Bachelorarbeit, 2025
77 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Methodisches Vorgehen
2. Definition und Abgrenzung des Themas
2.1. Begriffliche und soziologische Perspektiven auf Familie
2.2. Begriffsdefinition sozial benachteiligte Familien
2.3. Geschlechterrollen im Haushalt: Normative Ordnungen und strukturelle Determinanten
2.3.1. Geschlechterrollen und ihre historische Entwicklung
2.3.2. Geschlechterrollen in Haushalten heute
2.4. Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung
2.4.1. Der Unterschied zwischen normalem Verhältnis und den „atypischen“ Beschäftigungsformen
2.4.2. Prekarisierung
2.5. Sozial benachteiligte Haushalte und Armut
3. Theorien zu ökonomischer Unsicherheit und Geschlechterrollen
3.1. Sozialisationstheorie und Geschlechterrollen
3.2. Feministische Ökonomie und Care-Arbeit
3.3. Gendered Precarity
3.4. Masculine Gender Role Stress
3.5. Der Lebenslagenansatz im Kontext benachteiligter Familien
3.6. Intersektionalität als Analyserahmen
3.6.1. Prekäre Beschäftigung und intersektionale Benachteiligung
3.6.2. Arbeitslosigkeit und strukturelle Barrieren
3.6.3. Geschlechterrollen in der Familie
3.6.4. Kritische Perspektiven und Lösungsansätze
4. Zwischenfazit
5. Der Zusammenhang zwischen ökonomischer Unsicherheit und Rollenverteilung
5.1. Arbeitslosigkeit und geschlechterspezifische Rollenverteilung
5.1.1. Bedeutung für die männliche Ernährerrolle
5.1.2. Bedeutung für die ökonomische Verantwortung von Frauen
5.1.3. Psychosoziale Auswirkungen auf Männer und Frauen
5.1.4. Auswirkungen auf die Kinder (Vererbbarkeit)
5.2. Prekäre Beschäftigung und weibliche Erwerbsarbeit
5.3. Gläserne Decke und Gender Pay Gap
5.4. Folgen für Familienstrukturen und Partnerschaftsdynamiken
6. Soziale Arbeit im Spannungsfeld von Geschlechterrollen und ökonomischer Unsicherheit
6.1. Relevanz für die Soziale Arbeit
6.2. Herausforderungen in der Praxis
6.3. Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte
6.3.1. Lebensweltorientierte Fallarbeit
6.3.2. Empowerment - Selbstbestimmung fördern und Strukturen hinterfragen
6.3.3. Intersektionale Perspektiven einnehmen
6.3.4. Soziale Netzwerke aktivieren
6.3.5. Institutionelle Kooperation und politische Verantwortung
6.3.6. Kritische Selbstreflexion und Supervision
7. Fazit
7.1. Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse
7.2. Beantwortung der Forschungsfrage
7.3. Forschungsbedarf für zukünftige Studien
Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Untersuchung besteht darin zu analysieren, in welcher Weise ökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse die Gestaltung und Verteilung von Geschlechterrollen in sozial benachteiligten Familien beeinflussen. Dabei geht die Arbeit der leitenden Forschungsfrage nach, wie materielle Instabilität bestehende Rollenmuster verfestigt oder transformiert, welche psychosozialen Belastungen hieraus für Männer, Frauen und Kinder resultieren und welche Handlungskonzepte die Profession der Sozialen Arbeit benötigt, um Betroffene nachhaltig zu stärken und strukturellen Ungleichheiten wirksam zu begegnen.
Geschlechterrollen im Haushalt: Normative Ordnungen und strukturelle Determinanten
In den letzten Jahrzehnten hat sich die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in Haushalten deutlich gewandelt. Frauen sind heute häufiger erwerbstätig, Väter beteiligen sich zunehmend an der Kindererziehung, und das Ideal der gleichberechtigten Partnerschaft gewinnt gesellschaftlich an Bedeutung. Dennoch prägen Geschlechterrollen nach wie vor die Arbeitsteilung und Dynamik in vielen Familien. Trotz gesetzlicher Gleichstellung und veränderter gesellschaftlicher Leitbilder bestehen weiterhin tief verwurzelte Rollenerwartungen, die das Verhalten von Männern und Frauen im familiären Alltag maßgeblich beeinflussen (vgl. Jurczyk, 2014, S. 58).
