Doktorarbeit / Dissertation, 2009
291 Seiten, Note: Cum Laude
0. Zusammenfassung
1. Einleitung
TEIL A SUBJEKTIVIERUNG UND ANERKENNUNG VON ARBEIT
2. Subjektivierung von Arbeit
2.1 Einleitung
2.2 Begriffsklärung und Ursachen
2.2.1 Begriffsklärung
2.2.2 Ursachen einer zunehmenden Subjektivierung von Arbeit
2.3 Subjektivierung von Arbeit: Ambivalente Einschätzungen
2.3.1 Martin Baethge – Subjektivierung als Entfaltung
2.3.2 Richard Sennett – Subjektivierung als Unterwerfung
2.3.3 Günter G. Voß und Hans J. Pongratz - Der Arbeitskraftunternehmer
2.3.4 Fritz Böhle et al. - Die Bewältigung des Unplanbaren
2.3.5 Implikationen für die Analyse von qualifizierter Teilzeitbeschäftigung
2.4 Mögliche Folgen für qualifizierte Individuen
2.4.1 Mögliche Folgen für (qualifizierte) Individuen
2.4.2 Neue Anforderungen an qualifizierte Individuen
2.4.3 Mögliche Folgen für die Unternehmen
2.4.4 Mögliche Folgen für die Gesellschaft
2.5 Perspektiven der arbeitssoziologischen Forschung
2.6 Zwischenfazit
3. Anerkennung im Kontext subjektivierter Arbeit
3.1 Einleitung
3.2 Erwerbsarbeit und Identität
3.2.1 Subjektivierte Erwerbsarbeit und Identität
3.2.2 Relevanz von Erwerbsarbeit für Identität
3.2.3 Arbeit als Quelle der Identität?
3.3 Anerkennung und Identität
3.3.1 Konstitution von Identität über Anerkennungsverhältnisse
3.3.2 Liebe, Recht und soziale Wertschätzung als Dimensionen der Anerkennung
3.3.2.1 Liebe und Recht
3.2.2.2 Soziale Wertschätzung
3.3.4 Missachtung und Nicht-Anerkennung
3.3.5 Soziale Wertschätzung und Subjektivierung von Arbeit
3.4. Anerkennung und Arbeit
3.4.1 Anerkennung in der Arbeitsgesellschaft
3.4.2 Anerkennung zwischen Ermöglichung und Begrenzung
3.4.3 Wandel von Anerkennungsverhältnissen
3.4.4 Dimensionen und Ambivalenzen der Anerkennung subjektivierter Arbeit
3.5 Mögliche Folgen der Subjektivierung von Arbeit für Anerkennungsverhältnisse
3.5.1 Szenario 1: Instrumentalisierung von Selbstverwirklichungsansprüchen
3.5.2 Szenario 2: Verkopplung von Anerkennung und Erfolg
3.5.3 Szenario 3: Selbstverwirklichung zwischen exit und voice
3.6 Zwischen-Fazit und weiterführende Überlegungen
TEIL B QUALIFIZIERTE TEILZEITBESCHÄFTIGUNG
4. Entwicklungstendenzen der und in der Erwerbsarbeit
4.1 Einleitung
4.2 Entwicklung des „Normalarbeitsverhältnisses“
4.2.1 Erosion herkömmlicher Mitgliedschaften und Karrieremuster
4.2.2 Empirische Befunde zur Flexibilisierung der Beschäftigung
4.3 Arbeitszeitflexibilisierung
4.3.1 Begriff und Formen der Arbeitszeitflexibilisierung
4.3.2 Zielsetzung von Arbeitszeitflexibilisierung
4.3.3 Arbeitszeitverkürzung und Arbeitszeitextensivierung
4.4 Haben "Leistung" und "Zeit" als zentrale Maße für Arbeit ausgedient?
4.4.1 Leistung – eine rekursive Kategorie
4.4.2 Zeit – handlungstheoretische Implikationen
4.4.3 Zum Zusammenhang von „Zeit“ und „Leistung“
4.5 Zwischen-Fazit
5. Qualifizierte Teilzeitarbeit
5.1 Einleitung
5.2 Qualifizierte Teilzeitarbeit - Definition und empirische Befunde
5.2.1 Teilzeitarbeit und qualifizierte Teilzeitarbeit – ein Definitionsansatz
5.2.2 Teilzeitbeschäftigung allgemein - Verbreitung und empirische Befunde
5.2.3 Empirische Untersuchungen zur Verbreitung von qualifizierter Teilzeitarbeit
5.2.4 Analyse der empirischen Befunde
5.3 Nachfrage und Teilzeitpräferenzen von Fach- und Führungskräften
5.3.1 Teilzeitpräferenzen vollzeitbeschäftigter Männer
5.3.2 Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage
5.4 Varianten von Teilzeitarbeit im Fach- und Führungskräftebereich
5.4.1 Teilzeitarbeitsmodelle für Führungsnachwuchskräfte
5.4.2 Altersteilzeit für Fach- und Führungskräfte
