Bachelorarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Rolle
2.1 Historische Anmerkungen zum Rollenbegriffs
2.2 Die Entwicklung des Rollenbegriffs im Theater
2.2.1 Die historische Entwicklung des Rollenbegriffs
2.2.2 Definition des Rollenbegriffs im Theater heute
2.3 Die Rolle als soziologische Kategorie
2.3.1 Definition
2.3.2 Rolle und Persönlichkeit
2.3.3 Rollenfreiheit, Rollenkonflikt und Rollendistanz
2.3.4 Gender und die besondere Bedeutung der sozialen Geschlechterrolle
2.3.5 Grenzen der soziologischen Rollentheorie
2.4 Bezug zwischen der Rolle als soziologische Kategorie und der Rolle im Theater
2.5 Zusammenfassung
3. Das Rollenfach
3.1 Die Entstehung des Rollenfachs
3.2 Die Schauspielerin und das Rollenfach
3.3 Rollenmonopol und vertragliche Absicherung
3.4 Die Abschaffung des Rollenfachs
3.5 Zusammenfassung
4. Ensemble-Vergleich
4.1 Forschungsstand
4.2 Vergleich der Ensembles des Schauspiel Stuttgart, der Münchner Kammerspiele und des Schauspielhauses Zürich
4.2.1 Forschungsfrage und Hypothesen
4.2.2 Grundgesamtheit und Stichprobe
4.2.3 Begründung der Untersuchungsmethode
4.2.4 Design des Codebuchs
4.2.5 Pretest
4.2.6 Validität, Reliabilität und Objektivität
4.3 Zusammenfassung
5. Auswertung
5.1 Auswertungsmethode
5.2 Durchführung der Auswertung
5.2.1 Verstärkte Berücksichtigung von Stücken des 17.,18. und 19. Jahrhunderts
5.2.2 Mehr männliche als weibliche festangestellte SchauspielerInnen
5.2.3 Mehrheit der weiblichen Schauspielerinnen jünger als fünfzig Jahre
5.2.4 Mehrheit der weiblichen Schauspielerinnen sehr schlank oder Normalgewichtig
5.2.5 Männliche und weibliche SchauspielerInnen haben eine weiße Hautfarbe und entsprechen dem mitteleuropäischen Typ
5.2.6 Sowohl männliche als auch weibliche SchauspielerInnen präsentieren sich im Rahmen schon seit dem 18. etablierter Rollentypen
5.2.7 Wenn weibliche und männliche SchauspielerInnen sich auf einen Rollentyp in der Selbstrepräsentation festlegen, spielen sie auch primär die entsprechenden Rollen
5.3 Zusammenfassung
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ensemblezusammensetzung und Besetzungspraxis an überregional bekannten Theatern des südlichen deutschsprachigen Raums. Dabei wird der Einfluss des historischen Rollenfachsystems auf heutige Strukturen sowie die Rolle von Geschlechterdiskriminierung und Rollenklischees analysiert.
