Bachelorarbeit, 2009
32 Seiten, Note: 1,5
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Einleitung
A Zur Mitteilbarkeit der Gefühle in Sprache beim Menschen
1 Sozial-anthropologische Überlegungen. Beruhen Gefühle auf einem Gemeinsinn?
2 Neurobiologische Überlegungen. Ist der Gemeinschaftssinn ein Nervenimpuls?
3 Psycholinguistische Überlegungen. Setzt eine Sprache der Gefühle Bewusstsein voraus?
4 Entwicklungspsychologische Überlegungen. Spricht das Gehirn zu sich selbst?
B Zur Mitteilbarkeit der Gefühle in Sprache beim Tier
1 Ethologische Überlegungen: Verfügen Tiere über eine Sprache der Gefühle?
2 Evolutionsbiologische Überlegungen: Haben Tiere wie Menschen einen Gemeinsinn?
Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung, ob Gefühle sinnvoll durch Sprache beschreibbar sind, und problematisiert dabei das sogenannte "wording-Problem" als mögliches Scheinproblem, indem sie die Rolle vorrationaler, leiblicher Kommunikationsprozesse beleuchtet.
Einleitung
Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit problematisiert etwas auf den ersten Blick ganz selbstverständliches: Sind Gefühle sinnvoll durch Sprache beschreibbar? Das in den letzten Jahren zunehmende Interesse und die großen Debatten um Themen wie Gefühle und Emotionen zeigen jedoch, dass eine intuitiv bejahende Einschätzung des Themas zu verkürzt wäre. Es geht mir speziell darum, solche Fragen zu untersuchen wie: Was versuchen wir Menschen durch Wörter wie “Liebe“, “Wut“ oder “Freude“ zu beschreiben? Geisteszustände? Neuronenfeuer? Soziale Signale? Auch die Frage danach, ob Tiere eine für uns verständliche Sprache der Emotionen haben, wird uns beschäftigen. Wieso glauben wir zu wissen, was ein anderer Mensch meint, wenn er uns von seinem empfundenen Schmerz oder seiner Zuneigung erzählt? Das diese Fragen, so gestellt, die Menschen im Grunde schon immer beschäftigten, ist beinahe gewiss.
Der hier zum Ausdruck kommende Unmut über die Unfähigkeit der Sprache zur korrekten Abbildung unserer Gefühlswelt berührt den Kern des Problems, um das es mir hier im Weiteren gehen soll. Dichter, Philosophen und Psychologen beschreiben das Phänomen des “Gefühls“ mit allen Mitteln der Sprache, schon solange es Sprache gibt. Dabei driften sie jedoch beim Versuch der ästhetischen Konservierung mentaler Prozesse wie dem Fühlen zwangsweise in das Reich der Metaphern ab (Slaby (2008), hier: 312f, Baumann (1994): 127). Dies ist ein Phänomen, dessen bedeutsame Rolle des Öfteren in philosophischen Debatten aufgegriffen wurde. Für Nietzsche waren beispielsweise unsere sprachlichen Ausdrücke, nur Metaphern von Vorstellungsbildern, die wiederum nur Metaphern der Wahrnehmung und damit hochgradig abgefälscht von den tatsächlichen „Dingen an sich“ seien (Nietzsche (1980): 879).
Einleitung: Einführung in die Problematik der sprachlichen Beschreibbarkeit von Gefühlen und Vorstellung der Arbeitshypothese.
A Zur Mitteilbarkeit der Gefühle in Sprache beim Menschen: Untersuchung der menschlichen Voraussetzungen für Empathie und Kommunikation mittels philosophischer und neurobiologischer Ansätze.
1 Sozial-anthropologische Überlegungen. Beruhen Gefühle auf einem Gemeinsinn?: Analyse von Kants Begriff des sensus communis im Kontext der Mitteilbarkeit von Gefühlen.
2 Neurobiologische Überlegungen. Ist der Gemeinschaftssinn ein Nervenimpuls?: Diskussion über die Rolle von Spiegelneuronen als biologische Basis für interpersonale Kommunikation.
3 Psycholinguistische Überlegungen. Setzt eine Sprache der Gefühle Bewusstsein voraus?: Analyse der Rolle von Sprache als Aufbau auf eine vorsprachliche, leibliche Kommunikation.
4 Entwicklungspsychologische Überlegungen. Spricht das Gehirn zu sich selbst?: Betrachtung der kindlichen Entwicklung als Nachweis für vorsprachliche, soziale Interaktionsfähigkeiten.
B Zur Mitteilbarkeit der Gefühle in Sprache beim Tier: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf nicht-menschliche Lebensformen.
1 Ethologische Überlegungen: Verfügen Tiere über eine Sprache der Gefühle?: Kritische Auseinandersetzung mit der Möglichkeit tierischer Kommunikation ohne menschliche Sprachstrukturen.
2 Evolutionsbiologische Überlegungen: Haben Tiere wie Menschen einen Gemeinsinn?: Untersuchung der gemeinsamen neuronalen und körperlichen Grundlagen für Kommunikation bei Mensch und Tier.
Schluss: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass leibliche Kommunikation die Basis intersubjektiven Verstehens bildet, während die menschliche Sprache einen kulturellen Aufbau darstellt.
Gefühle, Sprache, Mitteilbarkeit, Gemeinsinn, sensus communis, Spiegelneurone, Leiblichkeit, Phänomenologie, Emotionen, Intersubjektivität, Kommunikation, vorsprachlich, Evolution, Kultur, Empathie.
Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, ob Gefühle adäquat durch Sprache ausgedrückt werden können und inwieweit eine Kommunikation über Emotionen auch ohne komplexe sprachliche Zeichen möglich ist.
Zentrale Felder sind die Philosophie des Geistes, die Neurobiologie (insbesondere Spiegelneurone), die Entwicklungspsychologie und die Ethologie.
Das primäre Ziel ist es, die "Irrelevanzthese" zu stützen, nach der die mangelnde Genauigkeit sprachlicher Gefühlswörter kein Manko ist, da ein vorrationaler, leiblicher Verständnisraum die Basis für intersubjektive Kommunikation bildet.
Es wird ein phänomenologischer Ansatz gewählt, der philosophische Analysen (u.a. Kant, Merleau-Ponty) mit aktuellen empirischen Befunden aus den Neurowissenschaften und der Verhaltensforschung verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der menschlichen Voraussetzungen für diesen "Gemeinsinn" und eine Anwendung dieser Theorie auf die Tierwelt, um deren Kommunikationsfähigkeit zu beleuchten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Leiblichkeit", "Gemeinsinn", "Spiegelneurone", "vorrational" und "intersubjektiv" definiert.
Spiegelneurone dienen als biologische Evidenz für eine vorrationale Basis der Kommunikation, die das unmittelbare Mitempfinden und Verstehen des Gegenübers ermöglicht, unabhängig von bewusster sprachlicher Artikulation.
Emotionen werden als vorrationale, körperliche Signale verstanden, während Gefühle als bewusste, nach innen gerichtete mentale Erfahrungen beschrieben werden.
Sprache wird als ein kultureller "Aufbau" auf eine primäre, vorsprachliche Elementarsprache der leiblichen Kommunikation betrachtet, die das differenzierte menschliche Bewusstsein erst ermöglicht.
Ja, der Autor argumentiert, dass eine leibliche Kommunikation (z.B. durch Gesten, Mimik und körperliche Präsenz) bei Menschen wie Tieren ausreicht, um eine funktionale soziale Interaktion und ein Verständnis füreinander zu gewährleisten.
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