Examensarbeit, 2010
56 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Das fachdidaktische Prinzip der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht
2.1 Bildungsziele eines mehrperspektivischen Unterrichts
2.2 Methoden und Medien des multiperspektivischen Geschichtsunterrichts
2.3 Probleme der Perspektiveneinsicht in der 6. Klasse
3. Planung eines mehrperspektivischen Geschichtsunterrichts am Beispiel des Lernbereichs 5 der 6. Klasse
3.1 Lerngruppen und Unterrichtsvoraussetzungen
3.2 Einordnung des Themas in den Lehrplan
3.3 Didaktische Begründung und methodische Grobplanung zum Lernbereich
3.4 Sachanalyse zum Lernbereich 5 der 6. Klasse
3.5 Lehr- und Lernziele
3.6 Lernbereichsplanung
4. Darstellung ausgewählter multiperspektivischer Unterrichtssequenzen
4.1 Erste Doppelstunde: Freiheit und Unfreiheit
4.1.1 Ziele der Stunde
4.1.2 Tabellarische Stundenplanung
4.1.3 Reflexion
4.2 Dritte Stunde: Wege in die Unfreiheit – Leben in Knechtschaft oder Sterben im Krieg?
4.2.1 Ziele der Stunde
4.2.2 Tabellarische Stundenplanung
4.2.3 Reflexion
4.3 Fünfte Stunde: Leben der Bauern im Mittelalter – Hartes Leben oder verklärte Romantik?
4.3.1 Ziele der Stunde
4.3.2 Tabellarische Stundenplanung
4.3.3 Reflexion
4.4 Elfte Stunde: Rollenspiel – Bauern erstürmen das Herrenhaus – Reden oder Gewalt?
4.4.1 Ziele der Stunde
4.4.2 Tabellarische Stundenplanung
4.4.3 Reflexion
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das fachdidaktische Prinzip der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht einer 6. Klasse praktisch umgesetzt werden kann, um Schülern ein kritisch-reflexives Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche methodischen Ansätze am besten geeignet sind, um die Perspektivität historischer Quellen zu verdeutlichen und Schüler zu multiperspektivischem Denken zu befähigen.
2. Das fachdidaktische Prinzip der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht
Klaus Bergmann definiert Multiperspektivität als eine Form der „Geschichts-Darstellung, bei der ein historischer Sachverhalt aus mehreren, mindestens zwei unterschiedlichen Perspektiven beteiligter und betroffener Zeitgenossen dargestellt wird, die verschiedene soziale Positionen und Interessen repräsentieren.“ Bodo von Borries erweiterte dann – um Verwechslungen zu vermeiden – den Begriff und schlägt vor, das Verständnis von Multiperspektivität in drei Ebenen aufzugliedern. Multiperspektivität umfasst nach Borries zunächst die Ebene des unmittelbaren Erlebens oder Wahrnehmens. Die von den Zeitgenossen hinterlassenen Quellen geben nicht das Geschehene, sondern die persönliche Ansicht des Verfassers wider. Die zweite Ebene beinhaltet die nachträgliche Deutung der innerhalb der ersten Ebene entstanden Geschichtszeugnisse. Dabei ist jede Geschichtsbetrachtung, sei es durch den Historiker, Schüler oder den Stammtischteilnehmer, mit einzubeziehen. Deren Darstellungen von Geschichte oder historischen Perspektiven sollen als Kontroversität bezeichnet werden. Diese Betrachtungen historischer Sachverhalte führen, wenn diese im Wiederspruch zueinander stehen und zum Bilden unterschiedlicher Interpretationen anregen, zu Pluralität.
