Diplomarbeit, 2010
105 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 (Areal-)Typologie: Historische Entwicklung und Überblick über den Gegenstands bereich
2.1 Sprachverwandtschaft und Sprachkontakt
2.1.1 Vom Stammbaum zum Typ
2.1.2 Wellen, Substrat und Dialekt
2.1.3 Der Übergang ins 20. Jahrhundert: die Sapir-Boas Debatte, Trubetzkoys 'Sprach bund' und Joseph F. Greenberg
2.2 Arealtypologie: Abgrenzung zu Typologie und Sprachgeographie (Dialektologie)
3 Theoretische und methodologische Problemstellungen
3.1 Welche Sprachen können ein linguistisches Areal konstituieren?
3.2 Wieviele Merkmale? Welche Merkmale?
3.3 Samplingprobleme in (areal-)typologischen Untersuchungen am Beispiel des WALS
4 Exemplarische Betrachtung von vier Sprachbünden
4.1 Balkan
4.2 Indien/Südasien
4.3 Mesoamerika
4.4 Europa (SAE)
4.5 Konklusion/Kritik
4.5.1 Anzahl und Verhältnis der Arealsprachen
4.5.2 Isoglossen(-bündel)
4.5.3 Strukturelle Unterschiede der Merkmale innerhalb der Areale
4.5.4 Abgrenzung von entlehnten/genetischen/typologischen Merkmalen
5 Exkurs zum Schluss: Trubetzkoy (1930) revisited
6 Resümee
Die Arbeit untersucht methodisch-theoretische Problemstellungen bei der Entwicklung einer linguistischen Konzeptualisierung des Begriffs 'Sprachbund' bzw. 'linguistisches Areal'. Ziel ist ein systematischer Vergleich bestehender Sprachbundkonzeptionen anhand von vier Fallbeispielen, um zu klären, ob es sich um ein wissenschaftlich konsistentes Konzept handelt.
3.1 Welche Sprachen können ein linguistisches Areal konstituieren?
Hier stellt sich v.a. die Frage nach dem Verwandtschaftsverhältnis der Sprachen zueinander: Dürfen die Sprachen eines Sprachbunds miteinander (näher oder weiter) verwandt sein oder müssen sie verschiedenen genetischen Familien angehören, damit die Sprachbund-bildenden Charakteristika als 'speziell' gelten?
Grundsätzlich scheint TRUBETZKOYs Definition (1930) diese Frage zu beantworten: Er klassifiziert Zugehörige zu einer 'Sprachfamilie' genau wie es die historisch-vergleichende Sprachforschung tat – Mitglieder eines Sprachbunds erfüllen diese 'familiären' Kriterien dagegen nur teilweise oder gar nicht (keine systematischen Lautentsprechungen etc.).
Definitionen späterer Autoren sind meist vage bzw. uneindeutig: "[...] linguistic areas are characterized by a number of linguistic features shared by VARIOUS LANGUAGES – some of which are UNRELATED, or are FROM DIFFERENT SUBGROUPS WITHIN A FAMILY [...]" (CAMPBELL ET AL. 1986: 530). "[...] a sprachbund is understood as two or more geographically contiguous and GENEALOGICALLY DIFFERENT LANGUAGES [...]" (FRIEDMAN 2006: 657).
BIRNBAUM legt hier (1965: 13) genauere Überlegungen vor. Er betrachtet die Angehörigkeit mehrerer Sprachen eines Sprachbunds zur selben Sprachfamilie als unproblematisch, wenn erstens "diejenigen strukturellen Züge, welche sie gerade als Mitglieder jenes Sprachbundes kennzeichnen, nicht auf der genetischen Verwandtschaft beruhen" und zweitens, sollte solche Merkmale doch in Betracht gezogen werden, diese von den nicht oder entfernt verwandten Sprachen des Sprachbunds geteilt werden.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Arealtypologie und Darstellung des Ziels der Arbeit, die bestehenden Sprachbundkonzeptionen systematisch zu vergleichen.
2 (Areal-)Typologie: Historische Entwicklung und Überblick über den Gegenstands bereich: Historischer Abriss von der Stammbaumtheorie über die frühen Ansätze zur Arealtypologie bis hin zur modernen Sprachgeographie.
3 Theoretische und methodologische Problemstellungen: Diskussion zentraler Kriterien zur Definition von Sprachbünden, wie Sprachverwandtschaft, Merkmalsauswahl und die Problematik repräsentativer Sprach-Samplings.
4 Exemplarische Betrachtung von vier Sprachbünden: Deskriptive Analyse der Sprachbünde Balkan, Südasien, Mesoamerika und Europa sowie kritische Evaluation der jeweiligen Sprachbund-Charakteristika.
5 Exkurs zum Schluss: Trubetzkoy (1930) revisited: Kritische Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Definition des Sprachbunds durch Trubetzkoy und deren moderner Interpretation.
6 Resümee: Synthetische Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion der Frage, ob das Konzept des Sprachbunds eine robuste linguistische Entität darstellt.
Sprachbund, linguistisches Areal, Arealtypologie, Sprachkontakt, Isoglossen, Sprachklassifikation, Standard Average European, Balkan, Südasien, Mesoamerika, Grammatikalisierung, Konvergenz, Sprachgeographie, Sprachtypologie, strukturelle Merkmale
Die Arbeit untersucht das theoretische Konzept des 'Sprachbunds' oder 'linguistischen Areals' und analysiert, wie Sprachkontakte zur strukturellen Annäherung von Sprachen führen.
Zentral sind die historische Entwicklung der Arealtypologie, die methodischen Kriterien zur Definition von Sprachbünden und der Vergleich zwischen vier prominenten Sprachbünden.
Das Ziel ist es, Sprachbundkonzeptionen vergleichend zu evaluieren, um zu prüfen, ob das Konzept des Sprachbunds auf einer einheitlichen wissenschaftlichen Basis steht.
Die Arbeit nutzt einen historisch-vergleichenden Ansatz sowie die Auswertung arealtypologischer Fachliteratur, um bestehende Definitionen und Analysen kritisch zu hinterfragen.
Im Hauptteil werden vier spezifische Gebiete – der Balkan, Südasien, Mesoamerika und Europa – anhand ihrer linguistischen Merkmale wie Morphosyntaktik, Kasusreduktion und Futur-Bildung analysiert.
Die zentralen Schlagworte sind Sprachbund, linguistisches Areal, Arealtypologie, Sprachkontakt, Konvergenz und Grammatikalisierung.
Der Balkan gilt als der 'klassischste' Sprachbund, dessen Untersuchung oft als Ausgangspunkt für spätere arealtypologische Forschungen dient und markante Phänomene wie den nachgestellten Artikel aufweist.
Sie kommt zu einem skeptischen 'Jein'-Ergebnis, da großräumige Sprachbünde oft methodisch schwer abzugrenzen sind und die Definitionen häufig unpräzise bleiben, während Konvergenzen eher in kleineren Räumen klarer definierbar sind.
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