Bachelorarbeit, 2010
52 Seiten, Note: 1,3
0. Einleitung
1. Einführung in musikpsychologische -und soziologische Grundlagen kreativer Gruppenprozesse
1.1. Musikalische Begabung und Selbstkonzept
1.2. Musikalische Sozialisation
1.3. Musikalisches Lernen und Motivation
1.4. Präferenzbildung und Musikindustrie
1.5. Musikalische Identität und Motivation
1.6. Geschlechterspezifität
2. Kreative Praxis in musikalischen Gruppen
2.1. Kompositorische Arbeitsprozesse von Rock -und Popbands
2.1.1. Die Erkenntnisse von Jan Hemming
2.1.2. Die Studien von Anja Rosenbrock
2.1.2.1. Der Kompositionsbegriff in der Popularmusik
2.1.2.2. Entstehung eines Songs in einer Amateurband
2.1.2.3. Ideengenerierung und Kreativität
2.1.3. „Die Soziologie des Rock“
2.1.4. Arbeitsphasen nach Thomas Witzel
2.1.4.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppenarbeit
2.2. Theoretischer Exkurs I: Koordination und Synchronität als kognitive Prozesse nach Peter Keller
2.3. Exkurs II: Entmystifizierung des kreativen Genies in Klassik und Pop
2.4. Die Rolle der Improvisation am Beispiel des Jazz
3. Zusammenfassung/ Diskussion/ Ausblick
Diese Bachelorarbeit untersucht die sozialen und psychologischen Mechanismen, die der Entstehung populärer Musik in Gruppen wie Rock- und Popbands zugrunde liegen, um den romantisierten Mythos des „kreativen Genies“ zu dekonstruieren und durch eine Bestandsaufnahme konkreter Arbeitsprozesse zu ersetzen.
2.1.4.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppenarbeit
Die beiden Grundpole der Diskussion um die verschiedenen Arbeitsanteile bilden zum einen der Anteil der Gruppe und zum Anderen die Eigenleistung des Einzelnen bei der Entstehung eines Songs. Als wichtige Grundaussage über die Arbeitsweise in Bands unterschiedlichster Stilrichtungen bleibt jedoch die Beteiligung jedes Bandmitglieds an der musikalischen Arbeit, sei es der des Arrangierens, des Komponierens oder Einstudierens festzuhalten. Grundsätzlich kann bei der Ideenfindung von einem intuitiven und beim Prozess des Arrangierens von einer analytisch-rationalen Tätigkeit gesprochen werden.
Im Wesentlichen können die verschiedenen Anteile der Gruppe im musikalischen Arbeitsprozess folgendermaßen hinterfragt und analysiert werden:
Handelt es sich bei dem vorliegenden Material um Eigenkompositionen oder um Coverstücke? Bei einer Band mit eigenen Songs erhöht sich der Anteil der Gruppenarbeit, da auch die musikalische Grundidee- und Struktur zusammen festgelegt wird. Bei der Erarbeitung von Coverstücken entfällt der gemeinsame Prozess der Ideenfindung und die kreative Gruppenleistung beschränkt sich im Allgemeinen auf die Erarbeitung und das Einstudieren des vorgefertigten Stücks. In Abhängigkeit des Musikstils ergeben sich ebenfalls unterschiedliche musikalische Anteile der Gruppe. Während innerhalb der Rock- oder Indie-Band der Anteil des Improvisierens (bspw. durch Soli) kaum eine Rolle spielt, bedeutet das improvisierte Solo für den Jazzmusiker den individuellen, momentanen musikalischen Ausdruck, vor allem im Konzert. Zudem scheint ein Zusammenhang zwischen einfach strukturierter Musik und intuitiven Zugängen, sowie komplex strukturierter Musik und eher rationalen Zugängen zu bestehen. Die Ideenfindung kann in beiden Fällen intuitiv geschehen, jedoch wird bei längeren und komplexen Musikstücken mit Tempowechseln und mehrstimmigen Instrumentalpassagen wohl auch ein rationales Verständnis nötig um die Beibehaltung der Gesamtstruktur zu wahren.
Hinsichtlich des Einflusses der technischen Fähigkeiten auf die kreative Arbeit kann konstatiert werden, dass spielerische Mängel einen langwierigen Kompositionsprozess mit sich wiederholender Elaboration und Experimentieren mit dem musikalischen Material mit sich bringen. So kann sich der Arbeitsprozess an einem einzigen Stück über mehrere Monate erstrecken.
0. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach den sozialen und psychologischen Bedingungen der kreativen Gruppenarbeit in Bands und setzt das Ziel der Entmystifizierung des Geniekults.
1. Einführung in musikpsychologische -und soziologische Grundlagen kreativer Gruppenprozesse: Dieses Kapitel erörtert die notwendigen Voraussetzungen für das gemeinsame Musizieren, wie etwa musikalische Begabung, Sozialisation, Identitätsbildung und den Einfluss der Musikindustrie.
2. Kreative Praxis in musikalischen Gruppen: Der Hauptteil analysiert konkrete kompositorische Arbeitsweisen in Bands, beleuchtet theoretische Konzepte der Koordination und Improvisation und setzt sich kritisch mit der Abwertung populärer Musik gegenüber der klassischen Musik auseinander.
3. Zusammenfassung/ Diskussion/ Ausblick: Dieses Kapitel evaluiert die Erkenntnisse der Arbeit, betont die Relevanz des Themas für die Musikwissenschaft und identifiziert Desiderate für die zukünftige Forschung.
Kreative Gruppenprozesse, Popularmusik, Musikpsychologie, Musiksoziologie, Bandforschung, Komposition, Improvisation, Musikalische Sozialisation, Musikalische Identität, Expertiseforschung, Geniekult, Gruppenidentität, Bandarbeit, Musikpädagogik, Synchronität
Die Arbeit befasst sich mit den sozialen und psychologischen Prozessen der kreativen Arbeit in Bands der populären Musik und untersucht, wie Gruppen gemeinsam Musik erschaffen.
Zu den zentralen Themen gehören die musikalische Sozialisation, die Bedeutung von Begabung und Selbstkonzept, die Arbeitsweisen bei der Komposition und das Phänomen des Geniekults.
Das Hauptziel ist es, den "kreativen Prozess" in Musikgruppen transparent zu machen und den romantisch verklärten Blick auf das "kreative Genie" durch eine Bestandsaufnahme handwerklicher und gruppendynamischer Fakten zu entkräften.
Es handelt sich um eine theoretische Bestandsaufnahme, die auf der Analyse bestehender musikwissenschaftlicher, musikpsychologischer und soziologischer Fachliteratur sowie ausgewählter empirischer Studien basiert.
Der Hauptteil analysiert die kompositorischen Arbeitsprozesse von Bands, diskutiert theoretische Ansätze zur Koordination und Synchronität und beleuchtet die Rolle der Improvisation.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gruppenprozesse, Popularmusik, Kreativität, Musiksoziologie und Identitätsbildung charakterisiert.
Während in der untersuchten Punkband das kollektive Experimentieren und die gemeinsame Songentwicklung im Vordergrund stehen, integriert der Jazzmusiker individuelle Improvisationen als zentralen Ausdrucksmoment in einen oft konsensbasierten, aber technisch anspruchsvolleren Rahmen.
Der Autor argumentiert, dass der Geniekult in der klassischen Musik oft als Abgrenzung zur Popularmusik genutzt wird, um deren komplexen, gemeinschaftlichen Entstehungsprozess als "minderwertig" oder "handwerklich" abzuwerten, was durch die Analyse der tatsächlichen Bandarbeit widerlegt wird.
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