Examensarbeit, 2003
40 Seiten, Note: 2,5
1. Hinführung
2. Darstellung der Diskussion um die „Neue Paulusperspektive“
2.1 K. Stendahl – E. Käsemann
2.2 E. P. Sanders – H. Hübner, M. D. Hooker, E. Lohse
2.3 J. D. G. Dunn – H. Hübner, E. Lohse
3. Kritische Würdigung der Diskussion um die „Neue Paulusperspektive“
3.1 Integration der Heiden als Leitmotiv paulinischer Theologie?
3.2 Bundesnomismus als Religionsstruktur des antiken Judentums?
3.3 Partizipationistische Eschatologie bei Paulus?
3.4 Auf die Heiden ausgeweiteter jüdischer Bund?
4. Abschließendes Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannte „Neue Paulusperspektive“, die als Herausforderung für die traditionelle lutherische Paulusinterpretation verstanden wird. Das zentrale Ziel besteht darin, die Sichtweise anhand der Hauptvertreter (K. Stendahl, E. P. Sanders, J. D. G. Dunn) darzustellen, mit der entgegengebrachten Kritik zu kontrastieren und eine kritische Würdigung der Argumente vorzunehmen.
2.1 K. Stendahl – E. Käsemann
Im Jahr 1963 stieß K. Stendahl mit seinem Aufsatz „The Apostle Paul and the Introspective Conscience of the West“12 die Debatte an, die in der gegenwärtigen Paulusforschung unter dem Schlagwort „Neue Paulusperspektive“ verhandelt wird.
Stendahl geht darin aus von der aus seiner Sicht typisch westlichen Praxis der „Introspektion“13, auf der die traditionell lutherische Paulusdeutung des Abendlandes aus seiner Sicht beruht. Die paulinische Rechtfertigungslehre werde in dieser Interpretation als Antwort auf die Gewissensnöte verstanden, die aus der Praxis der Introspektion resultieren.
Dem hält Stendahl entgegen, dass dem Apostel Introspektion fremd gewesen sei. Diesbezüglich bestehe ein großer Unterschied zwischen Paulus und Luther: Während der Reformator - in seinem Gewissen verzweifelt - nach einem gnädigen Gott fragte, litt der Heidenmissionar nicht unter dem Bewusstsein von Sündhaftigkeit. Vielmehr sei ihm ein starkes Gewissen zueigen gewesen, so dass er mit Blick auf seine vorchristliche Vergangenheit sagen konnte, „untadelig“ gewesen zu sein, was die Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, betrifft (vgl. Phil. 3,6). Sein Damaskus-Erlebnis wäre dementsprechend auch keine Erlösung von einem bis dahin geplagten Gewissen.14
1. Hinführung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Debatte um die Rechtfertigungslehre und die Infragestellung der traditionellen lutherischen Paulusinterpretation durch die „Neue Paulusperspektive“.
2. Darstellung der Diskussion um die „Neue Paulusperspektive“: Dieses Kapitel zeichnet die Kernargumente der wichtigsten Vertreter Stendahl, Sanders und Dunn nach und kontrastiert diese mit ihren Kritikern.
3. Kritische Würdigung der Diskussion um die „Neue Paulusperspektive“: Hier werden die theologischen Konzepte wie die Heidenintegration, der Bundesnomismus und die partizipatorische Eschatologie einer tiefgehenden exegetischen und kritischen Prüfung unterzogen.
4. Abschließendes Fazit: Das Fazit zieht Bilanz über den aktuellen Stand der exegetischen Debatte und betont die bleibende Herausforderung für die reformatorische Theologie.
Neue Paulusperspektive, Rechtfertigungslehre, Paulus, Judentum, Bundesnomismus, Heidenmission, Stendahl, Sanders, Dunn, Heilsgeschichte, Gnadenreligion, Christus, Tora, Exegese, Paradigmenwechsel
Die Arbeit befasst sich mit der sogenannten „Neuen Paulusperspektive“, einer Strömung in der modernen Paulusforschung, die die traditionell lutherische Interpretation des Apostels kritisch hinterfragt.
Zentral sind die Neubewertung des antiken Judentums, die Frage nach dem Stellenwert der Rechtfertigungslehre sowie die Analyse des Verhältnisses von Paulus zum jüdischen Gesetz.
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten führender Vertreter der Neuen Paulusperspektive und der Gegenkritik, um ein sachgemäßes Paulusbild zu erörtern.
Die Arbeit nutzt die exegetische Analyse der Paulusbriefe und setzt diese in den Kontext der religionsgeschichtlichen und systematisch-theologischen Fachdiskussion.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Positionen von Stendahl, Sanders und Dunn sowie in eine anschließende kritische Würdigung spezifischer theologischer Leitbegriffe.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Neue Paulusperspektive, Bundesnomismus, Rechtfertigungslehre, Heilsgeschichte und das paulinische Verständnis der Tora.
Hübner kritisiert, dass Sanders’ These einer „Christus-Partizipation“ die biblischen Rechtfertigungsaussagen unzulässig unterordne und den exegetischen Befund im Galaterbrief nicht korrekt wiedergebe.
Lohse lehnt dies ab, da es weder der jüdischen noch der christlichen Religion gerecht werde und die theologische Zäsur zwischen beiden, die aus dem Damaskus-Erlebnis des Paulus resultiere, verwische.
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