Magisterarbeit, 2011
130 Seiten, Note: sehr gut (1,5)
1. Einleitung
2. Systematischer Problemaufriss: Ursachen schulischer Gewalt
3. Funktionen der Schule – Bildung und Erziehung in der allgemein bildenden Schule
4. Dimensionen moralischer Erziehung
5. Ausblick
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, schulische Gewalt durch eine Rückbesinnung auf den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule zu prävenieren und zu kompensieren, anstatt primär auf sanktionierende Maßnahmen zu setzen. Dabei wird kritisch beleuchtet, ob dies durch eine allgemeine fachliche Bildung gelingen kann.
2. Systematischer Problemaufriss: Ursachen schulischer Gewalt
Um die Komplexität der Ursachen schulischer Gewalt systematisch zu erfassen, bietet sich eine Analyse auf mehreren Ebenen an. Eine solche Analyse wird am besten gelingen, wenn dabei die Sozialisationstheorie des sozialökologischen Ansatzes zugrunde gelegt wird. Dieser Ansatz postuliert die Feststellung, dass jeder Mensch sich über die Auseinandersetzung mit der Umwelt die Rahmenbedingungen derselben zu eigen macht. Dabei entsteht eine interdependente Korrespondenz zwischen Mensch und Umwelt, wobei die Individuen Vorstellungen bezüglich ihrer Umwelt erwerben (vgl. ZIMMERMANN, 2006, S. 45).
Vor dem Hintergrund dieser sozialisatorischen Grundannahme erscheint es sinnvoll, die Darstellung der Ursachen schulischer Gewalt nicht ausschließlich am Merkmal der sozialen Schicht festzumachen. Denn der ausschließliche Rückgriff auf das klassische Schichtenmodell würde dem Leser fälschlicherweise den Eindruck vermitteln, dass ein Individuum lediglich durch seine Umwelt sozial determiniert wird, also ein passives Wesen darstellt, das eben nicht das Ziel verfolgt, die Gegebenheiten seiner Umwelt kognitiv zu realisieren. Die damit einhergehende überzogene Fokussierung auf berufsbezogene und ökonomische Aspekte der gesellschaftlichen Struktur kann die Entstehung von Gewalt in der Schule nicht hinreichend erklären (vgl. HOLTAPPELS u. a, 2009, S. 51 f).
Hinter der Fokussierung auf sozioökonomische Bedingungen steckt die Annahme, dass eine Korrelation zwischen der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen aus der Unterschicht und dem Auftreten von Gewalt im Kontext der Schule existiert. Diese Annahme muss teilweise in Frage gestellt werden, da die devianten Heranreifenden auch aus Familien der Mittelschicht und Oberschicht stammen (vgl. BÖHNISCH, 2010, S. 15).
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderung schulischer Gewalt und kritisiert die rein sanktionierende Reaktion des Lehrkörpers als langfristig unwirksam.
2. Systematischer Problemaufriss: Ursachen schulischer Gewalt: Dieses Kapitel analysiert Ursachen schulischer Gewalt aus einer sozialökologischen Perspektive und relativiert die alleinige Bedeutung sozioökonomischer Faktoren.
3. Funktionen der Schule – Bildung und Erziehung in der allgemein bildenden Schule: Hier wird untersucht, wie die Schule durch ihre originäre Funktion der Bildung und Erziehung gewaltpräventiv und kompensatorisch wirken kann.
4. Dimensionen moralischer Erziehung: Das Kapitel diskutiert die kognitive Entwicklungstheorie moralischer Urteile nach Lawrence Kohlberg und deren Anwendbarkeit im schulischen Unterricht.
5. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Reaktivierung des humanistischen Bildungsbegriffs zur Stärkung autonomer Persönlichkeiten.
Schulische Gewalt, Gewaltprävention, Moralerziehung, Bildung, Erziehung, Sozialisationstheorie, kognitive Entwicklungstheorie, Lawrence Kohlberg, schulisches Fehlverhalten, Werteerziehung, soziale Integration, Identitätsbildung, Schulpädagogik, Systemtheorie.
Die Arbeit analysiert die Ursachen schulischer Gewalt und untersucht, wie Schule durch ihren ureigenen Bildungs- und Erziehungsauftrag gewaltpräventiv wirken kann, anstatt sich auf bloße Sanktionen zu beschränken.
Zentrale Felder sind die Sozialisationstheorie, die verschiedenen Funktionen der Schule, die Bedeutung moralischer Erziehung im Unterricht und die Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen der Moralentwicklung.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Gewalt in der Schule durch eine auf Bildung ausgerichtete Förderung der moralischen Urteilsfähigkeit und Autonomie der Schüler mittelbar zurückgedrängt werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion erziehungswissenschaftlicher und soziologischer Fachliteratur, insbesondere unter Einbeziehung sozialökologischer Ansätze.
Der Hauptteil behandelt die Ursachen schulischer Gewalt, die bildungstheoretische Fundierung der Funktionen der Schule sowie eine kritische Diskussion der Kohlbergschen Moralentwicklungstheorie.
Die zentralen Schlagworte sind schulische Gewalt, Moralerziehung, Bildung, Sozialisation und Prävention.
Die Familie wird als zentrales Mikrosystem betrachtet, in dem frühkindliche Erfahrungen und Erziehungsstile die Basis für Empathie oder Aggressionsneigung legen, die dann in die Schule getragen werden.
Das Konzept wird kritisiert, da es vorwiegend auf fiktive Dilemmata setzt, die moralische Praxis nur unzureichend erfassen und eine kognitive Überforderung darstellen können, während emotionale Aspekte vernachlässigt werden.
Der Fachunterricht bietet zahlreiche inhaltliche Anknüpfungspunkte, um durch diskursive Auseinandersetzung ethische Reflexion und damit moralische Handlungskompetenz bei Schülern zu fördern.
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