Bachelorarbeit, 2023
34 Seiten, Note: 14,0
1. Einleitung
2. Allgemeine Lage
2.1 Die Entstehung der Chaostage
2.2 Punks
2.3 Exkurs: Die Schutt-und-Asche-Legende aus 1994
2.4 Politische Lage in Niedersachen 1995
3. Die Chaostage 1995 und der Untersuchungsausschuss
3.1 Einsatzgeschehen 1995
3.2. Der 16. Parlamentarische Untersuchungsausschuss
4. Ursachenforschung zu den Chaostagen
4.1 Mängel in der personellen und sachlichen Ausstattung
4.2 Darstellung und Instrumentalisierung
5. Auswirkungen der Chaostage
5.1 Ergebnisse des Untersuchungsausschusses
5.2 Verbesserung der personellen sowie materiellen Ausstattung
5.3 Novellierung des Gefahrenabwehrgesetzes
5.3.1 Einführung eines Aufenthaltsverbotes gem. § 17 NGefAG
5.3.2 Unterbindungsgewahrsam gem. §§ 18, 19 und 21 NGefAG
5.4 Politische und weitere Auswirkungen
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und die polizeilichen sowie rechtlichen Auswirkungen der hannoverschen Chaostage von 1995 auf die Polizei des Landes Niedersachsen. Zentral steht dabei die Forschungsfrage im Fokus, inwiefern der Einsatzverlauf durch strukturelle, personelle und ausstattungstechnische Defizite bedingt war und welche gesetzlichen Novellierungen sowie organisatorischen Reformen im Nachgang durch den 16. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss angestoßen wurden.
4.1 Mängel in der personellen und sachlichen Ausstattung
Bei genauerer Betrachtung des Einsatzverlaufs stellt sich die Frage, ob Mängel in der personellen Ausstattung, also dem Kräfteaufkommen, kausal für das Geschehen gewesen sein könnten.
Die niedersächsische Polizei wurde erst ein Jahr zuvor einer Polizeireform unterzogen. Mit Erlass vom 19. Dezember 1994 wurde die Sollstärke der LBPN von 2.120 auf 1.028 Beamt:innen reduziert, die Einsatzhundertschaften (EHu) von neun auf sieben gekürzt. Weiterhin wurde die Abordnung polizeilicher Einzeldienst (APED) eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme, bei welcher Beamt:innen der LBPN auf Polizeidienststellen den Einzeldienst versehen und nur für größere Einsatzlagen wieder in ihre Hundertschaft zurückkehren. Hintergrund waren die teils langen einsatzlosen Zeiten mehrerer Hundertschaften und die damit entstandenen Kosten im Gegensatz zu unbesetzten Dienstposten in den Flächenbehörden. Diese Beamt:innen wurde dann auf die Dienststellen verteilt und konnten somit Posten im Einzeldienst besetzen. Problematisch ist hier jedoch die geringere zur Verfügung stehende Zeit für regelmäßige Übungen und Fortbildungen im geschlossenen Einsatz. Weiterhin entsteht so ein geringeres Gruppengefühl, und eine eindeutige Zugehörigkeit zu einer Organisationseinheit durch die Beamt:innen fehlt.
Im Untersuchungsausschuss befasste man sich auch mit der Einführung der APED. Zeugenaussagen zufolge würden regelmäßige Übungen in APED-betroffenen Hundertschaften, mit Ausnahme der Technischen Einheit (TE) und Festnahmezügen, nicht mehr oder nicht öfter als einmal im Jahr stattfinden. Presseberichten nach war es zu dem Zeitpunkt sogar fünf Jahre her, dass für Großeinsätze geübt worden war.
Wie unter Kapitel 2.2 erwähnt, ergaben sich Erkenntnisse über die Anreise von ungefähr 2.500 Störer:innen, ein Zehntel von ihnen gewaltbereit. Im Vorfeld wurde eine Kräfteanforderung mit 1.200 Beamten für sechs Einsatzphasen erstellt, wobei für zwei Punks ein:e Polizeibeamt:innen vorgesehen war. Teilweise kalkulierte man für die nächtlichen Einsatzphasen lediglich 640 Polizeibeamt:innen ein.