5.4.3 Jobsharing bzw. Partner-Teilzeit als Teilzeitmodell für Fach- und Führungskräfte
5.5 Potentielle Gründe für Teilzeitdefizite im Fach- und Führungskräftebereich
5.5.1 Klassische Arbeitszeitmuster und Führungsaufgaben
5.5.2 Leistungsbewertungskriterien und Karriere
5.5.3 Befürchtungen aus Sicht vollzeitarbeitender Führungskräfte
5.6 Wirkungs- und Bedingungszusammenhänge zwischen Person, Aufgabe und Arbeitssystem
5.6.1 Person – Fach- und Führungskräfte und Teilzeitbeschäftigung
5.6.2 Dispositive Aufgaben – horizontale und vertikale Führungsfunktionen
5.6.3 Arbeitssystem – direktes Arbeitsumfeld, unternehmenskulturelle und soziotechnische Einflussfaktoren
5.6.3.1 „Teilzeitfamilie“ – Vorgesetzte und Mitarbeiter
5.6.3.2 Organisationskultur und informelle Strukturen
5.7. Zwischen-Fazit und weiterführende Überlegungen
5.7.1 Zwischen-Fazit
5.7.2 Weiterführende Überlegungen in anerkennungstheoretischer Perspektive
TEIL C SUBJEKTIVIERUNG VON ARBEIT, ANERKENNUNG UND QUALIFIZIERTE TEILZEITBESCHÄFTIGUNG
6. Anerkennung und qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.1 Einleitung und Ergebnisthesen aus Teil A und B
6.2 Die besondere Situation von qualifizierter Teilzeitarbeit
6.2.1 Qualifizierte Teilzeitarbeit und die doppelte Subjektivierung von Arbeit
6.2.2 Qualifizierte Teilzeitarbeit und die veränderte Bedeutung von Zeit und Leistung
6.3 Anerkennung von qualifizierter Teilzeitbeschäftigung
6.3.1 Die Bedeutung von Liebe und Recht für qualifizierte Teilzeitarbeit
6.3.2 Soziale Wertschätzung, Missachtung und Nicht-Anerkennung
6.3.3 Qualifizierte Teilzeitbeschäftigung zwischen Würdigung und Bewunderung
6.3.4 Folgen der veränderten Anerkennungsverhältnisse
6.4 Makrotheoretische Einflussfaktoren auf qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.4.1 Relevanz von erwerbsarbeitsbezogenen Anerkennungskriterien
6.4.1.1 Beruf und Qualifikation
6.4.1.2 Einkommen
6.4.1.3 Erfolg
6.4.2 Anerkennungskämpfe für qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.4.3 Lebensweltliche Komponenten: Komplexe Lebensführung – komplexe Arbeit
6.4.4 Gesellschaftspolitische und geschlechtsspezifische Einflussfaktoren
6.5 Perspektiven für qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.5.1 Subjektabhängige Voraussetzungen und Perspektiven für Subjekte
6.5.2 Organisationale Voraussetzungen und Perspektiven für Unternehmen
6.5.3 Risiken für die Unternehmen bei Missachtung und Nicht-Anerkennen des Wunsches nach qualifizierter Teilzeitbeschäftigung
6.5.4 Risiken für die Subjekte bei Missachtung und Nicht-Anerkennen der besonderen Situation von qualifizierter Teilzeitbeschäftigung
6.5.5 Erfahrungsgeleitet-subjektivierendes Arbeitshandeln als Ansatz für „funktionierende“ qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.6 Entwicklungsthesen für qualifizierte Teilzeitbeschäftigung
6.6.1 Chancen-These: „Subjektive Kompetenzsteigerung“
6.6.2 Risiko-These: „Desintegration bzw. Erosion“
6.6.3 Kombinations-These: „Erfolgreiche“ Durchsetzung versus „erfolglose“ Ausführung
7. Ergebnisse, Schlussbetrachtung und Ausblick
7.1 Ergebnisse
7.2 Schlussbetrachtung
7.3 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Strukturwandel der Erwerbsarbeit, insbesondere die qualifizierte Teilzeitbeschäftigung, unter einem subjektzentrierten und anerkennungstheoretischen Blickwinkel. Es wird analysiert, wie sich die Subjektivierung von Arbeit auf die Wahrnehmung und Anerkennung von Teilzeitarbeit auswirkt, welche Chancen und Risiken für hochqualifizierte Beschäftigte bestehen und wie sich gesellschaftspolitische und unternehmensinterne Faktoren darauf auswirken.