2.3.3 Rollenfreiheit, Rollenkonflikt und Rollendistanz
Es stellt sich die Frage, inwieweit Rollenerwartungen die Freiheit des Rollenträgers einschränken. Grundsätzlich ist jede Rollenerwartung als gesellschaftliche Zumutung immer eine Einschränkung der individuellen Freiheit. Diese Aussage wird allerdings dadurch relativiert, dass Menschen nie nur Träger einer Rolle sind. Die Einschränkung der einen Rolle ist gleichzeitig die Freiheit der jeweils anderen. Je mehr Rollen ein Individuum einnimmt, desto höher sind seine Freiheitsgrade.43
Probleme entstehen allerdings dann, wenn die Rollenerwartungen einer Rolle mit den Rollenerwartungen anderer Rollen nicht zu vereinbaren sind, die von dem gleichen Menschen wahrgenommen werden. Es entsteht ein Interrollenkonflikt. Daneben können auch Rollenerwartungen innerhalb einer Rolle in einen Widerspruch zueinander treten. Hier handelt es sich um einen Intrarollenkonflikt.44
Um handlungsfähig zu sein, müssen Menschen in der Lage sein, mit solchen Rollenkonflikten produktiv umzugehen. Sie benötigen Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz. Gleichzeitig entstehen aus widersprüchlichen Rollenerwartungen auch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Es kann gelernt werden, Rollenerwartungen zu modellieren und Rollengrenzen zu überschreiten. Auch dies ist eine Form von Rollenfreiheit. Wenn Rollengrenzen nicht nur von Einzelnen überschritten werden, sondern dies zu einem allgemeinen gesellschaftlichen Phänomen wird, werden sich die gesellschaftlichen Rollenerwartungen notwendigerweise verändern müssen. Insbesondere bei den nicht selbst gewählten Unterwerfungsrollen entsteht eine besondere Situation. Soll das ohnehin Herrschende überwunden werden, wird dies nur gelingen, wenn die Individuen, mindestens zu einem Teil, zu den ihnen zugemuteten Rollenerwartungen, auf Distanz gehen. Rollendistanz wird wahrscheinlich aber nur dann möglich sein, wenn sie nicht gleichzeitig in verschiedenen Rollen notwendig wird. Wenn es keine hinreichende Übereinstimmung von Rollen und tatsächlichem Verhalten mehr gibt, entsteht eine Instabilität der gesellschaftlichen Grundsituation.45
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die sich mit der Ensemblezusammensetzung, Geschlechterdiskriminierung und dem Fortbestehen historischer Rollenklischees im Gegenwartstheater befasst.
2. Die Rolle: Dieses Kapitel erläutert sowohl theaterhistorische als auch soziologische Perspektiven auf den Rollenbegriff, um die theoretische Basis für die Untersuchung der Rollenbilder zu schaffen.
3. Das Rollenfach: Dieses Kapitel betrachtet die historische Etablierung des Rollenfachsystems, dessen wirtschaftliche Bedeutung sowie dessen Einfluss auf die Besetzungspraxis und die Rolle der Schauspielerin.
4. Ensemble-Vergleich: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der empirischen Inhaltsanalyse und definiert die Grundgesamtheit sowie die Stichprobe zur Untersuchung der Ensemblezusammensetzung.
5. Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Inhaltsanalyse, setzt sie zu den aufgestellten Hypothesen in Bezug und visualisiert diese anhand von Daten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit von Reformen im Stadttheaterbetrieb angesichts veralteter, reproduzierter Frauenbilder.
Rollenfach, Schauspielertypologien, Gegenwartstheater, Ensemblezusammensetzung, Gender, Rollenklischees, Inhaltsanalyse, Soziologie, Theatergeschichte, Stadttheater, Besetzungspraxis, Diskriminierung, Geschlechterrolle, Theaterästhetik, Rollenmonopol.
Die Arbeit untersucht, inwieweit das historische Rollenfachsystem und damit verbundene Rollenklischees die heutige Ensemblezusammensetzung und Besetzungspraxis an deutschsprachigen Theatern beeinflussen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Rollenbegriffs, der soziologischen Betrachtung von Geschlechterrollen und der empirischen Analyse von Theaterensembles in Bezug auf Alter, Geschlecht und Erscheinungsbild.
Das Ziel ist es, aufzudecken, wie historische Strukturen und Diskriminierungsmuster bei der Besetzungspraxis im Theater fortbestehen und welche Auswirkungen dies auf die Repräsentation von Frauen hat.
Die Autorin verwendet eine primäre Inhaltsanalyse von Bildmaterial und Besetzungslisten, gestützt durch ein eigens entwickeltes Kategoriensystem (Codebuch).
Im Hauptteil erfolgen die theoretische Einordnung, die methodische Herleitung des Ensemble-Vergleichs und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten zu den ausgewählten Schauspielhäusern.
Zentrale Begriffe sind Rollenfach, Ensemblezusammensetzung, Geschlechterrolle, Rollenklischees, Inhaltsanalyse, Stadttheater und Besetzungspraxis.
Die Analyse zeigt, dass die häufige Aufführung von Stücken des 17., 18. und 19. Jahrhunderts konservative Frauenbilder reproduziert, die in die heutige Theaterästhetik einfließen.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Gleichstellung der Frau eine grundlegende Reform des Stadttheatersystems erfordert, da das bisherige Rollenfachsystem die Entfaltungsmöglichkeiten einschränkt.
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