Magisterarbeit, 2010
127 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Ein Befreiungskrieg der Fürsten?
1.1 Preußens zerstörtes Selbstbewusstsein
1.1.1 Wandel der Loyalität: Die Konvention von Tauroggen
1.1.2 Friedrich Wilhelm III. – Preußens zaudernder Monarch
1.2 Der umworbene Bündnispartner Österreich
1.3 Die neue Souveränität der Rheinbundstaaten von Napoleons Gnaden
2. Ein Freiheitskrieg der Patrioten?
2.1 Preußisch-Deutsche Patrioten
2.1.1 Konstruktion des deutschen Nationalcharakters
2.1.2 Die deutsche Öffentlichkeit
2.1.2.1 Propaganda und Presse
2.1.2.2 Das Komitee für deutsche Angelegenheiten und die Deutsche Legion
2.1.3 Das Militär – Die Schule der Nation
2.1.3.1 Demokratisierung des Heeres
2.1.3.2 Die Freiwilligenverbände
2.1.4 Patriotische Frauen
2.2 Das Volkstum der Deutsch-Österreicher
2.3 Bürgerlicher Rheinbundpatriotismus
3. Ein Volkskrieg der Armen?
3.1 Preußen und Norddeutschland
3.1.1 Wandel der bestehenden Ordnung und wirtschaftlicher Niedergang
3.1.2 Kollektive Spendenbereitschaft und Gotteserfahrung
3.2 Die süddeutschen Reformstaaten
3.3 Die napoleonischen Modellstaaten
3.4 Die Sozialdisziplinierung der linksrheinischen Gebiete
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Jahr 1813 als "Wendejahr" der deutschen Geschichte und hinterfragt kritisch, ob es sich dabei um einen Befreiungskrieg der Fürsten, der Patrioten oder der Armen handelte. Im Fokus steht die Analyse der unterschiedlichen Motive, sozialen Trägerschichten und regionalen Besonderheiten bei der Herausbildung einer deutschen Nationalbewegung im Kontext der napoleonischen Hegemonie.
Wandel der Loyalität: Die Konvention von Tauroggen
König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) hatte unter der Regierung Hardenberg eine pro-französische diplomatische Ausrichtung eingenommen. Wenn auch nur widerwillig, mussten er und seine Berater sich eingestehen, dass das Königreich Preußen nur noch von Napoleons Gnaden existierte. Als sich abzeichnete, dass Napoleon die Kontinentalsperre gegen Russland notfalls durch einen Kriegszug gegen Russland durchsetzen wollte, stand Preußen vor der Entscheidung auf welcher Seite es stehen sollte. Friedrich Wilhelm III. entschloss sich für das vermeintlich kleinere Übel und wählte die Allianz mit Frankreich.
Daraufhin quittierten etwa 500 preußische Offiziere – ungefähr ein Viertel – ihren Dienst und traten in fremde Dienste ein. Boyen und Clausewitz gingen nach Russland. Nipperdey spricht von einem umstürzenden „Wandel der Loyalität: nicht mehr König, sondern [...] Vaterland und Nation [...] bestimmte das Pflichtgefühl.“ Es kam zu einem Wechsel von der dynastischen zur nationalen Legitimation. Andere Offiziere, so z. B. General Yorck, verblieben im preußischen Dienst, waren jedoch antifranzösisch eingestellt. Mit der Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812 leitete General Yorck eigenmächtig den Bündnisbruch mit Frankreich ein.
General Johann David Graf Yorck von Wartenburg (1759-1830), der den Rückzug des preußischen Hilfskorps nach dem gescheiterten Russlandfeldzug organisierte, stand unter dem unmittelbaren Eindruck der Niederlage Napoleons. Als sich günstige Umstände anboten, nutzte er eigenmächtig die Chance, ein Abkommen mit Russland abzuschließen und das Bündnis mit Frankreich zu lösen. Die Konvention von Tauroggen leitete den Wechsel in der Diplomatie Preußens ein.
Ein Befreiungskrieg der Fürsten?: Beleuchtet den diplomatischen Umbruch Preußens von der Allianz mit Frankreich zur Abkehr unter Yorck und die Rolle der Monarchie.
Ein Freiheitskrieg der Patrioten?: Analysiert die Konstruktion des deutschen Nationalcharakters und die Rolle von Öffentlichkeit, Militärreformen und patriotischen Frauen.
Ein Volkskrieg der Armen?: Untersucht die sozialen Nöte, wirtschaftlichen Auswirkungen der napoleonischen Herrschaft und die Reaktionen der Bevölkerung in verschiedenen deutschen Regionen.
1813, Befreiungskriege, Preußen, Napoleon, Tauroggen, Nationalbewegung, Patriotismus, Rheinbund, Kontinentalsperre, Sozialgeschichte, Reformen, Bürgertum, Fremdherrschaft, Nationalcharakter
Die Arbeit analysiert das Jahr 1813 als entscheidendes Wendejahr der deutschen Geschichte und prüft die verschiedenen Facetten und Deutungen der damaligen Ereignisse.
Die Themenfelder umfassen die diplomatischen Verwicklungen der Großmächte, die ideologische Konstruktion einer deutschen Identität sowie die sozioökonomische Lage der Bevölkerung unter der napoleonischen Herrschaft.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wer die Trägerschicht der deutschen Nationalbewegung bildete und inwieweit diese bereits 1813 als solche erkennbar war.
Es wird ein historischer Querschnitt vorgenommen, der territoriale Unterschiede und verschiedene soziale Schichten einbezieht, um ein differenziertes Bild der Zeit zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Perspektiven: den Krieg der Fürsten (Diplomatie), den Krieg der Patrioten (Ideologie/Patriotismus) und den Krieg der Armen (soziale Auswirkungen/Widerstand).
Wichtige Begriffe sind insbesondere Befreiungskriege, 1813, nationale Identität, Kontinentalsperre und der Wandel der Loyalitäten im frühneuzeitlichen Europa.
Die Konvention wird als Wendepunkt der preußischen Diplomatie hervorgehoben, der den Bündnisbruch mit Frankreich einleitete und den Übergang von dynastischer zu nationaler Legitimation markierte.
Die Arbeit thematisiert die zunehmende Politisierung von Frauen durch patriotische Vereine und deren Rolle bei der materiellen und ideellen Unterstützung des Krieges.
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