Dieser Abschnitt untersucht, wie gesellschaftliche Normen, persönliche Einstellungen und institutionelle Strukturen zusammenwirken und die Aufgabenverteilung innerhalb von Familien prägen. Dabei beeinflussen tief verankerte kulturelle Vorstellungen davon, was als männlich oder weiblich gilt, häufig unbewusst, wie Verantwortung im Alltag zwischen den Geschlechtern aufgeteilt wird. Forschungsergebnisse zeigen, dass unbezahlte Sorgearbeit, wie etwa Kinderbetreuung und Hausarbeit, auch heute noch zum Großteil von Frauen geleistet wird, selbst wenn beide Partner:innen berufstätig sind.
Darüber hinaus spielen strukturelle Faktoren wie das Steuer- und Sozialversicherungssystem, das Betreuungsangebot, Erwerbschancen sowie die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern eine zentrale Rolle bei der Gestaltung innerfamiliärer Rollenverhältnisse. Das Ehegattensplitting im deutschen Steuersystem beispielsweise schafft finanzielle Anreize für Einverdiener- oder Zuverdiener-Modelle, was sich insbesondere in einkommensschwachen Haushalten negativ auf die Erwerbstätigkeit von Frauen auswirken kann (ebd.). Auch politisch geförderte Maßnahmen wie das Elterngeld oder die Elternzeit werden trotz ihrer Gleichstellungsziele häufiger von Frauen als von Männern in Anspruch genommen, was auf kulturell geprägte Normen und betriebliche Hürden zurückgeführt werden kann (Geisler & Kreyenfeld, 2011, S. 88ff.).
Besonders in ökonomisch belasteten Haushalten kann dies dazu führen, dass traditionelle Muster trotz moderner Gleichstellungsideale weiterhin bestehen bleiben oder sogar verstärkt werden. Denn ökonomische Unsicherheit schränkt häufig die Handlungsspielräume beider Geschlechter ein, sodass sich bestehende Rollenarrangements verfestigen, anstatt sich zu öffnen. Die Frage, wie sich gesellschaftlicher Wandel, individuelle Handlungsmotive und wirtschaftliche Zwänge gegenseitig beeinflussen, steht somit im Zentrum der Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen im familiären Kontext.
1. Einleitung: Das einleitende Kapitel führt anhand medialer Inszenierungen und empirischer Einkommensdaten in das Spannungsfeld tradierter Rollenmuster und ökonomischer Instabilität ein, formuliert die zentrale Forschungsfrage und beschreibt das methodische Vorgehen.
2. Definition und Abgrenzung des Themas: In diesem Kapitel werden grundlegende soziologische Begriffe wie Familie, soziale Benachteiligung, Geschlechterrollen sowie atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse systematisch definiert und im Hinblick auf Armutslagen differenziert.
3. Theorien zu ökonomischer Unsicherheit und Geschlechterrollen: Das Kapitel verknüpft interdisziplinäre theoretische Ansätze, darunter die Sozialisationstheorien von Mead, Habermas und Bourdieu, die feministische Ökonomie, Prekarisierungskonzepte, das Phänomen des Masculine Gender Role Stress sowie den Lebenslagen- und Intersektionalitätsansatz.
4. Zwischenfazit: Das Zwischenfazit bündelt die begrifflichen sowie theoretischen Grundlagen und verdeutlicht, wie gesellschaftliche Makrostrukturen und individuelle Handlungsspielräume miteinander verwoben sind, um die Basis für die nachfolgende Analyse zu bereiten.
