Masterarbeit, 2011
78 Seiten
1. Zum Reisebericht
1.1. Versuch einer Begriffsbestimmung
1.2. Anfänge und Entwicklung des Reiseberichts
1.3. Der Reisebericht über Marokko im 19. Jahrhundert
2. Zum Marokkobild im deutschsprachigen Raum
2.1. Orientalismus und Araberbild
2.2. Inhaltliche Verarbeitung Marokkos am Beispiel von Städten
3. Zur Gründungsgeschichte der Stadt Fes
3.1. Geschichte der Bezeichnung „Fes“
3.2. Die Gründung der Stadt
4. Zur Lage und landschaftlichen Umgebung
4.1. Die geographische Lage
4.2. Die landschaftliche Umgebung
4.3. Der Wasserreichtum in Fes
5. Zur Baustruktur und Stadtteilung
5.1. Die Stadtteilung in Alt- und Neu-Fes
5.2. Die Baustruktur
5.2.1. Die Stadtmauer
5.2.2. Die Stadttore
5.2.3. Die Wege, Gassen und Straßen
5.2.4. Die Stadtviertel
5.2.5. Die Häuser
6. Zu den weiteren Bauten der Stadt
6.1. Die Moscheen
6.1.1. Al-Qarawiyyin-Moschee
6.1.2. Das Mausoleum Moulay Idris II.
6.2. Die Schulen
6.3. Die Bazare
7. Zur Stadtbevölkerung von Fes
7.1. Die Araber
7.2. Die arabische Frau
7.3. Die Juden
8. Zur Wirtschaft der Stadt
8.1. Die Industrie
8.2. Der Handel
Diese Masterarbeit analysiert die Wahrnehmung und Darstellung der marokkanischen Königsstadt Fes in ausgewählten deutschsprachigen Reiseberichten zwischen 1873 und 1911. Ziel ist es, das durch die Autoren vermittelte Bild der Stadt, ihrer Architektur, Bewohner und wirtschaftlichen Verhältnisse im Kontext des kolonialen und imperialistischen Zeitgeistes aufzuzeigen.
4.3. Der Wasserreichtum in Fes
Wie schon aus vorigen Zitaten zu entnehmen ist, war die Fülle klaren Wassers einer der Hauptfaktoren, die Fes von anderen berühmten alten Städten unterscheidet. Dieser enorme Wasserreichtum der Stadt war das, was den Fremden bei Fes zunächst auffiel und somit in vielen Reiseberichten hervorgehoben wurde.
Zabel merkte: „Die Gegend ist hier außerordentlich quellenreich. Von allen Seiten her sickert das Wasser aus dem Boden heraus und strömt in Wasserfällen dem rauschenden Flusse zu.“ Das war genauso der Fall bei Horowitz, der auch diesen Wasserreichtum betonte: „Die Stadt Fez ist überaus wasserreich.“ Die Hauptquelle dieses Gewässers kommt aus dem Fluss Ouad-Fes.
Die vom Atlas herabströmenden Gewässer bilden in ihr einen bedeutenden Bach oder Fluss, den Ouad Fas, welcher, nachdem er die Ebene in ihrer ganzen Länge durchströmt hat, an der Stelle, wo jetzt Fez liegt, sich früher in Cascaden nach dem etwa 7 km. entfernten Fluss Sebu hinabstürzte.
Dies hat auch Pietsch bestätigt, der nach seinen eigenen Beobachtungen keinen Zweifel daran ließ, dass der Fluss Ouad-Fes die ganze Stadt reichlich bewässere, ihre Brunnen und Kanäle speise und prächtigste Kaskaden bilde. Pietsch hielt es sogar für wichtig und notwendig, den Fluss geographisch und topographisch zu studieren. Er bedauerte jedoch, dass seine Expedition keine einzige Person zu diesem Fluss gesendet hatte, um diesen zu erforschen. „Bedauerlich und eigentlich unerklärbar ist es, dass der Gesandtschaft nicht ein einziger Generalstabsoffizier beigegeben wurde. Ein solcher hätte hier mit einigen Terrainaufnahmen und Messungen ein für die geographische Wissenschaft wahrhaft nützliches Werk ausführen können.“
1. Zum Reisebericht: Erörterung der gattungsspezifischen Merkmale und der historischen Entwicklung des Reiseberichts im 19. Jahrhundert.
