Magisterarbeit, 2007
190 Seiten, Note: 1,0
1. NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN
1.1 Was versteht man unter sozialen Bewegungen?
1.1.1 Inklusive Definitionen
1.1.2 Exklusive Definitionen
1.2 Die gesellschaftliche Bedeutung sozialer Bewegungen
1.3 Entstehungstheorien für Soziale Bewegungen
1.3.1 Stand der Forschung
1.4 Persönliche Einteilung
1.4.1 New Social Movement Theory
1.4.2 Ressourcenmobilisierungs-Theorie
1.4.3 Die beiden Paradigmen
1.4.4 Entwicklungsdynamik sozialer Bewegungen
1.5 Zusammenführung der beiden Ansätze
1.5.1 Zusammenführung durch Crossley
1.5.1.1 Smelsers Value Added Ansatz
1.5.1.2 Bourdieus Theorie der Praxis
1.5.1.3 Die Synthese der Ansätze
1.5.2 Selbstorganisation sozialer Bewegungen
1.6 Was ist NEU an den Neuen Sozialen Bewegungen?
1.7 Zusammenfassung
2. GLOBALISIERUNG UND NEOLIBERALISMUS
2.1 Was ist Globalisierung?
2.1.1 Allgemeine Überlegungen zur Globalisierung
2.1.2 Reduktionistische Perspektive
2.1.3 Dualistische Perspektive
2.1.4 Dialektische Perspektive
2.1.4.1 Globale Antagonismen
2.2 Das System des Neoliberalismus
2.2.1 Vom Keynesianismus zum Neoliberalismus
2.2.2 Die Rolle von IWF und Weltbank
2.3 Zusammenfassung
3. DIE GLOBALISIERUNGSKRITISCHE BEWEGUNG
3.1 Meilensteine in der Entwicklung der globalisierungskritischen Bewegung
3.1.1 Die EZLN
3.1.2 Widerstand gegen das MAI Abkommen
3.1.3 “The Battle of Seattle”
3.1.4 G8-Gipfel in Genua
3.1.5 Das Weltsozialforum
3.2 Handelt es sich eigentlich um eine soziale Bewegung?
3.2.1 Meinungsverschiedenheiten in der Literatur
3.2.2 Eigene Einschätzung
3.3 Wie bzw. Warum ist die Bewegung entstanden?
3.3.1 Traditionelle Entstehungstheorien
3.3.2 Kolonialisierung der Lebenswelt
3.3.3 Double Movement
3.3.4 Struktur vs. AkteurIn
3.4 Die Struktur der globalisierungskritischen Bewegung
3.5 Formen der Globalisierungskritik
3.5.1 Literaturmeinungen
3.5.2 Eigene Einteilung
3.5.3 Nationalistische Globalisierungskritik
3.5.4 Reformistische Globalisierungskritik
3.5.5 Revolutionäre Globalisierungskritik
3.6 Die Frage der Gewalt
3.7 Zusammenfassung
4. DIE ROLLE DES INTERNET
4.1 Die Beziehung zwischen Internet und sozialen Bewegungen
4.1.1 Strukturelle Gemeinsamkeiten
4.1.2 Alternativen zu traditionellen Massenmedien
4.2 Mobilisierung durch IKT
4.3 Kollektive Identität durch IKT
4.4 Netzwerk durch IKT
4.5 Protest durch IKT
4.5.1 Formen des Cyberprotest
4.5.2 Alternative Onlinemedien
4.5.3 Elektronischer Ziviler Ungehorsam
4.6 IKT und soziale Bewegungen – eine kritische Betrachtung
4.7 Zusammenfassung
5. RESÜMEE
5.1 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2 Fazit und Ausblick
Die Magisterarbeit untersucht die Rolle des Internets als zentrales Organisations- und Koordinationsinstrument innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung. Dabei wird analysiert, wie diese spezifische soziale Bewegung entstanden ist, welche inhaltliche Kritik sie an der neoliberalen Globalisierung äußert und wie digitale Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) die Proteststrukturen und kollektiven Identitätsprozesse innerhalb der Bewegung beeinflussen.
3.6 Die Frage der Gewalt
Die Proteste in Seattle, Prag, Götheborg oder Genua liefen im Prinzip alle nach dem gleichen Muster ab. Die überwiegende Mehrheit engagierte sich an einer friedlichen Demonstration, während ein kleiner Teil sich gewaltsame Auseinadersetzungen mit der Polizei lieferte. Wie oben schon erwähnt eskalierte die Situation in Genua 2001 und forderte ihr erstes Todesopfer. Dabei stellen sich für Bleiker einige Fragen: In welchem Ausmaß kann Gewalt als Form des Ungehorsams und Widerstandes gerechtfertigt werden? Ist Gewalt ein effektiver Weg um sozialen Wandel herbeiführen? (vgl. Bleiker 2002 o.S.)
