Bachelorarbeit, 2011
67 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Problemstellung, erkenntnisleitende Fragestellung und Zielsetzung der Untersuchung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Begriffsbestimmungen
1.3.1 Partizipation
1.3.2 Gleichstellungspolitik
1.3.3 Parteien als Organisationen
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Forschungsstand
2.2 Erklärungsansätze
2.2.1 Sozio-ökonomisches Ressourcenmodell
2.2.2 Rational-Choice-Ansatz
2.2.3 Sozialisationsthese
2.2.4 Strukturelle Zugangsbarrieren
2.2.5 Abkömmlichkeitsthese
2.3 Ausgewählte Forschungsansätze
2.3.1 Mikropolitik
2.3.2 Doing Gender
2.3.3 Organisationskultur
3 Untersuchungsmethodik
3.1 Wahl des methodischen Forschungsansatzes
3.2 Die Untersuchungsgruppe
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung
4 Innerparteiliche Gleichstellungspolitik
4.1 SPD
4.2 CDU
4.3 CSU
4.4 FDP
4.5 BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
4.6 DIE LINKE
5 Empirische Analyse
5.1 Frauenrepräsentanz in Parteien
5.1.1 Frauenrepräsentanz im Ebenenvergleich
5.1.1.1 Frauen in den Spitzenpositionen der Parteien
5.1.1.2 Frauen in der SPD
5.2 Parlamentarische Frauenrepräsentanz im Ebenenvergleich
5.2.1.1 Parlamentarierinnen der SPD
5.3 Zwischenfazit
5.4 Qualitative Analyse
5.4.1 Gleichstellung und Quote
5.4.2 Zeitkultur
5.4.3 Kommunikationskultur
5.4.3.1 Debattenkultur
5.4.3.2 Thematisierung - Dethematisierung
5.4.4 Closed circle
5.4.4.1 Macht
5.4.4.2 Verhältnis von Frauen zur Macht
5.4.4.3 Old-Boys-Networks und ihr Einfluss
5.5 Kritik der qualitativen Analyse
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die Ursachen der anhaltenden Unterrepräsentanz von Frauen in politischen Parteien, insbesondere am Beispiel der SPD, und analysiert, wie politische Organisationen ihrem verfassungsrechtlichen Gleichstellungsauftrag nachkommen.
5.4.3.1 Debattenkultur
Alle Befragten gingen in den Interviews ausführlich auf die vorherrschende Debattenkultur ein. Meist wurde als erstes festgestellt, dass sich Männer wesentlich häufiger zu Wort melden und auch längere Redebeiträge leisten.
Anwesenden Frauen. Alles Neumitglieder, die gerade erst in die Partei eingetreten sind und noch keine innerparteiliche Sozialisierung erfahren haben.
Erst hat der Unterbezirksvorsitzende eine kleine Rede gehalten und dann hat er die Diskussion eröffnet. Die darauf folgende Diskussion war sehr spannend und lebhaft; keiner hat den anderen irgendwie runtergemacht, es war wirklich keine bedrohliche Atmosphäre und ich habe mich auch noch zweimal zu Wort gemeldet. Und hinterher ist mir aufgefallen, dass ich außer der Landtagsabgeordneten die einzige Frau war, die sich zu Wort gemeldet hatte, es waren noch 20 Frauen im Raum und wir hatten drei Stunden diskutiert (Index 29 und 30).
Egal welche Unterbezirksversammlung es auch immer ist, ich könnte wetten, dass ein bestimmter Genosse sich zu Wort meldet, mindestens ein Co-Referat oder einen Redebeitrag leistet, der länger ist als alle anderen. Zusätzlich könnte ich wetten, was er inhaltlich sagt. Wenn wir Glück haben variiert er seine Wortwahl gegenüber dem letzten Mal. Danach man will sich oft schon gar nicht selbst zu Wort melden, weil man die Redeliste nicht noch verlängern und die Geduld der anderen nicht noch mehr strapazieren will (Index 31).
In der Gesprächskultur unserer Partei hat sich nichts geändert. Die Männer reden, die Frauen schweigen. Zumindest die Jusos hatten für ihre Versammlungen eine Zeit lang das probate Mittel der quotierten Redeliste eingesetzt. Dieses Konzept wird leider heute nicht mehr verfolgt und so gilt auch dort heute wieder: die Männer reden, die Frauen schweigen (Index 32).
