Magisterarbeit, 2003
73 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Innere Struktur
2.1 Reihe
2.1.1 Zwölftonreihen
2.1.2 Zahl der Reihen
2.1.3 Aufbau der Grundreihe
2.1.3.1 Vorhandene Intervalle
2.1.3.2 Struktur der Reihenhälften
2.1.4 Modi
2.2 Raster
2.2.1 Aufbau
2.2.1.1 Zum Verständnis
2.2.1.2 Verschiebungen
2.2.2 Bedeutung
2.3 Mögliche historische Vorbilder
2.4 Positionierung der Reihen
2.4.1 Verschränkungstechnik
2.4.2 Gruppierungen
2.4.3 Virtuelle Tonalität
2.4.4 Bruch der Symmetrie?
2.5 Zusammenfassende Überlegungen
3. Hörbare Struktur
3.1 Melodik
3.1.1 Kanon
3.1.2 Haupt- und Nebenstimmen
3.1.3 Motive
3.1.3.1 Umgekehrte Entwicklung
3.2 Instrumentation
3.2.1 Wahl der Instrumente
3.2.1.1 Besetzung der Streicher
3.2.2 Verwendung der Instrumente
3.2.3 Instrumentation und Form
3.3 Form
3.3.1 Das Problem der Sonatenhauptsatzform
3.3.2 Das Rad des Arepo
3.4 Satztechnik
3.4.1 Dichte
3.4.2 "Korrekte" Dissonanzbehandlung
3.5 Rhythmik
4. Epilog
Diese Arbeit widmet sich einer ganzheitlichen musikanalytischen Untersuchung des ersten Satzes der Symphonie Op. 21 von Anton Webern, mit dem Ziel, die komplexen internen Strukturen der Reihe, der Instrumentation und der Form zu durchleuchten und das Werk jenseits rein serialistischer Interpretationen neu zu bewerten.
2.4.1 Verschränkungstechnik
Mit jedem neuen Ton wird die Auswahl der Resttöne kleiner, und beim letzten ist überhaupt keine Wahl mehr gelassen. Unverkennbar der darin gelegene Zwang. Ihn übt nicht nur der Kalkül aus. Er wird vom Ohr spontan mitvollzogen. [...] Jede ihrer [der Melodie] Fortsetzungen zeigt ein Moment der Willkür.
Es lässt sich darüber streiten, ob, und inwiefern, obiges Zitat zutreffen mag oder nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass auch Webern sich den Kopf über dieses Problem zerbrochen hat: Ungefähr 1911 habe ich die "Bagatellen für Streichquartett" (op.9) geschrieben, lauter kurze Stücke, die zwei Minuten dauern; vielleicht das Kürzeste, das es in der Musik bisher gegeben hat. Ich habe dabei das Gefühl gehabt: Wenn die zwölf Töne abgelaufen sind, ist das Stück zu Ende.
Wo ein allgemein gültiges Ordnungssystem (die Tonalität) wegfällt, wird jeder Ton zum "Moment der Willkür". Gewiss, das "Komponieren mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen" ordnet die Töne zu Reihen. Doch was ordnet die Aufeinanderfolge der 48 Modi? Weberns Antwort auf diese Frage ist, die Auswahl der nächsten Reihe der vorangegangenen zu überlassen. Das funktioniert deshalb, weil die Grundreihe ja krebsförmig ist, und daher mit demselben Intervall endet mit dem es beginnt (nämlich mit der kleinen Terz, bzw. großen Sext). Dieses letzte Intervall der Reihe wird nun als das erste Intervall der folgenden Reihe gedeutet, womit diese definiert wäre.
1. Einleitung: Beleuchtung der Rezeptionsgeschichte des Werkes und Erläuterung der Intention, den ersten Satz in seiner ganzheitlichen Struktur neu zu analysieren.
2. Innere Struktur: Untersuchung der kompositionstechnischen Basis, insbesondere der Zwölftonreihe, des Raster-Konzepts sowie der historischen Bezüge und der Symmetrieanordnung.
3. Hörbare Struktur: Analyse der kontrapunktischen und satztechnischen Aspekte wie Melodik, Kanontechnik, Instrumentation, Formmodellierung und Rhythmik.
4. Epilog: Reflexion über Weberns subjektive Wahrnehmung seines eigenen Werkes und den Kontrast zur objektiven Realität und Rezeption.
Anton Webern, Symphonie Op. 21, Dodekaphonie, Zwölftontechnik, Musikanalyse, Symmetrie, Kontrapunkt, Kanon, Reihentechnik, Raster, motivische Entwicklung, Zweite Wiener Schule, musikalische Struktur.
Die Arbeit bietet eine umfassende analytische Untersuchung des ersten Satzes von Anton Weberns Symphonie Op. 21, um die strukturelle Integrität und kompositorische Meisterschaft des Stücks jenseits früherer einseitiger Analysen freizulegen.
Die zentralen Themen umfassen die mathematische und strukturelle Organisation der Zwölftonreihen, die Bedeutung des "Rasters" für die Tonhöhenordnung sowie die Rolle des Kontrapunkts und der Instrumentation.
Ziel ist es, den ersten Satz der Symphonie nicht nur als serielles Konstrukt, sondern als ein in sich geschlossenes, "organisches" Werk zu verstehen, das trotz seiner strengen Regeln historisch verwurzelt ist.
Der Autor nutzt eine kombinierte Methode aus musikalischer Strukturanalyse, historischer Kontextualisierung und der Heranziehung zeitgenössischer Quellen und Zitate Weberns selbst.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der "Inneren Struktur" (Reihen, Raster) und der "Hörbaren Struktur" (Melodik, Satztechnik, Rhythmik, Form).
Wichtige Begriffe sind Symmetrie, Dodekaphonie, Doppelkanon, "Urpflanze"-Konzept, strukturelle Instrumentation und "Dauern-Neurose".
Der Autor entscheidet sich explizit für den ersten Satz, da dieser in der Literatur im Vergleich zum zweiten Satz (den Webern selbst analysierte) oft vernachlässigt wurde oder nur unzureichend verstanden wurde.
Webern vergleicht seine Zwölftonreihe mit Goethes Konzept der "Urpflanze", um zu verdeutlichen, dass das gesamte Werk aus einem einzigen "Keim" bzw. einer zentralen Idee abgeleitet wurde.
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