Bachelorarbeit, 2025
33 Seiten, Note: 1.7
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Historischer Kontext des Werks
2.2. Übersetzungstheorien
2.2.1. Funktionale Äquivalenz
2.2.2. Domestizierung und Verfremdung
2.2.3. Soziolinguistische Ansätze und Übersetzung als kultureller Transfer
2.3. Rezeption des Werks im deutschsprachigen Raum
2.4 Kontext der für die Analyse ausgewählten Übersetzungen
3. Vergleichende Analyse der Übersetzungen
3.1. Methode der Analyse
3.2 Darstellung des Lagerlebens
3.3 Begriffe des Lagerjargons
3.4 Religiöse Aspekte
3.5 Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht drei deutsche Übersetzungen von Aleksandr Solženicyns Werk „Odin den' Ivana Denisoviča“ aus den Jahren 1963, 1990 und 2012. Ziel ist es, die Unterschiede in der sprachlichen, stilistischen und inhaltlichen Umsetzung herauszuarbeiten und deren Auswirkungen auf die Rezeption im deutschsprachigen Raum zu analysieren, wobei insbesondere die Entwicklung von domestizierenden hin zu verfremdenden Übersetzungsstrategien im Fokus steht.
Beispiel 1: Das morgendliche Wecksignal
Eine Szene über die Beschreibung des Wecksignals im Lager. Im russischen Original steht: „В пять часов утра, как всегда, пробило подъём - молотком об рельс у штабного барака. Перерывистый звон слабо прошёл сквозь стёкла, намёрзшие в два пальца, и скоро затих: холодно было, и надзирателю неохота была долго рукой махать.“ (Solženicyn 1963: S. 3)
Die Übersetzungen lauten: 1963: „Das Signal zum Wecken wurde, wie immer, um fünf Uhr morgens gegeben - durch einen Hammerschlag auf ein Stück Eisenbahnschiene, die bei der Kommandanturbaracke hing. Der glockenartig an- und abschwellende Ton drang nur schwach durch die mehr als zolldick vereisten Fensterscheiben und verebbte dann schnell. Es war kalt, und dem Wachtposten war nicht nach weiterem Hammern zumute.“ (Solschenizyn 1963: 9)
1990: „Um fünf Uhr morgens wurde das Wecksignal gegeben - Hammerschläge auf ein Stück Eisenbahnschiene, das neben der Stabsbaracke hing. Die abgehackten Töne drangen nur gedämpft durch die fingerdick vereisten Fensterscheiben und verstummten bald: Es war kalt, der Aufseher hatte keine Lust, lange zu hämmern.“ (Solschenizyn 1990: 5)
2012: „Um fünf Uhr morgens, wie immer, ertönte das Signal zum Wecken - der Schlag eines Hammers gegen eine Eisenschiene bei der Stabsbaracke. Der abgehackte Ton drang schwach durch die zweifingerdick befrorenen Scheiben und verstummte bald: Es war kalt, und der Aufseher hatte keine Lust, lange zu schlagen. (Solschenizyn 2012: 3)
1. Einleitung: Hier wird das Werk eingeführt, die Forschungsfrage formuliert und der methodische Rahmen der vergleichenden Analyse abgesteckt.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieser Abschnitt beleuchtet den historischen Kontext des Gulags, relevante Übersetzungstheorien und die spezifische Rezeptionsgeschichte im deutschsprachigen Raum.
3. Vergleichende Analyse der Übersetzungen: Der Hauptteil vergleicht die drei Übersetzungen anhand konkreter Textbeispiele hinsichtlich der Darstellung des Lagerlebens, des Jargons und religiöser Aspekte.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Entwicklung der Übersetzungspraxis von politisch geprägter Domestizierung hin zu einer historisch-kulturellen Verfremdung.
Aleksandr Solženicyn, Gulag, Literarische Übersetzung, Domestizierung, Verfremdung, Lagerjargon, Sowjetunion, Rezeptionsgeschichte, Kalter Krieg, Funktionale Äquivalenz, Kulturtransfer, Stalinismus, Übersetzungsstrategien, Odin den' Ivana Denisoviča, Deutsche Literaturwissenschaft.
Die Hausarbeit untersucht, wie sich die Übersetzung der Erzählung „Odin den' Ivana Denisoviča“ von Aleksandr Solženicyn in drei verschiedenen deutschen Ausgaben (1963, 1990, 2012) inhaltlich und stilistisch unterscheidet.
Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Darstellung des Gulag-Alltags, der schwierigen Übertragung des spezifischen Lagerjargons sowie der Behandlung religiöser Motive.
Ziel ist es, den Einfluss von politischen und ideologischen Rahmenbedingungen auf literarische Übersetzungen aufzuzeigen und Trends in der Übersetzungspraxis über die Jahrzehnte hinweg zu identifizieren.
Die Autorin verwendet eine komparative Analyse, bei der ausgewählte russische Originalpassagen mit den entsprechenden Stellen in den deutschen Übersetzungen konfrontiert und mittels Theorien wie Domestizierung, Verfremdung und funktionaler Äquivalenz bewertet werden.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung von Textstellen, die den Umgang mit Lagerhierarchien, Wecksignalen, Durchsuchungsbefehlen und religiöser Sprache illustrieren.
Wichtige Begriffe sind Übersetzungstheorie, Gulag-Literatur, Rezeptionsgeschichte, kultureller Transfer und der Vergleich der Übersetzer-Strategien von Hayward/Hingley bis Borowsky/Reichert.
Die 1963er-Version ist stärker domestizierend, neigt zur Emotionalisierung und wurde durch das politische Umfeld des Kalten Krieges beeinflusst, während die 2012er-Version auf Verfremdung setzt, um eine historisch authentischere Wiedergabe des Originals zu erreichen.
Die Zensur beeinflusste insbesondere die frühen Ausgaben, bei denen kritische Passagen abgeschwächt wurden, um die Lesbarkeit zu erhöhen oder ideologischen Vorgaben der jeweiligen Zeit zu entsprechen.
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