Diplomarbeit, 2011
290 Seiten, Note: 1,0
1 Einführung
1.1 Der Vorname als Forschungsgegenstand
1.1.1 Onomastik
1.1.2 Geschichte des Vornamens
1.1.3 Namensrechte
1.1.3.1 Formelles Vornamensrecht
1.1.3.2 Materielles Vornamensrecht
1.1.3.3 Rechtslagen zur Namensänderung
1.1.4 Kevin und Chantal – Von Klischees und Vorurteilen
1.2 „Status Quo“ der Namensforschung
1.2.1 Soziale Wahrnehmung von Vornamen
1.2.2 „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“
1.3 Der Vorname als gesellschaftliches Gut
1.3.1 Schichtspezifische Faktoren der Vornamensgebung
1.3.2 Geschlechtsspezifische Faktoren
1.4 Vorname und Identität
2 Was ist schon gerecht?
2.1 Theorie des Gerechte- Welt- Glaubens
2.1.1 Ungerechtigkeitsempfinden/ Ungerechtigkeitssensibilität
2.1.2 Umgang mit Ungerechtigkeit
2.2 Verteilungsprinzipien
2.2.1 Das Leistungsprinzip
2.2.2 Das Gleichheitsprinzip
2.2.3 Das Bedürftigkeitsprinzip
2.2.4 Das übersinnliche Verteilungsprinzip
2.3 Grundmodelle der Gerechtigkeitsforschung
2.3.1 Modell der relativen Deprivation
2.3.2 Modell der fraternalen Deprivation
2.3.3 Modell der relativen Privilegierung
2.4 Vornamen und Gerechtigkeit
3 Operationalisierung
3.1 Der Fragebogen
3.1.1 Ziel, Methode und Aufbau des Fragebogens
3.1.2 Online- Basierte Untersuchungen
3.2 Operationalisierung der verschiedenen Variablengruppen
3.2.1 Soziodemographische Variablen
3.2.2 Erfassungen subjektiver Einstellungen gegenüber dem Vornamen
3.2.3 Messung der gerechtigkeitspsychologischen Emotionen und Kognitionen bezüglich des Vornamens
3.2.4 Messung der subjektiv erlebten Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Vornamens
3.2.5 Gerechtigkeitsspezifische Faktoren zum eigenen Vornamen
3.2.6 Variablen zu allgemeinen Persönlichkeitsmerkmalen
3.2.7 Messung zu allgemeiner Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit
3.2.7.1 Gerechte- Welt- Inventar(GWI)
3.2.7.2 Ungerechtigkeitssensibilität
3.2.8 Individuelles Selbstempfinden
3.2.9 Narzissmus und Selbstliebe
4 Stichprobe
4.1 Rekrutierungen und Rücklaufquote
4.2 Deskriptive Statistiken zur Stichprobe
5 Item- und Skalenanalyse
5.1 Motive der Namensgebung
5.2 Eigen- und Fremdeinschätzung des Vornamens
5.3 Erlebnisse und Zuschreibungen mit dem eigenen Vornamen
5.4 Vornamensbezogener Umgang mit Emotionen und Kognitionen
5.5 Umgang mit Bevorzugung und Benachteiligung des Vornamens
5.6 Selbstwert und Wohlbefinden
5.7 Gerechtigkeitsempfinden
5.8 Selbsteinschätzungen im Vergleich zu Altersgenossen
5.9 Narzissmus und Selbstliebe
6 Ergebnisse
6.1 Anzeichen für ein gerechtigkeitsspezifisches Empfinden aufgrund des Vornamens
6.1.1 Bevorzugungen und Benachteiligungen als Ursachen empfundener Ungerechtigkeit
6.1.2 Persönlicher Umgang mit gerechtigkeitbezogenen Emotionen und Kognitionen
6.1.3 Subjektive Einstellung zu existentieller Ungerechtigkeit und dem eigenen Vornamen
6.2 Zusammenhänge von Ungerechtigkeitsempfinden und Persönlichkeitsmerkmalen
6.2.1 Im Namen der Gerechtigkeit – Männer versus Frauen
6.2.2 Weitere Faktoren für geschlechtsbezogene Unterschiede
6.2.3 Ursachen für Ungerechtigkeitsempfindungen
6.3 Pfadanalytisches Modell über Voraussetzungen mit dem eigenen Vornamen und Auswirkungen im Umgang mit dem eigenen Vornamen
6.3.1 Pfaddiagramm
6.3.2 Pfadanalytisches Modell
6.4 Exkurs: Übrigens…!
7 Diskussion
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, den Zusammenhang zwischen Vornamen und existentieller Gerechtigkeit zu untersuchen und aufzuzeigen, ob und wie ein individuelles Gerechtigkeitsempfinden durch den eigenen Vornamen beeinflusst wird. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich dabei darauf, inwieweit Vornamen nicht nur Identifikations- und Individualisierungsmerkmale sind, sondern auch als Auslöser für ungerecht empfundene Behandlungen im gesellschaftlichen Alltag fungieren können.
