Bachelorarbeit, 2025
46 Seiten, Note: 1,30
Ist die FDP tatsächlich, wie oft behauptet, eine „neoliberale" Partei? Nach dem zweiten Scheitern am Einzug in den Bundestag binnen zwölf Jahren steht diese Frage drängender denn je im Raum. Diese Bachelorarbeit geht dieser Frage auf den Grund und zeichnet nach, wie sich das Verständnis von Liberalismus innerhalb der Partei über sechs Jahrzehnte gewandelt hat. Grundlage der Untersuchung bilden mit dem Berliner Programm (1957), den Freiburger Freiheitsthesen (1971) und den Karlsruher Freiheitsthesen (2012) drei zentrale Grundsatzprogramme.
Der Liberalismus ist keine einheitliche Ideologie: Von John Lockes und Adam Smiths klassisch-liberalen Freiheitskonzepten über den sozialen Liberalismus von John Stuart Mill und John Rawls bis hin zum deutschen Ordoliberalismus der Freiburger Schule – die FDP bewegte sich stets zwischen diesen Polen. Mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring und eines eigens entwickelten, theoriegeleiteten Kategoriensystems wird herausgearbeitet, dass die programmatische Entwicklung der Partei keinem linearen Pfad folgt, sondern einer Pendelbewegung gleicht – geprägt vom jeweiligen Kräfteverhältnis zwischen national- und sozialliberalem Flügel sowie den historischen Umbrüchen ihrer Entstehungszeit: von der jungen Bundesrepublik über die sozialliberale Koalition bis zur Finanzkrise 2008.
Zugleich legt die Analyse ein bemerkenswert stabiles ideologisches Fundament frei, das trotz aller Kurswechsel unangetastet bleibt: die Bedeutung individueller Freiheit, des Privateigentums und der Rechtsstaatlichkeit.
Diese Arbeit ist damit weit mehr als eine Parteigeschichte: Sie liefert ein präzises analytisches Instrument zur Einordnung liberaler Programmatik und einen fundierten Beitrag zur aktuellen Debatte über die ideologische Verortung der FDP – eine aufschlussreiche Lektüre für alle, die sich für deutsche Parteiengeschichte, politische Ideengeschichte und die Zukunft des Liberalismus interessieren.
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