2.3.1 Martin Baethge – Subjektivierung als Entfaltung
Die Argumentationslinie Baethges geht davon aus, dass nicht die Unternehmen diejenigen sind, von denen aktiv eine Forcierung organisationaler Wandlungsprozesse ausgeht, sondern diese vielmehr gezwungen werden mit entsprechenden Organisationsformen auf gesellschaftliche Modernisierungsprozesse sowie wohlfahrtsstaatliche Entwicklungen zu reagieren. Baethge sieht demnach die Ursachen für neue Organisationsformen, die schließlich auf die Lebenswelten der Individuen zurückwirken, in extern auf die Unternehmen einwirkenden Faktoren (vgl. Baethge 1991: 260). Das Phänomen der gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse verdichtet Baethge auf die Entwicklung eines neuen Arbeitsbewusstseins und die hieraus folgenden Ansprüche der betroffenen Individuen an die Erwerbsarbeit. Die „normative Subjektivierung von Arbeit“ bringt ein neues Bewusstsein der Subjekte hervor, welches sich dadurch auszeichnet, dass sie nicht mehr sich selbst auf die Arbeit, sondern die Arbeit auf sich selbst beziehen. Aufgrund dieses neuen Anspruchsdenkens der arbeitenden Menschen sieht Baethge die Unternehmen gezwungen, neue Produktions- und Organisationskonzepte zu entwickeln und zu implementieren. Er befürchtet sogar eine „strukturelle Falle“, in die die Unternehmen geraten könnten, falls sie diesen neuen subjektiven Ansprüchen nicht gerecht werden, da sie zunehmend abhängiger von den individuellen Ressourcen ihrer Belegschaftsmitglieder werden.
Entsprechend bleiben nur diejenigen Unternehmen wettbewerbsfähig, die in der Lage sind, Humankapital zu binden. Die Beschäftigten machen nach Baethge jedoch im Zuge einer zunehmenden Subjektivierung von Arbeit die Erfahrung, immer unabhängiger zu werden, da sie die von ihnen geleistete Arbeit primär auf die eigene Person, anstatt auf das Unternehmen, beziehen (Baethge 1991: 264). Diese veränderte Selbstwahrnehmung begründet Baethge damit, dass das vorhandene subjektivierte Humankapital (Wissen, Lernbereitschaft, intellektuelle Flexibilität etc.), dessen sich die arbeitenden Menschen mehr und mehr bewusst sind, in vorberuflichen Lernprozessen entwickelt wird und somit personen- und nicht (mehr) unternehmensgebunden ist (vgl. Baethge 1991: 269).
0. Zusammenfassung: Diese arbeitssoziologische Untersuchung beleuchtet den Zusammenhang von Subjektivierung von Arbeit und qualifizierter Teilzeitbeschäftigung unter anerkennungstheoretischem Blickwinkel.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Untersuchungsgegenstand, die Forschungsfrage sowie das Ziel vor, die Chancen und Risiken qualifizierter Teilzeitarbeit für hochqualifizierte Beschäftigte im Kontext moderner Arbeitsanforderungen zu analysieren.
2. Subjektivierung von Arbeit: Dieses Kapitel erörtert die soziologischen Grundlagen der Subjektivierung von Arbeit, ihre Ursachen und Auswirkungen aus verschiedenen theoretischen Perspektiven sowie deren Folgen für qualifizierte Individuen.
