Diplomarbeit, 2011
104 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Das hybride Subjekt
2.2 Das unternehmerische Selbst
2.3 Der neue Geist des Kapitalismus
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Genealogie der Subjektivierung
3.2 Elemente der Diskursanalyse
3.3 Grounded Theory
3.4 Die Analyseschritte
4. Das Untersuchungsmaterial
4.1 Geschichtliche Entwicklung der Studentenpresse
4.2 Studentenmagazine als Publikumszeitschriften
4.3 Wer spricht?
4.3.1 „Die Studentengeneration 2010“
4.3.2 „Volle Kraft in die Optimierungsfalle“
4.3.3 Studenten, Experten, Umfragen
5. Konturen der „Studenten von heute“
5.1 Grenzziehungen: Studenten als „Generation“
5.2 Ausgangsbedingungen: Bildungsreformen und globale Krisen
5.3 Befindlichkeiten und Handlungsprinzipien
5.3.1 Ängste und Sorgen
5.3.2 Individualismus und Konformität
5.3.4 Pragmatismus
5.3.5 Zusammenfassung
5.4 Handlungsfelder
5.4.1 Netzwerke
5.4.2 Proteste
5.4.3 Freiwilliges Engagement und unternehmerische Initiativen
5.5 Zusammenfassung der Analyseergebnisse
6. Das studentische Subjekt
6.1 Das studentische Subjekt als Individuum
6.2 Das studentische Subjekt als Projektarbeiter
6.2.1 Aktivität, grenzenlos
6.2.2 Flexibilität
6.3 Das studentische Subjekt als risikofreudiger Unternehmer
6.4 Das studentische Subjekt als Networker
6.5 Das studentische Subjekt als sich selbst entfaltendes Kreativsubjekt
6.6 Selbstoptimierung versus Selbstentfaltung: Fallbeispiel „Nina“
6.7 Das Anti-Subjekt
7. Studentenmagazine und Subjektordnungen
7.1 Sozialisation, Selbstverortung, Schemata
7.2 Das studentische Subjekt in Studentenmagazinen
8. Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht mithilfe einer qualitativen Analyse von Studentenmagazinen das massenmedial vermittelte Idealbild des „studentischen Subjekts“ in der Postmoderne. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Werte, Anforderungen und Handlungsstrategien in diesen Publikationen konstruiert werden und wie sie sich in moderne Subjektordnungen sowie rechtfertigungstheoretische Rahmen einordnen lassen.
6.2 Das studentische Subjekt als Projektarbeiter
Den Status einer verbindlichen Norm erlangte der Individualismus dadurch, dass der „neuen Geist des Kapitalismus“ spezifische Forderungen und Praktiken der Achtundsechziger bzw. der counter cultures der 1960er und 70er Jahre zu eigen machte und in Anforderungsprofile für Arbeitnehmer bzw. gängige Unternehmenspraxis umwandelte. Das Konzept des „Projekts“ ist für diese neuen Arbeitspraktiken wie auch für das Rechtfertigungsregime des neuen Geistes des Kapitalismus von zentraler Bedeutung.
Andreas Reckwitz beschreibt teamförmige Projekte innerhalb von Organisationen als wesentliches Strukturmerkmal post-bürokratischer Arbeits- und Organisationspraxis. Strikte Arbeitsteilung und hierarchische Koordination werden abgelöst durch die „selbstkontrollierte Bündelung eines ganzen Tätigkeitskomplexes 'in einer Hand'“. Im Projekt arbeiten unterschiedlich qualifizierte Arbeitssubjekte zeitlich befristet gemeinsam an der Lösung eines bestimmten Problems bzw. am Erstellen eines bestimmten Produkts. Die zielführende Arbeitsgestaltung inklusive ihrer zeitlichen und räumlichen Strukturierung hängt im Projekt letztlich von den Entscheidungen des Teams ab, obschon es mit anderen Projekten in kommunikativer Verbindung steht. Ebenso selbstverantwortlich arbeiten sogenannte „intrapreneurs“ als Quasi-Selbständige in der Organisation an ihren Projekten. (vgl Reckwitz 2006: 509ff). Anderer Stelle spricht Reckwitz von der „Projektförmigkeit“ diskontinuierlicher Lebensläufe (2006: 606), was darauf hinweist, dass sie nicht nur das „Arbeitssubjekt“, sondern das postmoderne Subjekt in allen seinen Praktiken betrifft. Diese Verallgemeinerung der Projektförmigkeit arbeiten Bröckling und mehr noch Boltanski und Chiapello detailliert heraus.