Die lernpsychologischen Untersuchungen von Robert L. Selman haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche bestimmte Lernalter erleben. Interessant für diese Arbeit sind dabei die vier Stufungen nach Selman, welche dieser nach Lebensalter und möglichen Kompetenzen einteilt. Er kommt zu dem Schluss, dass sich Lebensalter und Lernalter beeinflussen können, sich aber voneinander getrennt entwickeln. In der 3. und 4. Lernstufe (ca.: 10-13 Jahre) erlenen Kinder zum Beispiel die wechselseitige Perspektivübernahme und das Interpretieren von Handlungen anderer Menschen. Vor allem der zweite Aspekt bezieht sich auf die Handelnden und deren durch Erwartungen geprägte Gesellschaft. Für das Unterrichtsprinzip der Multiperspektivität sind diese Lernstufen und die hier entwickelbaren Kompetenzen von enormer Wichtigkeit.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit des multiperspektivischen Unterrichts, um ein festgefahrenes, monoperspektivisches Geschichtsbild bei Schülern aufzubrechen und ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu fördern.
2. Das fachdidaktische Prinzip der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Multiperspektivität, erläutert die Bedeutung für demokratische Werte und diskutiert psychologische Lernvoraussetzungen sowie methodische Herausforderungen in der 6. Klasse.
3. Planung eines mehrperspektivischen Geschichtsunterrichts am Beispiel des Lernbereichs 5 der 6. Klasse: Das Kapitel beschreibt die Lerngruppen, die didaktische Einordnung in den Lehrplan, die Sachanalyse sowie die Lernziele und die Gesamtplanung für die Unterrichtseinheit "Freiheit und Unfreiheit".
4. Darstellung ausgewählter multiperspektivischer Unterrichtssequenzen: Hier werden beispielhafte Stundenverläufe zur Einführung, zu "Wege in die Unfreiheit", zum Leben der Bauern und zum Rollenspiel detailliert dargestellt und reflektiert.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht ein Fazit über die Wirksamkeit der gewählten Methoden und bestätigt die Eignung des multiperspektivischen Prinzips, mahnt jedoch eine behutsame Heranführung der Schüler an.
Multiperspektivität, Geschichtsunterricht, Perspektiveneinsicht, Quellenanalyse, Freiheit, Unfreiheit, Mittelalter, Landbevölkerung, Rollenspiel, Handlungsorientierung, Geschichtsbewusstsein, Historisches Lernen, Kontroversität, Bildinterpretation, Demokratieerziehung
Die Arbeit beschäftigt sich mit der praktischen Umsetzung des fachdidaktischen Prinzips der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht der 6. Klasse, um ein kritisches Geschichtsverständnis zu entwickeln.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung multiperspektivischen Lernens, die methodische Gestaltung von Unterrichtssequenzen und die exemplarische Behandlung des Lernbereichs "Freiheit und Unfreiheit in der Geschichte" am Beispiel der mittelalterlichen Landbevölkerung.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, welche Methoden effektiv dazu beitragen, bei Schülern der 6. Klasse multiperspektivische Sichtweisen auf historische Sachverhalte und Quellen zu fördern.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Reflexion mit einer praxisbezogenen Untersuchung (Unterrichtsentwurf und Evaluation) in Form von Aktionsforschung in zwei 6. Klassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die konkrete didaktische Planung des Lernbereichs sowie die ausführliche Darstellung und Reflexion einzelner Unterrichtssequenzen, unter anderem durch Bildcollagen, Textanalysen und Rollenspiele.
Wichtige Begriffe sind Multiperspektivität, Geschichtsdidaktik, Quellenkritik, Perspektiveneinsicht, Handlungsorientierung und Empathie.
Das Thema ermöglicht einen lebensnahen Zugang zu historischen Konflikten und bietet ideale Anknüpfungspunkte, um anhand der Perspektiven von Bauern und Grundherren unterschiedliche Sichtweisen auf Abhängigkeit und Unterdrückung zu erarbeiten.
Das Rollenspiel dient dazu, Schüler empathisch in historische Rollen (z. B. Bauer oder Grundherr) schlüpfen zu lassen, um aufeinanderstoßende Interessen zu begreifen und Perspektivenübernahme aktiv zu trainieren.
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