Diplomarbeit, 2002
75 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Allgemeiner Teil
2.1. Forschungsbericht
2.2. Das Autorenkonzept in Literatur und Film
3. Analyseteil
3.1. Der Roman Lolita
3.1.1. Entstehung und Wurzeln
3.1.2. Lesarten und Interpretationen
3.2. Stanley Kubricks Verfilmung (1962)
3.2.1. Produktionsgeschichte und Inhalt
3.2.2. Reaktionen und Kritik
3.3. Nabokov und Kubrick – ein Vergleich
3.4. Adrian Lynes Verfilmung (1997)
3.5. Die Hörbuchfassung
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen literarischer Vorlage und medialer Bearbeitung am Beispiel von Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse, wie sich die sprachliche Virtuosität, die moralische Ambivalenz und das komplexe narrative Gefüge des Romans in unterschiedlichen Medienformaten – namentlich im Kinospielfilm und im Hörspiel – transformieren lassen und inwiefern die Adaptionen als eigenständige Kunstwerke mit spezifischen Werkcharakteren verstanden werden können.
2.2 Das Autorenkonzept in Literatur und Film
Lange vor den Tagen des Films haben Schriftsteller wie Balzac und Flaubert in ihren Romanen Vermittlungstechniken verwendet, mit denen sie Realität wie durch eine Filmkamera darstellten. Nabokov etablierte sich als Romanschreiber zu einer Zeit, als der Film noch eine junge Kunstform war, ungefähr in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. James Monaco spricht davon, dass der Roman der Herausforderung des Films begegnete, indem er sich auf dem Gebiet der Sprache weiterentwickelt habe: „[Der] künstlerische Roman hat sich seit James Joyce ähnlich wie die Malerei entwickelt. Wie die Maler lernten auch die Romanciers durch die Erfahrung des Films, ihre Kunst zu analysieren und zu begreifen.“ Nicht nur ist der Roman durch das filmische Erzählen beeinflusst worden; sondern auch der Film hat sich durch die Transformation sprachlicher Formen in Abhängigkeit von literarischen Vorgaben zu einer eigenständigen Kunstform gewandelt. Eine innovative Besonderheit gegenüber dem Roman hebt Morris Beja hervor: „Kamera-Schnitte und Montage [erlauben], dass das Auge seine Perspektive mit einer Schnelligkeit, Vollständigkeit und Plötzlichkeit wechselt, wie es kein menschliches Auge vermag, obgleich der Film stets durch das Kamera-Auge begrenzt wird“.
Im folgenden Abschnitt beziehe ich mich auf Werner Kamps Arbeit Autorkonzepte und Filminterpretation, wo von dieser Entwicklung des Kinofilms die Rede ist. Kamp weist auf die französischen Filmkritiker und Regisseure Alexandre Astruc und Francois Truffaut hin, die Parameter für „eine neue Avantgarde des Kinos“ festlegten. Der Film sei nicht länger auf die „Illustration von Ideen“ (S. 17) zu reduzieren, wie dies bei „konventionellen Adaptionen“ der Fall ist, die literarische Vorlagen „lediglich zu trivialen Kostümfilmen verarbeiten“. Vielmehr biete der Film „die Möglichkeit, alle Künste in seiner Form zu einer einheitlichen und umfassenden künstlerischen Sprache zusammenzuführen“ (S. 18). Truffaut würde solche Regisseure „wirkliche Autoren (auteurs) …, [nennen] die eine individuelle Weltsicht in ihren Filmen äußern, deren Geschichten und Dialoge sie selbst verfassen“. Damit einher gehe die „Forderung nach einer originären Filmkritik“ mit der Methode, „jedes Werk eines Filmemachers zunächst auf thematische Einheit und individuelle künstlerische Entwicklung hin zu betrachten“. Dem Schriftsteller bzw. Romancier steht demnach der „cineastisch denkende und gestaltende Regisseur (auteur)“ gegenüber (S. 19). Dazu zählen Filmemacher, die als Künstlerpersönlichkeiten geachtet werden, so dass „das Kriterium „Regisseur“ … zum dominierenden Faktor für die Auseinandersetzung mit dem Film“ würde (S. 26).