Dabei wird es nicht so gesehen, dass Frauen nichts zu sagen hätten, im Gegenteil. Aber die Einschätzung der eigenen Kompetenz und Relevanz – ganz doing gender – hält sie häufig von eigenen Wortbeiträgen ab. Dabei ist den meisten Frauen bewusst, dass sich Frauen mehr zu Wort melden müssten, wollten sie, nicht nur als Individuum, sondern als weibliche Akteure, gehört werden. Einige Frauen melden sich daher ganz bewusst zu Wort.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Frauenunterrepräsentanz in Parteien ein und definiert die zentralen Begriffe wie Partizipation und Gleichstellungspolitik.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden gängige Erklärungsmodelle für die Unterrepräsentanz diskutiert, darunter das Ressourcenmodell, Sozialisationstheorien und mikropolitische Ansätze wie "Doing Gender".
3 Untersuchungsmethodik: Das Kapitel beschreibt den Forschungsansatz, der auf einer Kombination aus quantitativer Datenanalyse und qualitativen Experteninterviews nach der Grounded Theory basiert.
4 Innerparteiliche Gleichstellungspolitik: Eine historische und programmatische Analyse der Gleichstellungspolitik von SPD, CDU, CSU, FDP, BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE.
5 Empirische Analyse: Dieser Hauptteil präsentiert die statistische Auswertung der Frauenrepräsentanz auf verschiedenen Ebenen sowie eine qualitative Analyse von Ursachen wie Zeitkultur und Kommunikationsstrukturen.
6 Fazit: Das Fazit bestätigt die Hypothese einer fortbestehenden "Gläsernen Decke" und betont die Notwendigkeit, strukturelle Machtverhältnisse und Parteikulturen zur Erreichung echter Gleichstellung aktiv zu verändern.
Partizipation, Frauenrepräsentanz, SPD, Gleichstellungspolitik, Doing Gender, Mikropolitik, Frauenquote, Männerbündnis, Politische Parteien, Machtstrukturen, Organisationskultur, Old-Boys-Networks, Politische Beteiligung, Geschlechtergerechtigkeit, Parlamentsmandate.
Die Arbeit untersucht die Gründe für die anhaltende Unterrepräsentanz von Frauen in politischen Organisationen, insbesondere innerhalb der SPD, trotz vorhandener Quotenregelungen.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Gleichstellungspolitik in deutschen Parteien, die quantitative Analyse der Frauenanteile auf verschiedenen politischen Ebenen und die qualitativen Aspekte innerparteilicher Kultur.
Das Ziel ist zu analysieren, wie politische Parteien ihrem verfassungsrechtlichen Gleichstellungsauftrag nachkommen und welche mikropolitischen Faktoren Frauen trotz formaler Quoten den Aufstieg in Machtpositionen erschweren.
Die Autorin nutzt einen "Mixed-Methods"-Ansatz: eine deskriptive quantitative Analyse von Statistiken über Frauenanteile und eine qualitative Analyse basierend auf episodischen Experteninterviews gemäß der "Grounded Theory".
Der Hauptteil analysiert die empirische Realität der Frauenbeteiligung sowie die tieferliegenden Ursachen wie die parteiinterne Zeitkultur, Debattenkultur und informelle Machtnetzwerke (Old-Boys-Networks).
Begriffe wie "Gläserne Decke", "Doing Gender", "Mikropolitik", "Frauenquote" und "Organisationskultur" sind zentral für das theoretische Verständnis der Arbeit.
Die Arbeit zeigt auf, dass die bestehenden Parteistrukturen auf einem männlich geprägten Lebensmodell basieren, welches die Vereinbarkeit von Parteiarbeit mit anderen Lebensbereichen erschwert und informelle "Männerrunden" bevorzugt.
Die Quote wird als notwendiges, aber oft nur halbherzig angewendetes Instrument auf Zeit betrachtet, dessen Wirkung durch eine männlich dominierte Parteikultur und fehlende Durchsetzung auf unteren Ebenen häufig begrenzt wird.
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