Abschlussarbeit, 2021
33 Seiten
1.Prolog
2.Arbeitskonzept und Einleitung
3.Drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie. Ein ideengeschichtlicher Rahmen für die Analyse
3.1. Nicht-direktive Phase
3.2.Klientenzentrierte Phase
3.3 Personzentrierte Phase
4.Analyse
4.1 Wertschätzung in der nicht direktiven Phase
4.2 Wertschätzung in der klientenzentrierten Phase - Entwicklung der unbedingte positiven Beachtung
4.2.1 Wertschätzung in der Klientenzentrierten Psychotherapie bis 1951
4.2.2 Wertschätzung in der klientenzentrierten Phase als unbedingte positive Beachtung nach 1951
4.3 Wertschätzung in der personzentrierten Phase
5.Fazit und Diskussion
Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Abschlussarbeit besteht darin, die Genese und den Bedeutungswandel der therapeutischen Bedingung der Wertschätzung über die drei Entwicklungsphasen der Rogerianischen Psychotherapie hinweg hermeneutisch nachzuzeichnen. Die leitenden Forschungsfragen untersuchen, welche charakteristischen Merkmale die drei Phasen des Rogerianischen Ansatzes aufweisen und wie sich das theoretische Verständnis sowie die praktische Funktion von Wertschätzung von den 1940er-Jahren bis hin zur personzentrierten Phase verändert und ausdifferenziert haben.
4.2.1 Wertschätzung in der Klientenzentrierten Psychotherapie bis 1951
Das Kapitel, Der Prozess der Therapie (Rogers 1951a/2021, S.131–186) beginnt mit umfassenden Forschungsergebnissen, die den Prozess der Therapie bzw. die Veränderungen beim Klienten hinreichend belegen. So halbieren sich etwa gegen Ende der Therapie die negativen Gefühle gegenüber dem Selbst, die positiven Selbstbezüge verdoppeln sich in etwa. Inhalte zum Thema Zukunftspläne sowie die Gedanken, die mit der ‚Einsicht in das Selbst‘ operationalisiert werden konnten, verdreifachen sich (ebd. S.132). Für die Wertschätzung interessant ist, dass im Verlauf des therapeutischen Prozesses insgesamt eine wachsende Tendenz hin zu der Akzeptierung des Selbst festgestellt wurde.
Die belegte Veränderung im Prozess bezieht sich hier auf die Wertschätzung des Klienten sich selbst gegenüber. Die grundlegendste Veränderung, gibt Rogers (1951a/2021, S.137) an, findet wahrscheinlich darin statt, das sich der Klient selbst anders wahrnimmt. Dass die Akzeptierung des Selbst durch die Wertschätzung des Therapeuten gefördert wird, wurde bereits in der nicht-direktiven Phase festgehalten. Wie sich das Anerkennen und Akzeptieren an dieser Stelle auswirkt beschreibt Rogers sinngemäß folgenderweise: In einer Atmosphäre der Sicherheit, in der reife Einstellungen sowie auch mehr oder weniger vage Wahrnehmungen von Widersprüchen gleichermaßen akzeptiert werden, entspannen sich die festen Grenzen der Selbstorganisation. Hier ist es vielleicht zum ersten Mal möglich widersprüchliche Erfahrungen zu betrachten und in die Selbststruktur zu integrieren. Das ist in der Tat bedrohlich und vorübergehend zieht sich das Selbst häufig in seine frühere gewohnte Struktur zurück bevor es langsam und vorsichtig, diese widersprüchlichen Erfahrungen in eine neue und revidierte Struktur aufnimmt. Es ist ein Prozess der Desorganisation und der Reorganisation.
Die Akzeptanz in der therapeutischen Beziehung erweist sich offenbar als zentrale Bedingung für die therapeutische Veränderung. Interessant ist hier die Wirkungsweise der Wertschätzung des Therapeuten bzw. der therapeutischen Beziehung. Dabei entspannt sich offenbar die Selbststruktur des Klienten und ermöglicht so die Integration von neuen bzw. bisher noch nicht wahrgenommenen Aspekten des Selbst. Durch Achtung und Akzeptanz wird eine Veränderung der Werte des Selbst ermöglicht.
1.Prolog: Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen und Lernprozesse während der Psychotherapieausbildung und begründet seine Schwerpunktsetzung auf die therapeutische Haltung der Wertschätzung.