1.1 Der Vorname als Forschungsgegenstand
Jeder Mensch hat ihn, jeder kennt seinen eigenen und jeder muss sich ein Leben lang mit ihm auseinander setzen: der eigene Vorname. Er ist Teil der Person und Persönlichkeit, Thomas Mann sagte sogar, „Der Name ist ein Stück des Seins und der Seele“. Doch das ist nur ein Blickwinkel auf das Phänomen des Vornamens. Die Wichtigkeit des Vornamens muss jeder Mensch für sich individuell entscheiden, während er für die einen nur „Schall und Rauch“ bedeutet, sehen andere den Namen als Substitut für die ganze Person, mit einer weitaus größeren Bedeutung und Verheißung, getreu dem Sprichwort „nomen est omen“.
Sicher ist, dass der Name (Vornamen und Familienname) einen ganz besonderen Stellenwert hat, er drückt die Zugehörigkeit einer Person zu einer Familie aus und zusätzlich durch den Vornamen, ist die Identifikation innerhalb einer solchen gegeben. Er begleitet und prägt einen Menschen vom Tag der Geburt an und dringt noch tiefer in das Bewusstsein ein, als der Familien- oder Nachname. Zudem stellt er die tägliche, persönliche Anrede für das Individuum dar, was ein Grundbedürfnis der zwischenmenschlichen Kommunikation zu sein scheint und wird in der Regel nicht so leicht oder schnell geändert, wie der Nachname. Speziell hinter einem Vornamen verbirgt sich aber noch eine andere Funktion, als die bloße Identifikation einer Person, er birgt zusätzlich ein großes Individualisierungspotential in der Gesellschaft. Das Individuum hat die Möglichkeit sich von anderen, durch den Vornamen zu differenzieren und abzugrenzen.
Als Forschungsgegenstand ist der Vorname bis heute in der Psychologie eher vernachlässigt worden, obwohl dieser als Datenmaterial eine solide, statistische Berechtigung hätte (vgl. Rudolph 2001) und laut Wolffsohn ein empirisches, umfrageähnliches Datenmaterial liefert (vgl. Wolffsohn 2001, S. 9). Bisweilen hat vermehrt der angloamerikanische Raum Untersuchungen und Studien zu Vornamensphänomenen, wie Namensvergabe, Namensvorkommen oder Wirkung und Wahrnehmung von Namen, insbesondere Vornamen, durchgeführt und evaluiert.
Einführung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Vornamensforschung ein, beleuchtet deren rechtliche und gesellschaftliche Bedeutung und skizziert die Fragestellung der Arbeit.
Was ist schon gerecht?: Das Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Gerechtigkeitsforschung, wie den Glauben an eine gerechte Welt und verschiedene Verteilungsprinzipien, und setzt diese in Bezug zur Vornamensproblematik.
Operationalisierung: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, insbesondere die Konzeption und Durchführung der empirischen Online-Studie mittels Fragebogen zur Erfassung der relevanten Variablen.
Stichprobe: Dieses Kapitel präsentiert deskriptive Statistiken zur Zusammensetzung der Stichprobe, einschließlich demographischer Daten wie Alter, Geschlecht und Bildungsabschluss.
Item- und Skalenanalyse: Die Autoren unterziehen die erhobenen Daten einer statistischen Reduktion mittels Faktoren- und Reliabilitätsanalysen, um die Qualität der Messinstrumente zu sichern.
Ergebnisse: Das Hauptkapitel präsentiert die Auswertung der empirischen Studie, analysiert Zusammenhänge zwischen Vornamen und Gerechtigkeitsempfinden und validiert die aufgestellten Hypothesen.
Diskussion: Dieses Kapitel resümiert die Forschungsergebnisse, diskutiert diese im Kontext der eingangs aufgestellten Theorien und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsansätze.
Vornamen, Gerechtigkeit, Namensforschung, Onomastik, Gerechtigkeitsempfinden, Ungerechtigkeitssensibilität, Identität, Sozialpsychologie, Namensrecht, Stereotypen, Selbstwert, Wohlbefinden, empirische Studie, Fragebogen, statistische Analyse.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Vergabe und der eigenen Wahrnehmung des Vornamens sowie dem individuellen Empfinden von existentieller Gerechtigkeit.
Die zentralen Themen umfassen die Vornamensforschung (Onomastik), rechtliche Rahmenbedingungen der Namensgebung, sozialpsychologische Gerechtigkeitsforschung sowie Identitätskonzepte.
Ziel ist es, zu analysieren, ob Menschen ihr Schicksal oder ihre Lebenschancen als durch ihren Vornamen beeinflusst wahrnehmen und ob dies zu einer empfundenen Ungerechtigkeit führt.
Die Autoren nutzten eine empirische, computergestützte Querschnittstudie mittels eines Online-Fragebogens, gefolgt von einer statistischen Faktoren- und Reliabilitätsanalyse sowie T-Tests und Regressionsanalysen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Gerechtigkeits- und Vornamenskonzepte, die Operationalisierung der Messinstrumente sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Zu den prägenden Begriffen gehören Vornamen, Gerechtigkeitsempfinden, Identität, soziale Wahrnehmung, Ungerechtigkeitssensibilität und empirische Sozialforschung.
Der Name "Kevin" dient als Fallbeispiel für eine diskursiv geprägte soziale Wahrnehmung, da er in aktuellen Studien häufig mit Vorurteilen bezüglich des schulischen und beruflichen Erfolgs korreliert wird.
Die Analyse zeigt signifikante Unterschiede: Frauen reagieren in der Studie sensibler auf gerechtigkeitsbezogene Skalen und empfinden Benachteiligungen häufiger als belastender als Männer.
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