Masterarbeit, 2024
82 Seiten, Note: 1,4
Vorwort
1 Überblick und Einleitung
1.1 Hintergrund und Relevanz des Themas
1.2 Ziel und Fragestellung der wissenschaftlichen Abschlussarbeit
1.3 Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit
2 Theoretischer Rahmen der Erinnerungskultur
2.1 Definition und Bedeutung von Erinnerungskultur als Schlüssel
2.2 Theorien zur kollektiven Erinnerung
2.3 Theorien zur individuellen Erinnerung
2.4 Die allgemeine Bedeutung von Adoleszenzromanen
2.5 Die Rolle der Romane in der Erinnerungsarbeit
3 Literarische und historische Kontextualisierung in der Zeitgeschichte
3.1 Historischer Überblick zur DDR
3.2 Literaturveröffentlichung und -verbreitung in der DDR…
3.3 Die DDR als literarischer Gegenstand und Einordnung in der poetischen Zeitgeschichte
3.4 Entwicklungen und Tendenzen des DDR Bildes im Rahmen der ausgewählten literarischen Werke
4 Einführung in zwei literarische Werke im Rahmen des zeitgeschichtlichen DDR Kontexts
4.1 Analyse I der Formen der Erinnerung in „Skizze eines Sommers“
4.1.1 Inhaltliche Zusammenfassung und Handlung des Romans
4.1.2 Darstellung der Erinnerungsformen und -motive im Roman
4.1.3 Narrative Techniken
4.1.4 Stilistische Mittel zur Darstellung der Erinnerungsformen
4.2 Analyse II der Formen der Erinnerung in „Gittersee“ von Charlotte Gneuß…
4.2.1 Inhaltliche Zusammenfassung und Handlung des Romans
4.2.2 Darstellung der Erinnerungsformen und -motive im Roman
4.2.3 Narrative Techniken und stilistische Mittel zur Darstellung der Erinnerungsformen
5 Vergleich der beiden Romane...
5.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erinnerung an die DDR
5.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der narrativen Techniken
5.3 Einfluss des historischen und sozialen Kontexts im Bezug auf Erinnerung
5.4. Einfluss der psychologischen Wirksamkeit im Bezug auf Erinnerung
6 Diskurs...
6.1 Bedeutung der Erinnerung an die DDR in der heutigen Gesellschaft
6.2 Die Rolle der Adoleszenzromane in der Verarbeitung und Vermittlung von historischen Begegbenheiten
6.3 Reflexion über die Ausdrucksform der Erinnerung
6.4 Persönlicher Hintergrund des Autors André Kubiszek zu seinem Roman
6.5 Persönlicher Hintergrund der Autorin Charlotte Gneuß zu ihrem Roman
7 Fazit.
7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse
7.2 Beantwortung der Forschungsfrage
7.3 Die Wirksamkeit der beiden Adoleszenzromane
7.4 Ausblick auf mögliche Forschungsrichtungen
Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Untersuchung besteht darin zu analysieren, wie in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Erinnerungen an die DDR über das Genre des Adoleszenzromans konstruiert, vermittelt und reflektiert werden. Anhand eines detaillierten Textvergleichs zwischen André Kubiczeks Roman „Skizze eines Sommers“ und Charlotte Gneuß’ Werk „Gittersee“ geht die Arbeit der zentralen Frage nach, welche narrativen und stilistischen Verfahren zum Einsatz kommen, um individuelle Adoleszenzerfahrungen mit dem kollektiven Gedächtnis sowie den gesellschaftspolitischen Realitäten der späten DDR und der Wendezeit zu verknüpfen.
Definition und Bedeutung von Erinnerungskultur als Schlüssel
Erinnerungskultur, ein Konzept, das sich mit der kollektiven und individuellen Art und Weise der Erinnerung an die Vergangenheit befasst, spielt eine zentrale Rolle in der Identitätsbildung moderner Gesellschaften. Sie umfasst das bewusste Aufarbeiten, Erinnern und Deuten historischer Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart und Zukunft. Angesichts der wachsenden Komplexität globaler Interaktionen und der verstärkten Auseinandersetzungen um historische Narrative ist die Erinnerungskultur zu einem essentiellen Feld der Forschung und politischen Praxis geworden.
Die theoretischen Grundlagen der Erinnerungskultur lassen sich auf verschiedene wissenschaftliche Disziplinen zurückführen, darunter die Geschichtswissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft. Besonders hervorzuheben sind die Arbeiten von Jan und Aleida Assmann, die mit ihren Konzepten des kommunikativen und kulturellen Gedächtnisses wesentliche Beiträge geleistet haben. Das kommunikative Gedächtnis basiert auf mündlicher Überlieferung und umfasst Erinnerungen, die sich über maximal drei Generationen erstrecken. Demgegenüber steht „das kulturelle Gedächtnis, das durch institutionalisierte und tradierte Erinnerungen geprägt ist, welche durch Rituale, Monumente, Museen und offizielle Gedenktage aufrechterhalten werden“ (Assmann, 1992, S.35).
Die Ausprägungen der Erinnerungskultur sind vielfältig und umfassen Denkmäler, Museen, Literatur, Filme, schulische Lehrpläne und politische Reden. Diese Medien dienen sowohl der Bewahrung als auch der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Ein herausragendes Beispiel sind die Stolpersteine, die in vielen europäischen Städten an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Diese kleinen Gedenktafeln im öffentlichen Raum verankern die Erinnerung im Alltag und regen zur Reflexion über historische Schuld und Verantwortung an (Demnig, 2005).
