Bachelorarbeit, 2011
45 Seiten
1. Einleitung
2. Die Geschichte Buchenwalds im historischen Rückblick
2. 1. Das nationalsozialistische Konzentrationslager
2. 2. Das sowjetische Speziallager Nr. 2
2. 2. 1. Entstehungskontext
2. 2. 2. Die Wahrnehmung der „Speziallager“ - Internierten in DDR und BRD
2. 2. 3. Das „Speziallager Nr. 2“
3. Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in BRD und DDR von 1945 – 1990
3. 1. Der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der BRD
3. 2. Der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der DDR
4. Die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“
5. Die Kontroversen um die Neuorientierung der Gedenkstätte Buchenwald von 1990 – 1992
5. 1. Die mediale Berichterstattung
5. 1. 1. Die Enttabuisierung der „Speziallager“
5. 1. 2. Die Debatten über das „Speziallager Nr. 2“ 1990
5. 1. 3. Das Jahr 1991. Der Einsatz der Historikerkommission
5. 1. 4. Die Reaktionen auf die Empfehlungen der Historikerkommission
5. 2. Weitere Konflikte um die Gedenkstätte Buchenwald
6. Der Umgang mit der DDR-Vergangenheit nach 1990
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Neukonzeption der Gedenkstätte Buchenwald nach dem Ende der DDR und analysiert dabei, wie unterschiedliche Vergangenheitsbilder, politische Interessen und konkurrierende Opferperspektiven im Kontext der deutschen Vereinigung aufeinandertrafen.
2. 2. 1. Entstehungskontext
Die Entstehung der so genannten „Speziallager“ in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands ist nicht ohne die vorhergehenden historischen und politischen Vorgänge zu verstehen. Bereits 1944 beschlossen die Alliierten, neben der Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands, auch die Bestrafung von Verantwortlichen des NS-Regimes. Die Gründe für diese Entscheidung liegen auf der Hand: Unter Bruch aller völkerrechtlicher Normen forderte der völkische Antisemitismus und Vernichtungskrieg während des Nationalsozialismus nicht nur Millionen von Tote in den umkämpften und besetzen Gebieten, sondern führte auch zum industriell organisierten Massenmord an den europäischen Juden und Jüdinnen.
Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 wurden die „Entnazifizierungsmaßnahmen“ konkretisiert. Die alliierten Siegermächte beschlossen, dass „Naziführer, einflußreiche Nazianhänger und hohe Amtsträger der Naziorganisationen bzw. -Einrichtungen sowie alle anderen für die Besatzung oder ihre Ziele gefährlichen Personen festgenommen und interniert“ werden sollen. In der amerikanischen Besatzungszone wurden ca. 100.000 verdächtige Personen interniert, in der britischen etwa 93.000 und in der französischen ca. 2107. Nach Angaben der Akten in den russischen Archiven wurden in der sowjetischen Besatzungszone ungefähr 123.000 Menschen interniert.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel der Erinnerungskultur nach dem Ende der DDR und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Neukonzeption der Gedenkstätte Buchenwald und der Debatten um die „zweifache Vergangenheit“ vor.
2. Die Geschichte Buchenwalds im historischen Rückblick: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über die Phasen des Konzentrationslagers Buchenwald sowie die Entstehung und Bedingungen des sowjetischen Speziallagers Nr. 2.
3. Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in BRD und DDR von 1945 – 1990: Hier werden die divergierenden Erinnerungskulturen der beiden deutschen Staaten untersucht, insbesondere die Herausbildung des Antifaschismus als Staatsdoktrin in der DDR gegenüber der Verdrängungspraxis in der BRD.
4. Die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“: Das Kapitel beschreibt die Gründung und Funktion der Gedenkstätte in der DDR als Instrument zur Vermittlung einer sozialistischen und antifaschistischen Identität.
5. Die Kontroversen um die Neuorientierung der Gedenkstätte Buchenwald von 1990 – 1992: Der Hauptteil analysiert die intensiven Debatten, die mediale Berichterstattung und die Rolle der Historikerkommission im Prozess der Umgestaltung nach der Wende.
6. Der Umgang mit der DDR-Vergangenheit nach 1990: Dieses Kapitel ordnet die Neukonzeption Buchenwalds in den breiteren Kontext der gesamtdeutschen Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ein.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die politische Dimension der Auseinandersetzung um Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit.
8. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dies sind die bibliografischen Angaben der verwendeten Fachliteratur und Zeitungsquellen.
Buchenwald, Gedenkstätte, Speziallager Nr. 2, Erinnerungskultur, DDR, Nationalsozialismus, Antifaschismus, Historikerkommission, Neukonzeption, Totalitarismustheorie, Opferkonkurrenz, Aufarbeitung, Zeitgeschichte, deutsche Vereinigung, Gedächtnis.
Die Arbeit untersucht die konfliktreichen Auseinandersetzungen um die Neukonzeption der Gedenkstätte Buchenwald in den Jahren 1990 bis 1992, ausgelöst durch den politischen Systemumbruch und die Konfrontation mit der Geschichte der sowjetischen Speziallager.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Erinnerungskulturen in BRD und DDR, die Geschichte des KZ Buchenwald sowie des Speziallagers Nr. 2 und der Einfluss politischer Ideologien auf die museale Gedenkstättenarbeit.
Das Ziel ist es, den Einfluss von Opferperspektiven, totalitarismustheoretischen Konzepten und medialen Auseinandersetzungen auf die inhaltliche und architektonische Umgestaltung der Gedenkstätte Buchenwald zu analysieren.
Die Autorin verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse von Presseartikeln und Dokumenten der beteiligten Verbände, um die Dynamik der Debatten zwischen 1990 und 1992 zu interpretieren.
Der Hauptteil widmet sich der chronologischen Darstellung der Kontroversen um die Neugestaltung, der Arbeit der Historikerkommission und den Stellungnahmen verschiedener Opfer- und Interniertenverbände.
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie "doppelte Vergangenheit", "Antifaschismus", "Totalitarismus", "Opferkonkurrenz" und "Erinnerungskultur".
Die Autorin verdeutlicht, dass das KZ Buchenwald in der DDR-Erinnerung als antifaschistischer Gründungsort fungierte, während die Geschichte des Speziallagers Nr. 2 durch Tabuisierung geprägt war und nach 1990 als politisches Instrument zur Relativierung von NS-Verbrechen genutzt wurde.
Die Historikerkommission sollte durch ihre Empfehlungen zur Versachlichung der Debatten beitragen und eine räumliche sowie inhaltliche Differenzierung der Gedenkstättenkonzeption vorschlagen, um beide Lagergeschichten würdig zu behandeln.
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