Vergleicht man diverse Literaturquellen, stellt sich für mich die ergänzende Frage: Hilft oder schadet Gewalt der globalisierungskritischen Bewegung? Wie ich im ersten Kapitel bereits angeführt habe, kann das Auftreten einer militanten, gewaltbereiten Gruppierung für den Rest der Bewegung durchaus positive Folgen haben. Untersuchungen haben ergeben, dass dadurch der moderate Teil einer Bewegung, der dieselben Interessen wie die Radikalen verfolgt, automatisch mehr Sympathien der Öffentlichkeit bekommt. Dieses Phänomen wird als „radical flank effect“ bezeichnet (vgl. Mc Adam 1996). Auch politische und wirtschaftliche Institutionen zeigen erhöhte Dialogbereitschaft gegenüber den friedlichen und reformistischen DemonstrantInnen. Wie Bleiker festhält, haben moderate und dialogbereite Gruppierungen in der globalisierungskritischen Bewegung seit Seattle und Genua vermehrt Zugang zum IWF oder zur Weltbank bekommen (vgl. Bleiker 2002 o.S).
Es gibt unterschiedliche Meinungen, inwiefern Gewalt einen sozialen Wandel herbeiführen kann. Historisch gesehen spielte das Thema Gewalt schon immer eine entscheidende Rolle für soziale Bewegungen. Mao Zedong oder Ché Guevarra waren vom Erfolg des bewaffneten Widerstandes überzeugt. Im Gegensatz dazu predigten Mahatma Ghandi oder Martin Luther King strikte Gewaltlosigkeit und passiven Widerstand (vgl. Starr 2006, 63f). Gewaltlose Demonstrationen können sich als effizientere Form des Widerstandes herausstellen, da sie bei den Adressaten des Protests eher zu einem Umdenken führen. Bleiker spricht in diesem Zusammenhang von einer psychologischen Waffe.
1. NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage, indem es Definitionen und Entstehungstheorien sozialer Bewegungen diskutiert und Ansätze wie den New Social Movement-Ansatz und die Ressourcenmobilisierungs-Theorie synthetisiert.
2. GLOBALISIERUNG UND NEOLIBERALISMUS: Hier wird der theoretische Rahmen zur Globalisierung erarbeitet, wobei verschiedene Perspektiven (Reduktionismus, Dualismus, Dialektik) gegenübergestellt und die Auswirkungen des neoliberalen Systems analysiert werden.
3. DIE GLOBALISIERUNGSKRITISCHE BEWEGUNG: Das Kapitel untersucht die Entstehung, Entwicklung und Struktur dieser Bewegung sowie deren inhaltliche Ausrichtungen, von reformistischer bis zu revolutionärer Globalisierungskritik.
4. DIE ROLLE DES INTERNET: Die Analyse konzentriert sich auf die spezifische Funktion von IKT bei der Mobilisierung, Netzwerkbildung und Identitätsstiftung innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung sowie auf verschiedene Formen des Cyberprotests.
5. RESÜMEE: Das abschließende Kapitel führt die zentralen Forschungsergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und diskutiert die zukünftigen Herausforderungen für die Bewegung.
Globalisierungskritik, Soziale Bewegungen, Neoliberalismus, Internet, Cyberprotest, Ressourcenmobilisierung, Kollektive Identität, Netzwerkgesellschaft, Politik, Ökonomie, Postfordismus, Indymedia, Zapatisten, Selbstorganisation, Antagonismus
Die Arbeit analysiert die globalisierungskritische Bewegung und untersucht insbesondere, inwieweit das Internet als zentrales Instrument für deren Organisation, Koordination und Protestaktivitäten dient.
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Theorie sozialer Bewegungen, die Analyse des neoliberalen Globalisierungssystems sowie die Rolle von Informations- und Kommunikationstechnologien für den politischen Aktivismus.
Das Ziel ist es zu erklären, warum und wie die globalisierungskritische Bewegung entstanden ist und wie sie das Internet verwendet, um ihre Ziele – etwa die Kritik am neoliberalen Kapitalismus – zu artikulieren und zu organisieren.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die bestehende Literatur systematisiert und kategorisiert, um auf dieser Grundlage eigene Definitionen und Einteilungen der untersuchten Phänomene zu erarbeiten.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen sozialer Bewegungen, die verschiedenen Perspektiven auf Globalisierung, die Entstehungsgeschichte und Struktur der globalisierungskritischen Bewegung sowie der spezifische Einfluss von IKT auf diese Bewegung detailliert dargelegt.
Wichtige Begriffe sind Globalisierungskritik, soziale Bewegungen, Neoliberalismus, Cyberprotest, Netzwerkbildung und kollektive Identität.
Das Internet fungiert als eine notwendige Infrastruktur, die es der räumlich verteilten und heterogenen Bewegung ermöglicht, sich transnational zu vernetzen, Informationen auszutauschen und Proteste (sowohl offline als auch online) zu koordinieren, wofür klassische Medien oft nicht ausreichen.
Die Arbeit differenziert zwischen unterstützendem Cyberprotest (Organisationshilfe für reale Demos) und direktem Cyberprotest (virtuelle Sitzstreiks, Hacktivismus). Während das Potenzial anerkannt wird, weist die Arbeit auch auf kritische Stimmen hin, die bezweifeln, dass virtueller Protest den persönlichen Kontakt und die Solidarität echter Demonstrationen vollständig ersetzen kann.
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