2.Arbeitskonzept und Einleitung: Dieses Kapitel führt in den terminologischen Rahmen rund um das Konzept der Wertschätzung ein, skizziert dessen Relevanz in der aktuellen Fachliteratur und formuliert die beiden forschungsleitenden Fragestellungen.
3.Drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie. Ein ideengeschichtlicher Rahmen für die Analyse: Das Kapitel strukturiert die Entwicklung der Schule historisch in die nicht-direktive, die klientenzentrierte und die personzentrierte Phase und erläutert zentrale theoretische Modelle wie die Aktualisierungstendenz, die 19 Thesen zur Persönlichkeitstheorie sowie die notwendigen und hinreichenden Bedingungen.
4.Analyse: Anhand dreier Hauptwerke von Carl Rogers wird detailliert analysiert, wie sich Begriff, Stellenwert und Funktion der Wertschätzung über die Jahrzehnte von der nicht-direktiven Beratung bis hin zur Haltung der Echtheit und unbedingten Beachtung gewandelt haben.
5.Fazit und Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst den Entwicklungsbogen der Wertschätzung zusammen, ordnet deren Rolle als zentralen heilenden Faktor ein und diskutiert das Spannungsverhältnis zwischen klassischen und postklassischen Ansätzen in der gegenwärtigen Psychotherapielandschaft.
Wertschätzung, Unbedingte positive Beachtung, Carl Rogers, Personzentrierte Psychotherapie, Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Nicht-Direktivität, Kongruenz, Empathie, Selbstkonzept, Aktualisierungstendenz, Inkongruenz, Stanley W. Standal, Positive Selbstbeachtung, Beziehungserfahrung, Humanistische Psychologie
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte und den theoretischen Perspektiven der Wertschätzung innerhalb der drei historischen Hauptphasen der Rogerianischen Psychotherapie.
Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die Differenzierung der drei Phasen Rogerianischer Therapie, Rogers’ Persönlichkeits- und Inkongruenztheorie, die sechs notwendigen und hinreichenden Bedingungen sowie der Wandel der Wertschätzung von einer Beziehungsstruktur hin zu einem heilenden Wirkfaktor.
Die Untersuchung analysiert erstens die charakteristischen Merkmale der drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie und zweitens, wie sich das Verständnis und die Bedeutung von Wertschätzung über diese Phasen hinweg gewandelt haben.
Die Arbeit stützt sich methodisch auf eine systematisch-hermeneutische Literaturanalyse dreier ausgewählter Standardwerke von Carl Rogers aus den Jahren 1942, 1951 und 1961 sowie relevanter Sekundärliteratur.
Im Hauptteil wird die Wertschätzung separat für jede der drei Phasen analysiert: zunächst als gewährende und strukturierte Haltung (1942), anschließend als prozesshafte unbedingte positive Beachtung und Befriedigung eines existenziellen Bedürfnisses (1951/1954) sowie schließlich im Verbund mit therapeutischer Echtheit und Beziehungswärme (1961).
Prägende Fachbegriffe sind Wertschätzung, unbedingte positive Beachtung, positive Selbstbeachtung, Inkongruenz, Aktualisierungstendenz, Kongruenz und Empathie.
Standal entwickelte in seiner Dissertation von 1954 das Konzept der „unbedingten positiven Beachtung“ (unconditional positive regard) sowie die Hypothese zum Bedürfnis nach positiver Beachtung und Selbstbeachtung, was Rogers ab 1957 direkt in seine Therapietheorie übernahm.
In der personzentrierten Spätphase betont Rogers, dass Echtheit bzw. Kongruenz die grundlegendste Bedingung darstellt, da Wertschätzung und Einfühlung für den Klienten nur dann entwicklungsfördernd wirken, wenn sie vom Therapeuten vollkommen aufrichtig und ohne Fassade empfunden werden.
Klassische Zugänge stellen die therapeutische Beziehung und die unbedingte positive Beachtung als hinreichenden Heilungsfaktor in das Zentrum, während neuere postklassische Richtungen (wie z. B. emotionsfokussierte Therapien) zusätzliche theoriespezifische Interventionen betonen, wodurch die Wertschätzung mitunter in den Hintergrund rückt.
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