3. Anerkennung im Kontext subjektivierter Arbeit: Hier wird die identitätsbildende Funktion von Arbeit in den Fokus gerückt, wobei Anerkennungsverhältnisse als Bindeglied zwischen Subjekt, Gesellschaft und Unternehmen mittels der Theorie von Honneth analysiert werden.
4. Entwicklungstendenzen der und in der Erwerbsarbeit: Dieses Kapitel stellt den Strukturwandel der Erwerbsarbeit und dessen empirische Relevanz, insbesondere im Hinblick auf Flexibilisierung und Arbeitszeit, zusammenfassend dar.
5. Qualifizierte Teilzeitarbeit: Der Fokus liegt hier auf der detaillierten Analyse der qualifizierten Teilzeitarbeit, ihren Definitionen, empirischen Befunden und den Barrieren in Fach- und Führungskräftebereichen.
6. Anerkennung und qualifizierte Teilzeitbeschäftigung: Im letzten Kapitel werden die Erkenntnisse aus Teil A und Teil B zusammengeführt, um makrotheoretische Einflussfaktoren zu diskutieren und Perspektiven sowie Entwicklungsthesen für qualifizierte Teilzeitarbeit aufzuzeigen.
7. Ergebnisse, Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, die Ausgangsthesen kritisch reflektiert und zukünftige Forschungsfragen abgeleitet.
Subjektivierung von Arbeit, Qualifizierte Teilzeitbeschäftigung, Anerkennungstheorie, Arbeitssoziologie, Arbeitszeitflexibilisierung, Identitätsbildung, Fach- und Führungskräfte, Leistungsbewertung, Arbeitskraftunternehmer, Strukturwandel, Arbeitsethos, Wertewandel, Karriere, Arbeitszeit, Arbeitsverdichtung.
Die Arbeit untersucht den Strukturwandel der Erwerbsarbeit, speziell die Rolle der qualifizierten Teilzeitbeschäftigung, unter Verwendung anerkennungstheoretischer Ansätze.
Die zentralen Themen sind die Subjektivierung von Arbeit, die Bedeutung von Anerkennung für die Identitätsbildung von Beschäftigten sowie die Herausforderungen und Potenziale qualifizierter Teilzeitarbeit, besonders für Fach- und Führungskräfte.
Das Ziel ist es zu ergründen, ob qualifizierte Teilzeitarbeit unter den Bedingungen einer zunehmenden Subjektivierung von Arbeit bessere Anerkennungs- und Realisierungschancen bietet und welche spezifischen Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Es handelt sich um eine arbeitssoziologische Untersuchung, die auf Literaturanalyse, der Zusammenführung verschiedener soziologischer Theorien (z.B. von Axel Honneth) und der Auswertung empirischer Befunde basiert.
Im Hauptteil werden arbeitssoziologische Grundlagen der Subjektivierung erörtert, die Rolle von Anerkennung und Arbeit für die Identität analysiert sowie empirische Daten zur qualifizierten Teilzeitarbeit und deren Barrieren in Unternehmen untersucht.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Subjektivierung von Arbeit, Anerkennungstheorie, qualifizierte Teilzeitbeschäftigung, Arbeitszeitflexibilisierung und Identitätsbildung charakterisiert.
Diese Beschäftigungsgruppe ist qua Status am stärksten von den Merkmalen flexibilisierter Tätigkeit und dem hohen Leistungsdruck betroffen, weshalb sie besonders geeignet ist, um die Ambivalenzen zwischen individuellem Anspruch und organisationaler Anforderung zu untersuchen.
Die doppelte Subjektivierung beschreibt, dass Arbeit zum einen von den Unternehmen mehr subjektive Leistungen fordert und zum anderen die Individuen selbst verstärkt den Wunsch nach Selbstverwirklichung in die Arbeit einbringen, was zu neuen Spannungsfeldern führt.
Qualifizierte Teilzeitbeschäftigte erhalten trotz ihrer Leistungen oft weniger Anerkennung, da ihre Arbeit häufig fälschlicherweise als "Sonderleistung" oder "Privileg" statt als gleichwertige Erwerbsform wahrgenommen wird, was ihre Karrierechancen und soziale Wertschätzung schmälert.
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