Erinnerungskultur ist untrennbar mit politischer Praxis verbunden. Staaten und Regierungen gestalten historische Narrative aktiv und nutzen sie, um nationale Identität zu formen und politische Ziele zu verfolgen. Offizielle Gedenktage, nationale Erinnerungsorte und Schulcurricula sind zentrale Instrumente dieser Erinnerungspolitik. In Deutschland hat die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit eine stark ausgeprägte Erinnerungskultur hervorgebracht. Diese ist geprägt von der Anerkennung historischer Schuld und der Verpflichtung zur Erinnerung, was sich in Initiativen wie dem "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" widerspiegelt (Brockhaus, 2019).
1 Überblick und Einleitung: Dieses Kapitel führt in den thematischen Hintergrund ein, begründet die Relevanz von DDR-Erinnerungsnarrativen in der Gegenwartsliteratur und legt die Forschungsfragen sowie den methodischen Aufbau der Arbeit dar.
2 Theoretischer Rahmen der Erinnerungskultur: Das Kapitel erarbeitet die begrifflichen Grundlagen von individuellem und kollektivem Gedächtnis und diskutiert die soziokulturellen und psychologischen Funktionen des Adoleszenzromans für die literarische Erinnerungsarbeit.
3 Literarische und historische Kontextualisierung in der Zeitgeschichte: Hier wird ein historischer Abriss der DDR gegeben, das von Zensur und Subversion geprägte DDR-Literatursystem beleuchtet und der Wandel der DDR-Darstellung bis in die postmoderne Gegenwartsliteratur nachgezeichnet.
4 Einführung in zwei literarische Werke im Rahmen des zeitgeschichtlichen DDR Kontexts: Das Kapitel widmet sich detaillierten Einzeltextanalysen von André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ und Charlotte Gneuß’ „Gittersee“ hinsichtlich Inhalt, Erinnerungsformen, Narratologie und Stilistik.
5 Vergleich der beiden Romane...: In einer komparativen Synthese werden Gemeinsamkeiten und Divergenzen beider Texte in Bezug auf Erinnerungsmodi, Zeitebenen, Erzähltechniken und Kontextualisierung herausgearbeitet.
6 Diskurs...: Dieses Kapitel diskutiert den gesamtgesellschaftlichen Stellenwert der DDR-Erinnerungskultur und reflektiert den Einfluss von Autorenhintergründen sowie autobiografischer versus vermittelter Gedächtnisweitergabe.
7 Fazit.: Das abschließende Kapitel fasst die Hauptergebnisse der Textanalysen zusammen, beantwortet die zentrale Fragestellung zur Poetik der Zeitgeschichte und formuliert Perspektiven für weiterführende literatur- und geschichtsdidaktische Forschungen.
Erinnerungskultur, Adoleszenzroman, DDR-Literatur, André Kubiczek, Charlotte Gneuß, Skizze eines Sommers, Gittersee, Kulturelles Gedächtnis, Narrative Identität, Wendezeit, Ostalgie, Stasi-Überwachung, Intergenerationelles Gedächtnis, Zeitgeschichte
Die Arbeit untersucht Formen und Funktionen der literarischen Erinnerung an die DDR im modernen Adoleszenzroman anhand eines eingehenden Textvergleichs zweier ausgewählter Gegenwartswerke.
Im Mittelpunkt stehen kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien, entwicklungspsychologische Ansätze der Adoleszenzforschung, das DDR-Literatursystem sowie die poetische Aufarbeitung historischer Umbrüche nach der deutschen Wiedervereinigung.
Ziel ist es zu klären, wie individuelle Entwicklungs- und Adoleszenzerfahrungen junger Protagonisten mit kollektiven Erinnerungen an das DDR-System verwoben werden und welchen Beitrag dies zur zeitgenössischen Erinnerungskultur leistet.
Die Arbeit nutzt ein interdisziplinäres Vorgehen: Sie verbindet gedächtnistheoretische Ansätze (nach Assmann und Halbwachs) sowie psychologische Modelle der narrativen Identität mit einer vergleichenden literaturwissenschaftlichen Text- und Erzählanalyse (Close Reading).
Der Hauptteil analysiert die Handlungsstrukturen, Erinnerungsmotive, narrativen Techniken und stilistischen Mittel in André Kubiczeks Roman „Skizze eines Sommers“ und Charlotte Gneuß’ Roman „Gittersee“, gefolgt von einem systematischen Vergleich beider Werke.
Wesentliche Begriffe sind Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis, narrative Identität, Adoleszenzroman, DDR-Vergangenheit, Retrospektion und Zeitgeschichte.
Während André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ aus einer intimen, von nostalgischer Sinnlichkeit geprägten Ich-Perspektive den Potsdamer Sommer 1985 fokussiert, arbeitet Charlotte Gneuß’ „Gittersee“ mit einer nüchterneren, politisch akzentuierten Darstellung der bedrückenden Kontroll- und Umbruchsrealität im Dresdner Vorort.
André Kubiczek schöpft als 1969 Geborener aus eigenen Kindheits- und Jugenderinnerungen in der DDR, wohingegen Charlotte Gneuß als Angehörige einer jüngeren Generation ohne eigene DDR-Erfahrung auf familiäre Erzählungen und intensive historische Recherche zurückgreift („Postmemory“ bzw. vermittelte Erinnerung).
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