Bröckling ordnet „Projekte“ den Strategien und Programmen zu, die ein „unternehmerisches Selbst“ verfolgt und mit deren Hilfe es überhaupt erst hervorgebracht bzw. sich selbst hervorbringt. Seine Definition des „Projekts“ deckt sich zunächst mit der von Reckwitz: „Im Vordergrund steht [...] der Aspekt ein zeitlich befristetes, von einem Individuum oder einer überschaubaren Gruppe selbstverantwortlich zu bewältigende Aufgabe.“ (Bröckling 2007:257) Mit Verweis auf Boltanski und Chiapello betont er die Schlüsselstellung des „Projekt“ in der Arbeitswelt. Laut Boltanski und Chiapello ist das Projekt als Teil des „neuen Geistes des Kapitalismus“ aber nicht nur ein wichtiges Organisationsprinzip. Das Konzept des Projekts spielt darüber hinaus die entscheidende Rolle bei der Legitimation dieser „Rechtfertigungsordnung“ (vgl. Kapitel 2.3) als Ganze wie auch bei der Beurteilung der individuellen „Wertigkeit“ all derer, die in diese Ordnung integriert sind.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der studentischen Subjektkultur und Erläuterung der Relevanz von Studentenmagazinen als Untersuchungsgegenstand.
2. Theoretischer Rahmen: Darstellung der theoretischen Grundlagen durch Konzepte wie das „hybride Subjekt“, das „unternehmerische Selbst“ und den „neuen Geist des Kapitalismus“.
3. Methodisches Vorgehen: Beschreibung des forschungsmethodischen Ansatzes, der Genealogie der Subjektivierung, Diskursanalyse und Grounded Theory.
4. Das Untersuchungsmaterial: Historischer Abriss der Studentenpresse und Einführung in die untersuchten Publikumszeitschriften und deren inhaltliche Ausrichtung.
5. Konturen der „Studenten von heute“: Analyse der massenmedialen Konstruktion von Studenten, ihren Ängsten, Pragmatismus und Handlungsfeldern wie Netzwerken und Protesten.
6. Das studentische Subjekt: Synthese der verschiedenen Subjektmodelle, wie des Projektarbeiters, des risikofreudigen Unternehmers und des Kreativsubjekts, anhand konkreter Fallbeispiele.
7. Studentenmagazine und Subjektordnungen: Reflexion über die Rolle von Massenmedien bei der Sozialisation und der Reproduktion postmoderner Subjektkultur.
8. Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Skizzierung möglicher weiterführender Forschungsansätze.
Studentenmagazine, Subjektivierung, unternehmerisches Selbst, Projektförmigkeit, Postmoderne, Studenten von heute, Diskursanalyse, Grounded Theory, Selbstoptimierung, Bologna-Prozess, Prekarität, Generationenlabels, Studierendenpresse, Identitätskonstruktion, Handlungsfelder.
Die Arbeit untersucht, wie Studentenmagazine das Bild des heutigen Studierenden konstruieren und welche Anforderungen und Ideale damit an die junge Generation gestellt werden.
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Studenten als „Generation“, ihre Ängste im Kontext des Bologna-Prozesses, der Drang zur Selbstoptimierung sowie neue Formen des Engagements.
Das Ziel ist es, ein spezifisches „studentisches Subjekt“ als massenmediales Modell zu identifizieren, das Werte und Strategien für die postmoderne Lebenswelt repräsentiert.
Es wird eine qualitative Textanalyse angewendet, die Elemente der Diskursanalyse mit den Prinzipien der Grounded Theory nach Glaser und Strauss kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Ausgangsbedingungen, der studentischen Befindlichkeiten sowie eine detaillierte Rekonstruktion spezifischer Subjektmodelle wie dem des „Projektarbeiters“.
Wesentliche Begriffe sind Subjektivierung, unternehmerisches Selbst, Projektförmigkeit, Prekarität, Selbstoptimierung und die mediale Konstruktion einer „Studentengeneration“.
Die Arbeit zeigt auf, dass der moderne Studierende nicht mehr als klassischer Lernender, sondern als Akteur in einem „Projekt“ gesehen wird, wobei das Studium selbst zur permanenten Bewährungsprobe wird.
Die Magazine dienen als Träger massenmedialer Schemata, die den Lesern helfen, ihre eigene Identität zu strukturieren und sich den systemischen Anforderungen der Wissensgesellschaft anzupassen.
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