1. Einleitung: Das einleitende Kapitel führt in die Problemstellung medialer Adaptionen von Weltliteratur ein und umreißt die spezifische Herausforderung, Nabokovs sprachlich hochkomplexen Roman „Lolita“ in Film und Hörspiel adäquat zu transformieren.
2. Allgemeiner Teil: Dieser Abschnitt bietet einen fundierten theoretischen Überblick über den Forschungsstand der Literaturverfilmung, diskutiert Transformationsmodelle und beleuchtet das Autorenkonzept sowie die Auteur-Theorie im Zusammenspiel von Literatur und Filmregie.
3. Analyseteil: Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Textanalyse des Romans „Lolita“ und vergleicht dessen narrative Struktur, Thematik und Figurenkonstellation eingehend mit Stanley Kubricks Verfilmung von 1962, Adrian Lynes filmischer Neuinterpretation von 1997 sowie der deutschen Hörspielbearbeitung.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel bilanziert die spezifischen Stärken und Grenzen der untersuchten Medienadaptionen und reflektiert die soziokulturellen Nachwirkungen sowie den Bedeutungswandel des Werkes in der Populärkultur.
Medienadaption, Literaturverfilmung, Vladimir Nabokov, Lolita, Stanley Kubrick, Adrian Lyne, Hörspiel, Auteur-Theorie, Intermedialität, Narratologie, Rezeptionsästhetik, Zensur, Doppelgänger-Motiv, Humbert Humbert
Die Arbeit befasst sich mit den Formen, Funktionen und theoretischen Herausforderungen der Medienadaption von Literatur anhand von Vladimir Nabokovs Meisterwerk „Lolita“ im Vergleich zu dessen Umsetzungen als Kinospielfilm und Hörspiel.
Zu den zentralen Feldern zählen Theorien der Literaturverfilmung, das auteur-orientierte Regiekonzept, die narrative Analyse des Romans sowie der systematische Vergleich zweier Spielfilmfassungen und einer Hörspielinszenierung.
Das Hauptziel besteht darin herauszuarbeiten, wie unterschiedliche Medien die literarischen Gestaltungsmittel, sprachlichen Ironien und moralischen Dilemmata der Vorlage aufgreifen und ob daraus eigenständige, ästhetisch vollwertige Kunstwerke entstehen.
Die Untersuchung verwendet eine vergleichende medienwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche Text- und Transformationsanalyse auf der Grundlage gängiger Adaptionstheorien und filmsemiotischer Ansätze.
Im Hauptteil werden die literarischen Wurzeln und Deutungsdimensionen des Romans analysiert, gefolgt von detaillierten Fallstudien zu Stanley Kubricks Film von 1962, Adrian Lynes Version von 1997 sowie Walter Adlers Hörspielfassung von 1999.
Kennzeichnend für die Publikation sind Fachbegriffe wie Literaturverfilmung, Medienadaption, Intermedialität, Auteur-Theorie, Rezeptionsästhetik, Zensur und Doppelgängerstruktur.
Die Zensurbestimmungen der damaligen Zeit zwangen Kubrick dazu, die pädophilen Aspekte der Vorlage abzumildern, Lolita als älteren Teenager darzustellen und den Fokus auf eine tragikomische Dreiecksbeziehung sowie die Doppelgängerrivalität zwischen Humbert und Quilty zu verlagern.
Lynes Neuverfilmung orientiert sich enger am literarischen Ausgangstext, stellt Humberts frühes Trauma heraus und versucht, Nabokovs bildhafte Sprache visuell einzufangen, verzichtet dabei jedoch weitgehend auf den satirischen Humor und die distanzierende Farce des Kubrick-Films.
Da das Hörspiel im akustischen Raum auf sprachliche Abstraktion und die Fantasie des Publikums setzt, kann es Nabokovs virtuosen Prosastil, intime Monologe und die poetische Selbstreflexion Humbert Humberts ungefilterter transportieren als visuelle Medien.
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