Examensarbeit, 2006
125 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Friedrich I. Barbarossa und Karl der Große
2.1 Der Kultakt vom 29. Dezember 1165
2.2 Das Barbarossa-Privileg für die Stadt Aachen
2.3 Die Aachener Vita Karoli Magni
2.4 Saint-Denis und Westminster in ihrer Vorbildfunktion für Aachen
3. Politischer Kontext
3.1 Zur Politik Friedrich I. Barbarossas – ein kurzer Abriss
3.2 Papst Alexander III. und der kaiserliche Gegenpapst Paschalis
3.3 Der Würzburger Hoftag zu Pfingsten 1165
3.4 Zum Herrschaftsverständnis Friedrich I. Barbarossas
4. Mögliche Kritikpunkte an dem Kanonisationsverfahren Karls des Großen
4.1 Vorbemerkung
4.2 Was galt im Mittelalter als heilig?
4.3 Die besondere Entwicklung des Heiligsprechungsverfahren im Mittelalter
4.4 Besonderheiten bei der Kanonisation Karls des Großen
5. Otto III. und Karl der Große
5.1 Vorbemerkung
5.2 Graböffnung durch Otto III.
5.2.1 Vorgang der Graböffnung
5.2.2 Die Glaubwürdigkeit der Quellen
5.3 Plante Kaiser Otto III. eine Heiligsprechung Karl des Großen?
6. Zur politisch ideologisierten Figur Karls des Großen
6.1 Vorbemerkung
6.2 Leben und Wirken Karls des Großen – des ersten abendländische Kaisers
6.3 Karl der Große und Aachen
7. Die Intention Friedrich I. Barbarossas bezüglich der Kanonisation Kaisers Karls des Großen
7.1 Vorbemerkung
7.2 Karl der Große – ein Reichsheiliger?
7.3 Die Kanonisation Karls des Großen – ein Schlag gegen Frankreich?
7.4 Der Barbarossaleuchter
8. Karl der Große – ein unbekannter und/oder verkannter Heiliger?
9. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Motive der Kanonisation Karls des Großen durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1165. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern es sich um eine rein religiöse Verehrung handelte oder ob eine politische Instrumentalisierung der Herrscherfigur im Kontext des Konflikts mit dem Papsttum und dem französischen Königtum vorlag.
2. Friedrich I. Barbarossa und Karl der Große
Am 29. Dezember 1165 wurden die Heiligsprechung, die Elevation sowie die Translation Kaiser Karls des Großen durchgeführt. Dieser Tag war zudem der Tag, an dem das kirchliche Fest des König Davids begangen wurde, der – als Gesalbter des Herren und als der Stammvater Christi – ein Vorbild für die Verehrung schlechthin symbolisierte. Karl der Große hatte sich bereits mit diesem biblischen Idealkönig identifiziert. Dieser von Friedrich I. Barbarossa ausgewählte Sonntag, im Kirchenkalender Laetare, besitzt noch eine weitere, nicht zu vernachlässigende Bedeutung, da er zugleich auch Krönungstag des staufischen Kaisers gewesen ist.
Die Quellenlage bezüglich dieses Ereignisses ist als eher spärlich anzusehen. Es erscheint als merkwürdig, dass kein eigenständiger Bericht überliefert ist, der die Intention der Verbreitung dieser Heiligsprechung besitzt. Über den Verlauf, sowie die bei diesem Kanonisationsakt anwesenden Personen gibt vor allem ein bedeutendes diplomatisches Zeugnis Auskunft: das Barbarossaprivileg für die Stadt Aachen vom 8. Januar 1166, in dem die Heiligsprechung Karls des Großen bekannt gegeben wird.
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das hohe Ansehen Karls des Großen und formuliert die Forschungsfrage, welche Intentionen Friedrich I. Barbarossa mit dessen Heiligsprechung verfolgte.
2. Friedrich I. Barbarossa und Karl der Große: Dieses Kapitel analysiert den Kultakt von 1165, das Barbarossaprivileg für Aachen und die Rolle der Aachener Vita Karoli Magni im Vergleich zu Vorbildern wie Saint-Denis.
3. Politischer Kontext: Hier wird die Außenpolitik Barbarossas, insbesondere der Italienzug und das Schisma mit Papst Alexander III., als Rahmen für die Heiligsprechung dargestellt.
4. Mögliche Kritikpunkte an dem Kanonisationsverfahren Karls des Großen: Das Kapitel untersucht die mittelalterlichen Vorstellungen von Heiligkeit und die rechtlichen Aspekte der damaligen Heiligsprechungsverfahren.
5. Otto III. und Karl der Große: Es wird die Frage erörtert, ob bereits Kaiser Otto III. mit der Graböffnung im Jahr 1000 eine Heiligsprechung Karls des Großen beabsichtigte.
6. Zur politisch ideologisierten Figur Karls des Großen: Dieses Kapitel beleuchtet das Bild Karls des Großen als Sakralherrscher und seine Bedeutung für die Identität der staufischen Kaiser.
7. Die Intention Friedrich I. Barbarossas bezüglich der Kanonisation Kaisers Karls des Großen: Der Schwerpunkt liegt hier auf der politischen Instrumentalisierung Karls als "Reichsheiligem" und der staufischen Abgrenzung gegenüber Frankreich.
8. Karl der Große – ein unbekannter und/oder verkannter Heiliger?: Das Kapitel diskutiert, warum der Karlskult langfristig scheiterte und Karl primär als politisches Instrument wahrgenommen wurde.
9. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass die Heiligsprechung vor allem machtpolitische Ziele verfolgte und Karl als Symbolfigur für die staufischen Herrschaftsansprüche diente.
Friedrich I. Barbarossa, Karl der Große, Heiligsprechung, Kanonisation, Aachen, Staufer, Papstschisma, Otto III., imperium, sacerdotium, politische Instrumentalisierung, Reichsheiliger, Barbarossaprivileg, Vita Karoli Magni, Machtpolitik
Die Arbeit analysiert die Heiligsprechung Karls des Großen durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1165 und untersucht, ob religiöse oder machtpolitische Motive dabei im Vordergrund standen.
Die Themen umfassen die staufische Reichspolitik, das Verhältnis von Kaiser und Papst während des Schismas, die Rolle der Stadt Aachen und die symbolische Bedeutung Karls des Großen als sakraler Herrscher.
Ziel ist es, die Intentionen des Stauferkaisers Barbarossa bei der Kanonisation Karls des Großen zu dekonstruieren und die politische Instrumentalisierung dieser Handlung aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die Primärquellen (Diplome, Chroniken) kritisch interpretiert und in den zeitgenössischen politischen Kontext einbettet.
Der Hauptteil analysiert den Ablauf des Kultakts, die Rolle von Otto III., die politische Instrumentalisierung der Herrscherfigur und den Vergleich mit anderen europäischen Heiligsprechungen jener Zeit.
Zentrale Begriffe sind Barbarossa, Karl der Große, Kanonisation, Machtpolitik, Aachen, Reichsheiliger und Instrumentalisierung.
Dies unterstrich Barbarossas Unterstützung für den Gegenpapst und diente der Demonstration seiner kaiserlichen Autorität und Unabhängigkeit vom rechtmäßigen Papst Alexander III.
Aachen sollte als Hauptstadt des Reiches etabliert werden, legitimiert durch die Grabstätte des heiliggesprochenen Karls des Großen, um den Herrschaftsanspruch Barbarossas zu unterstreichen.
Die Arbeit diskutiert die Indizien für eine solche Absicht bei Otto III., kommt jedoch zu dem Schluss, dass ein solcher Plan historisch nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann.
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