Bachelorarbeit, 2010
33 Seiten, Note: 1,1
Vorwort
1. Einleitung
2.1 Sünde, Schuld und Vergebung im antiken Judentum
2.2 Jesus - Leben im Verborgenen
3. Jesusworte im Zusammenhang mit Sünde, Schuld und Vergebung
3.1 Von Mensch zu Mensch
3.2 In Beziehung zu Gott leben
3.3 Gott sucht und findet das Verlorene
4. „Und vergib uns unsere Schuld“: Sünde, Schuld und Vergebung in der Verkündigung Jesu
5. Zusammenfassung und Stellungnahme
Diese Bachelor-Arbeit untersucht das Sünden-, Schuld- und Vergebungsverständnis im historischen Wirken Jesu auf Basis ausgewählter synoptischer Evangelien, um zu ergründen, wie Jesus seine Lehre in Bezug auf menschliches Fehlverhalten und das Gottesverhältnis formulierte.
3.3 Gott sucht und findet das Verlorene
Lk 15,4-6: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
4Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern; 6und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir! Denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
Formgeschichtlich liegt hier ein Gleichnisse im engeren Sinn vor. Das als mutmaßlich authentisch identifizierte Logion umfasst keine Einleitungsformel und keine Anwendung. Das Gleichnis beginnt mit einer rhetorischen Frage. Der Vergleichspunkt liegt in der Freude über das Wiedergefundene. Gleichnisse gehören trotz ihrer narrativen Struktur zu den Wortüberlieferungen. Sie sprechen bildhaft von Gottes Handeln in der anbrechenden Gottesherrschaft. Es gibt kontroverse Ansichten bezüglich der Bestimmung ihrer Bedeutung und der Verortung im Leben Jesu (Sitz im Leben). Der Erzähler wendet sich an alle Menschen, sowohl den „Gerechten“ als auch den „Verlorenen“, in Schuld verstrickten Menschen und spricht sie auf der emotionalen Ebene an. Die Erzählung impliziert, dass jeder Hörer völlig selbstverständlich so handeln würde, wie in der Erzählung beschrieben.
Vorwort: Die Verfasserin reflektiert ihre persönliche Motivation, die durch Gewaltfreie Kommunikation und biblische Seminararbeit angeregt wurde, die Thematik von Schuld und Vergebung aus christlicher Sicht neu zu betrachten.
1. Einleitung: Es wird die Forschungsfrage gestellt, wie Jesus mit Sünde und Schuld umging und ob sich aus den Evangelien eine authentische „Verkündigung Jesu“ zu diesem Thema herausfiltern lässt.
2.1 Sünde, Schuld und Vergebung im antiken Judentum: Das Kapitel erläutert das Sündenverständnis der Thora, bei dem das objektive Nicht-Einhalten von Gesetzen im Vordergrund steht und Sühneopfer oder Wiedergutmachung zur Wiederherstellung der Ordnung dienen.
2.2 Jesus - Leben im Verborgenen: Dieser Abschnitt skizziert den Lebenshintergrund Jesu in Nazareth und seine Verbindung zur Bewegung des Johannes des Täufers sowie seine eigene Neuinterpretation der Täuferbotschaft.
3. Jesusworte im Zusammenhang mit Sünde, Schuld und Vergebung: Hier werden neun mutmaßlich echte Jesuslogien aus den synoptischen Evangelien identifiziert und einer historisch-kritischen Untersuchung unterzogen.
3.1 Von Mensch zu Mensch: Analyse von Gesetzesworten (z.B. zum Töten oder Ehebruch), die Jesus als Mahnungen für die soziale Dimension des täglichen Miteinanders in der Gemeinschaft umdeutet.
3.2 In Beziehung zu Gott leben: Betrachtung des Vaterunsers als Gebet, das existenzielle Erfahrungen der Menschen aufgreift und in den Kontext der anbrechenden Gottesherrschaft stellt.
3.3 Gott sucht und findet das Verlorene: Untersuchung der Gleichnisse vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme, die Gottes vorbehaltlose Zuwendung und die Freude über das Finden als Kern seiner Botschaft herausstellen.
4. „Und vergib uns unsere Schuld“: Sünde, Schuld und Vergebung in der Verkündigung Jesu: Zusammenführung der Ergebnisse: Jesus richtet sich an Machtvolle und Bedürftige gleichermaßen, um die Barmherzigkeit Gottes als lebensspendende Kraft in der Gegenwart erfahrbar zu machen.
5. Zusammenfassung und Stellungnahme: Reflektion über die Schwierigkeiten der historischen Jesusforschung und das Ergebnis, dass Gottes bedingungsloses Erbarmen das zentrale Element der Verkündigung Jesu bildet.
Sünde, Schuld, Vergebung, Verkündigung Jesu, synoptische Evangelien, Gottesherrschaft, historischer Jesus, Thora, Reziprozität, Nächstenliebe, Feindesliebe, Gleichnis, Barmherzigkeit, Gottesreich, Soziales Miteinander.
Die Arbeit untersucht, wie Jesus von Nazareth in seiner Verkündigung und in seinem Wirken das Konzept von Sünde, Schuld und Vergebung interpretierte, insbesondere im Hinblick auf seine Auseinandersetzung mit jüdischen Traditionen seiner Zeit.
Die zentralen Felder sind die historische Jesusforschung, das antike jüdische Gesetzesverständnis, das soziale Miteinander in der frühen Jesus-Bewegung sowie die Interpretation zentraler Gleichnisse und Mahnreden.
Das Ziel ist es, aus den synoptischen Evangelien diejenigen Wortüberlieferungen zu filtern, die als mutmaßlich authentisch auf Jesus zurückzuführen sind, um daraus seine spezifische Lehre zum Umgang mit Schuld und zur gelebten Barmherzigkeit zu destillieren.
Die Autorin nutzt vorwiegend die historisch-kritische Methode, insbesondere die Formgeschichte sowie Traditions- und Redaktionskritik, um den Kern der Jesusworte von späteren christlichen Gemeindebildungen zu unterscheiden.
Der Hauptteil analysiert konkrete Jesuslogien, angefangen bei Antithesen zur Thora über das Herrengebet bis hin zu den Gleichnissen vom verlorenen Schaf, der verlorenen Drachme und dem verlorenen Sohn.
Wesentliche Begriffe sind "Gottesherrschaft", "Reziprozität", "Historischer Jesus", "Sündenschuld", "Lebensförderlichkeit" und "Bedingungsloses Erbarmen".
Das Vaterunser dient als Beispiel dafür, wie Jesus eine bestehende jüdische Gebetstradition aufgreift und mit dem Fokus auf die anbrechende Gottesherrschaft sowie das existenzielle Vertrauen auf Gottes Fürsorge mit neuen, befreienden Inhalten füllt.
Während in der Thora oft die faktische Übertretung eines Gebots zur Schuld führt, lenkt Jesus den Fokus auf die innere Haltung und die soziale Dimension; Schuld wird nicht mehr als bloßer Rechtsbruch gesehen, sondern durch Gottes Gnade und vorbehaltlose Zuwendung geheilt.
Das Wiedergefundensein verdeutlicht, dass Gott die Initiative ergreift, um den Menschen zu suchen; es zeigt, dass Gottes Reich schon jetzt in der Gegenwart anbricht, indem der Mensch aus seiner Schuldverstrickung befreit wird.
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