Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011
32 Seiten
1. Einleitung
2. Geschlechtersozialisation
3. Sprache und Geschlecht
4. Frauenberufe
5. Die gläserne Decke
6. Die Doppelbelastung der Frau
7. Das Ende der Geschlechtervorherrschaft
8. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die fortbestehenden Geschlechterdisparitäten in den zentralen Lebensbereichen Familie, Schule und Beruf. Dabei wird analysiert, wie soziale Konstruktionsprozesse und Stereotype bereits in der Kindheit beginnen und sich durch unterschiedliche Sozialisationsmuster sowie strukturelle Barrieren in der Berufs- und Lebenswelt perpetuieren.
Die gläserne Decke
Judith Lorber spricht mit diesen Worten die vertikale Segregation am Arbeitsmarkt an, die sowohl weniger qualifizierte Bereiche als auch Führungspositionen betrifft. Für Letzteres hat sich der Begriff der gläsernen Decke (engl. glass ceiling) etabliert und gilt für Frauen als Synonym einer kaum überwindbaren Barriere zwischen mittlerem und oberem Management in Unternehmen (vgl. Folini 2007, S. 13). In vielen Bereichen des Erwerbslebens ist für Frauen die gläserne Decke nur schwer zu durchdringen. Und das, obwohl es unter rationalen Gesichtspunkten eine solche gar nicht geben dürfte. Aus unterschiedlichen Dokumentationen geht hervor, dass Frauen in mittleren Positionen eine außerordentlich hohe Produktivität aufweisen. Insofern wären Arbeitgeber/innen angehalten, vermehrt Frauen an die Spitze von Unternehmen zu stellen (vgl. Osterloh / Littmann-Wernli 2002, S. 266).
Was sich in der Privatwirtschaft schon seit längerem abzeichnet, scheint sich auch in der Ausbildungslandschaft des akademischen Bereichs langsam zu verändern. Die Zahlen des vom Österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK) veröffentlichten Frauenberichts belegen, dass die Zahl der qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den letzten Jahren zunahm. Trotzdem ist die Frauenquote an österreichischen Universitäten mit 10,1 Prozent recht gering (vgl. BMBWK 2002, S. 20). Ein ähnliches Bild zeigt sich an deutschen Hochschulen. Laut einer Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus dem Jahr 2004 betrug der Frauenanteil bei Promotionen 39 Prozent, der Anteil an Habilitationen lag bei 22,7 Prozent. Bei Professuren und Professuren mit höchster Besoldungsstufe (C4) erreichte der Frauenanteil nur noch 13,6 bzw. 9,2 Prozent. In Zahlen ausgedrückt lehren an deutschen Universitäten 33.219 Männer, demgegenüber stehen 5.224 Frauen (vgl. Spiess 2008, S. 33ff.). Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Institutionen sind durchwegs geschlechtlich strukturiert. Connell (1999, S. 93) führt dazu aus: „Der Staat beispielsweise ist eine männliche Institution. [...] Die überwiegende Mehrzahl der Führungspositionen sind mit Männern besetzt, weil Einstellung und Beförderung geschlechtsbezogen vorgenommen werden.“
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht anhand eines fiktiven Familienbeispiels die Allgegenwärtigkeit von Geschlechterdisparitäten und legt das Ziel der Arbeit dar, diese Muster kritisch zu beleuchten.
2. Geschlechtersozialisation: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Geschlecht ein sozial konstruiertes Merkmal ist, das bereits in der frühen Kindheit durch Erziehung und gesellschaftliche Zuschreibungen gefestigt wird.
3. Sprache und Geschlecht: Es wird analysiert, wie die maskuline Prägung der deutschen Sprache und sexistische Stereotype in Schulbüchern die Persönlichkeitsentwicklung sowie die Wahrnehmung von Kompetenzen beeinflussen.
4. Frauenberufe: Die Untersuchung historischer und aktueller Strukturen zeigt auf, wie Berufsfelder geschlechtsspezifisch markiert werden und Frauen trotz formaler Gleichberechtigung in strukturelle Abhängigkeiten geraten.
5. Die gläserne Decke: Das Kapitel thematisiert die vertikale Segregation am Arbeitsmarkt und erklärt die Barrieren, die den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen in Unternehmen und an Hochschulen verhindern.
6. Die Doppelbelastung der Frau: Hier werden die gesundheitlichen und sozialen Folgen der Mehrfachbelastung durch Erwerbsarbeit, Haushalt und Kinderbetreuung für Frauen diskutiert.
7. Das Ende der Geschlechtervorherrschaft: Dieses Kapitel kritisiert die Institutionalisierung männlicher Dominanz und stellt die Frage nach der Zukunft traditioneller Rollenmuster vor dem Hintergrund medizinischer Entwicklungen.
8. Ausblick: Der Ausblick fasst die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Erziehung zusammen und warnt vor der Persistenz maskuliner Strukturen in Bildungssystemen.
Geschlechterdisparitäten, Geschlechtersozialisation, Gläserne Decke, Doppelbelastung, Rollenstereotyp, Gender, Sozialstruktur, Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Bildung, Diskriminierung, Gleichstellung, Arbeitsmarkt, Identität, Männlichkeit.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Geschlechterdisparitäten in verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereichen und untersucht, wie diese trotz formaler Gleichberechtigung fortbestehen.
Zentrale Schwerpunkte liegen auf der frühen Sozialisation, der Wirkung von Sprache und Lehrmaterialien, der Segregation am Arbeitsmarkt sowie der Doppelbelastung durch Erwerbs- und Familienarbeit.
Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, durch die Geschlechterunterschiede produziert, institutionalisiert und reproduziert werden, um ein tieferes Verständnis für bestehende Chancenungleichheiten zu schaffen.
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftliche Aufarbeitung und kritische Analyse aktueller soziologischer Forschungsergebnisse, Studien und theoretischer Diskurse zur Geschlechterforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Geschlechtersozialisation, die Bedeutung von Sprache, die strukturelle Segregation in der Arbeitswelt (u.a. gläserne Decke) und die psychosozialen Folgen der Doppelbelastung für Frauen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gender-Paradoxien, vertikale Segregation, Reproduktionsarbeit, Sozialisation, Stereotype und strukturelle Ungleichheit.
Sprache wird nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als handlungsleitendes Instrument gesehen, das durch die Verfestigung binärer Rollenbilder und männlicher Normen die soziale Realität aktiv mitkonstruiert.
Sie beschreibt die gläserne Decke als schwer überwindbare Barriere, die Frauen den Aufstieg in Führungsebenen verwehrt, ungeachtet ihrer Qualifikationen oder Produktivität, was auf tief sitzende, geschlechtsbezogene Organisationsstrukturen hindeutet.
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