2. Zum Marokkobild im deutschsprachigen Raum: Analyse der theoretischen Grundlagen des Orientalismus und der Wahrnehmung Marokkos durch deutschsprachige Reisende.
3. Zur Gründungsgeschichte der Stadt Fes: Untersuchung der verschiedenen Überlieferungen zur Namensgebung und zum historischen Gründungsdatum der Stadt.
4. Zur Lage und landschaftlichen Umgebung: Beschreibung der topographischen Einbettung von Fes und die hervorgehobene Rolle des Wasserreichtums.
5. Zur Baustruktur und Stadtteilung: Analyse der administrativen und physischen Zweiteilung in Alt- und Neu-Fes sowie der baulichen Besonderheiten wie Stadtmauer und Wohnarchitektur.
6. Zu den weiteren Bauten der Stadt: Darstellung bedeutender öffentlicher Gebäude, insbesondere Moscheen, Bildungseinrichtungen und Bazare.
7. Zur Stadtbevölkerung von Fes: Ethnographische Betrachtung der verschiedenen sozialen Gruppen, ihrer sozialen Stellung und Bräuche.
8. Zur Wirtschaft der Stadt: Dokumentation der industriellen Leistungsfähigkeit und der Bedeutung von Handel und Kreditwesen.
Fes, Reiseberichte, Marokko, Orientalismus, Stadtgeschichte, Architektur, Stadtstruktur, Wasserreichtum, Bevölkerung, Soziokultur, Handwerk, Handel, Kolonialismus, 19. Jahrhundert, Reisekultur
Die Arbeit untersucht die Wahrnehmung der marokkanischen Stadt Fes durch deutschsprachige Reisende und Schriftsteller im Zeitraum von 1873 bis 1911.
Die Schwerpunkte liegen auf der städtischen Architektur, dem Sozialgefüge der Bevölkerung sowie der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt, eingebettet in den Kontext der Reiseliteratur jener Zeit.
Das Ziel ist die Analyse und Darstellung eines authentischen "Bildes von Fes" aus der Perspektive zeitgenössischer deutscher Reisender, um so das kulturelle Verständnis und die Wahrnehmung des Fremden zu beleuchten.
Die Arbeit basiert primär auf der literaturwissenschaftlichen Analyse und Auswertung von fünf zentralen, chronologisch geordneten Reiseberichten, ergänzt durch weitere relevante Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in Themen wie die Gründungsgeschichte, die geographische Lage, die bauliche Struktur mit ihren Stadtteilen, religiöse Gebäude sowie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die Wirtschaft.
Wichtige Begriffe sind Fes, Reiseberichte, Marokko, Orientalismus, Architektur, soziale Struktur und wirtschaftliche Vernetzung.
Die Autoren beschreiben die arabische Frau als weitgehend vom öffentlichen Leben abgeschottet, wobei Lenz insbesondere das islamische Familienrecht und die Auswirkungen der Polygamie kritisch hinterfragt.
Die Reisenden beschreiben eine ambivalente Situation: Einerseits waren die Juden gesellschaftlich benachteiligt und unterdrückt, andererseits spielten sie als Vermittler, Händler und Finanzexperten eine unverzichtbare wirtschaftliche Rolle.
Die Berichte zeichnen einheitlich ein Bild des Verfalls, wobei die marokkanische Regierung für die fehlende Instandhaltung kritisiert wird, während gleichzeitig die Bedeutung der Wassererosion hervorgehoben wird.
Der Zutritt war religiös motiviert streng verboten, da die Moscheen als heilige Orte des Islam galten, die für "Ungläubige" tabu waren – was bei einigen Reisenden zu Frustration über die verwehrte Einsicht führte.
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