5. Der Zusammenhang zwischen ökonomischer Unsicherheit und Rollenverteilung: Der Hauptteil analysiert detailliert, wie Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigung partnerschaftliche Machtgefüge verschieben, zu einer Retraditionalisierung führen, psychosoziale Krisen auslösen und über Generationen hinweg das Aufwachsen von Kindern prägen.
6. Soziale Arbeit im Spannungsfeld von Geschlechterrollen und ökonomischer Unsicherheit: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Erkenntnisse in die sozialarbeiterische Praxis, identifiziert institutionelle Barrieren und diskutiert konkrete Handlungsstrategien wie lebensweltorientierte Fallarbeit, Empowerment, Netzwerkarbeit und Supervision.
7. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammen, beantwortet die leitende Forschungsfrage pointiert und formuliert konkreten Bedarf für zukünftige wissenschaftliche Studien.
Geschlechterrollen, ökonomische Unsicherheit, Prekarisierung, Arbeitslosigkeit, Soziale Arbeit, Care-Arbeit, Ernährerrolle, Masculine Gender Role Stress, Intersektionalität, Lebenslagenansatz, soziale Benachteiligung, Habitus, Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Empowerment.
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Wechselverhältnis zwischen ökonomischer Instabilität – etwa bedingt durch Erwerbslosigkeit oder prekäre Arbeit – und der Ausgestaltung von Geschlechterrollen in sozial benachteiligten Haushalten.
Zu den thematischen Schwerpunkten zählen die geschlechtsspezifische innerfamiliäre Arbeitsteilung, Ursachen und Folgen von Armutslagen, psychosoziale Belastungen durch Rollenstress, gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen sowie professionelle Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit.
Die Forschungsfrage lautet: In welcher Weise beeinflussen ökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse die Gestaltung und Verteilung der Geschlechterrollen in sozial benachteiligten Familien? Das Ziel liegt darin, Mechanismen dieser Beeinflussung aufzudecken und praxisnahe Handlungsansätze für Fachkräfte zu entwickeln.
Es handelt sich um eine theorie- und literaturgestützte Sekundäranalyse, die interdisziplinäre soziologische, ökonomische und sozialpädagogische Fachliteratur, wissenschaftliche Studien sowie offizielle statistische Erhebungen systematisch zusammenführt.
Im Hauptteil wird dargelegt, wie der Verlust von Erwerbsarbeit oder der Zwang zu prekären Arbeitsformen partnerschaftliche Verhandlungsdynamiken beeinflusst, warum es krisenbedingt oft zu einer Retraditionalisierung kommt und welche Auswirkungen dies auf die Gesundheit der Partner sowie die Entwicklungschancen der Kinder hat.
Prägende Fachbegriffe sind unter anderem Geschlechterrollen, Prekarität, Care-Arbeit, Ernährerrolle, Masculine Gender Role Stress, Lebenslagenansatz, Habitus, Intersektionalität und Empowerment.
Das Konzept beschreibt den psychischen Stress und die Identitätskrisen von Männern, wenn sie gesellschaftlich tradierte Rollenerwartungen – wie die Funktion des ökonomischen Hauptversorgers – aufgrund von Erwerbslosigkeit oder Prekarität nicht mehr erfüllen können und dies als persönlichen Statusverlust erleben.
Weil materielle Not und fehlende Ressourcen (wie unzureichende Kinderbetreuungsangebote oder geringe Bildungschancen) den Handlungsspielraum verengen. Aus pragmatischer Notwendigkeit übernehmen Frauen vermehrt unbezahlte Sorgearbeit und Minijobs, während starre Rollenmuster Halt bieten, wodurch tradierte Hierarchien reaktiviert und verfestigt werden.
Empfohlen werden ein lebensweltorientierter und ressourcenbasierter Arbeitsansatz, die gezielte Aktivierung sozialer Netzwerke, intersektionale Fallanalysen, institutionelle Kooperationen, Supervision zur Vermeidung eigener Rollenprojektionen sowie politisches Engagement gegen strukturelle Barrieren.
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