraum.
4 Analyse von Miss Sara Sampson: Untersuchung der väterlichen Autorität und Mellefonts libertiner Männlichkeit als einschränkende Faktoren für Sara.
5 Analyse von Emilia Galotti: Analyse der Objektifizierung durch den Prinzen sowie der väterlichen Tugendstrenge Odoardos.
6 Vergleich der beiden Dramen: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Gewichtung von Zwängen und der Funktion des Übergabemodells.
7 Begrenzter Handlungsspielraum: Warum Lessing kein anderes Ende eröffnet: Reflexion über die Grenzen des aufklärerischen Denkens in Lessings Dramatik.
8 Zusammenspiel: Dramenform und Begrenzung: Analyse, wie das klassische geschlossene Drama die Handlung kanalisiert und Alternativen ausschließt.
9 Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse bezüglich der tödlichen Konsequenz weiblicher Subjektivierung im patriarchalen System.
Lessing, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, bürgerliches Trauerspiel, Patriarchat, Tugendideal, Weiblichkeit, Handlungsspielraum, Innenzwang, Außenzwang, Objektifizierung, Aufklärung, Geschlechterordnung, Subjektivität, Schuldgefühle
Die Arbeit analysiert, wie G.E. Lessing weibliche Figuren in seinen bürgerlichen Trauerspielen darstellt und welche patriarchalen Strukturen deren Handlungsspielräume einschränken.
Die zentralen Themen sind das bürgerliche Familienpatriarchat, der Tugend- und Keuschheitsdiskurs des 18. Jahrhunderts, die Objektifizierung der Frau sowie der Einfluss absolutistischer Machtstrukturen.
Ziel ist es zu belegen, dass weibliche Selbstbestimmung in Lessings Dramen an den zeitgenössischen gesellschaftlichen Konventionen scheitern muss und der Tod der Protagonistinnen eine logische Konsequenz der gesellschaftlichen Normen darstellt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Begriffe wie Innenzwang, Außenzwang und Objektstatus operationalisiert, um die Figurenkonstellationen im Kontext der Zeitgenossenschaft zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen zu Miss Sara Sampson und Emilia Galotti, eine vergleichende Untersuchung der Zwangsmodelle sowie eine Analyse der dramaturgischen Form als einschränkendes Element.
Wesentliche Begriffe sind das Patriarchat als Ordnungsprinzip, der Innenzwang durch internalisierte Tugendnormen und der Status der Frau als verschiebbares Objekt (Tauschlogik).
Weil Sara den väterlichen Tugendkodex so tief internalisiert hat, dass sie selbst in Momenten der Vergebung durch den Vater unfähig ist, sich von ihren Schuldgefühlen zu befreien, was ihre Handlungsfreiheit vollständig lähmt.
Das Modell beschreibt den Wechsel der Tochter aus dem väterlichen Schutzbereich in die Hand eines anderen Mannes, wobei die Frau stets als Objekt in Tauschprozessen zwischen Männern verbleibt und keine eigenständige Autonomie erlangt.
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