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Chaostage 1995 in Hannover ein und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
2. Allgemeine Lage: Es werden die historische Genese der Chaostage seit 1982, die Subkultur der Punks, mediale Vorprägungen wie die „Schutt-und-Asche-Legende“ sowie die landespolitischen Rahmenbedingungen vor Beginn der Krawalle beleuchtet.
3. Die Chaostage 1995 und der Untersuchungsausschuss: Dieses Kapitel schildert den konkreten Ablauf der mehrtägigen Straßenschlachten und Plünderungen im August 1995 sowie die anschließende Einberufung und Besetzung des 16. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses.
4. Ursachenforschung zu den Chaostagen: Im Mittelpunkt stehen die detaillierte Aufarbeitung materieller und personeller Ausstattungsdefizite der Polizei sowie der eskalierende Einfluss der medialen und politischen Berichterstattung.
5. Auswirkungen der Chaostage: Dargestellt werden die Konsequenzen des Einsatzes, darunter Ausstattungsverbesserungen, personelle Wechsel an der Führungsspitze sowie die Verschärfung des Gefahrenabwehrrechts bezüglich Aufenthaltsverboten und Unterbindungsgewahrsam.
6. Fazit: Die Autorin zieht eine abschließende Bilanz über den Erkenntnisgewinn des Untersuchungsausschusses und kritisiert die parteipolitische Instrumentalisierung des Einsatzes auf Kosten der beteiligten Polizeikräfte.
Chaostage 1995, Polizei Niedersachsen, Hannover, Einsatzgeschehen, Parlamentarischer Untersuchungsausschuss, Gefahrenabwehrgesetz, Aufenthaltsverbot, Unterbindungsgewahrsam, Schutzausstattung, Bereitschaftspolizei
Die Arbeit befasst sich mit den gewaltsamen Ausschreitungen während der Chaostage 1995 in Hannover, deren Ursachen im Bereich der polizeilichen Taktik und Ausstattung sowie der anschließenden parlamentarischen und gesetzgeberischen Aufarbeitung.
Die Untersuchung umfasst die Subkultur der Punkszene, den konkreten Einsatzverlauf im August 1995, die politische Stimmungslage in Niedersachsen, gravierende Mängel der polizeilichen Ausrüstung sowie rechtliche Änderungen im Landespolizeirecht.
Ziel ist es, mithilfe der Akten des 16. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses festzustellen, welche Ursachen zu der Eskalation führten und welche direkten und indirekten Folgen sich daraus für die niedersächsische Landespolizei ergaben.
Die Untersuchung bedient sich der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, wobei Berichte des Untersuchungsausschusses, Landtagsdrucksachen, Archivakten und Medienberichte systematisch ausgewertet werden.
Der Hauptteil analysiert die konkreten Einsatztage im August 1995, veranschaulicht strukturelle Ausrüstungsdefizite wie das Fehlen zeitgemäßer Schutzkleidung und legt dar, wie Medienberichte und personelle Fehlplanungen zur Verschärfung beitrugen.
Charakteristisch für die Arbeit sind Termini wie Chaostage 1995, Gefahrenabwehr, Bereitschaftspolizei, Schutzausstattung, Aufenthaltsverbot, Unterbindungsgewahrsam und Parlamentarischer Untersuchungsausschuss.
Dabei handelte es sich um eine 1994 von Boulevardmedien verbreitete Behauptung, Punks wollten die Landeshauptstadt verwüsten, welche 1995 von Punks ironisch als gefälschtes Flugblattmotto aufgegriffen und von Polizei wie Politik fälschlicherweise als reale Bedrohungslage eingestuft wurde.
Als Reaktion auf die Chaostage wurde das Niedersächsische Gefahrenabwehrgesetz (NGefAG) 1996 novelliert, wodurch erstmals ein eigenständiges Aufenthaltsverbot (§ 17) sowie der verlängerte Unterbindungsgewahrsam von bis zu vier Tagen (§ 21) eingeführt wurden.
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