Bachelorarbeit, 2009
72 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Fruhantisemitismus versus Toleranz: Das Reich zur Zeit der Aufklärung
2.1 Der Alltag der Juden
2.1.1 Edikte und Politik bezuglich der Juden am Beispiel Preußens
2.1.2 Hofjuden
2.1.3 Das Verhältnis zur christlichen Bevölkerung
2.2 Verschwörungstheorien und Judenfeindlichkeiten
3 England und die Juden
3.1 Die ersten judischen Gemeinden Englands in der Neuzeit
3.1.1 Die Wiederaufnahme von Juden unter Cromwell
3.1.2 Verschwörungstheorien im judisch-christlichen Zusammenleben
3.2 Das Gesetz zur Einburgerung der Juden 1753
4 Extreme Polemik in englischen und deutschen Schriften der Aufklärung
4.1 Die Autoren und ihre Werke
4.1.1 Eisenmenger und das "Entdeckte Judenthum"
4.1.2 John Tutchin, Archaicus, B.B. und Britannia
4.2 Sprache und Paradigmen der Judenfeindlichkeit
4.3 Verschwörungstheorien: Inhalt, Ursache und Wirkung
5 Resumee
Die Arbeit untersucht das Phänomen antijüdischer Verschwörungstheorien im 18. Jahrhundert durch einen rechtsvergleichenden Ansatz zwischen dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und England. Das primäre Ziel ist es, die Tradierung judenfeindlicher Stereotype zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern Verschwörungstheorien in der Aufklärungszeit als Instrumente dienten, um wirtschaftliche Krisen oder soziale Unsicherheiten zu erklären, und welche Verbindung sie zum späteren modernen Antisemitismus bilden.
4.1.1 Eisenmenger und das "Entdeckte Judenthum"
1711 wurde ein bemerkenswertes Werk gedruckt, das sich auf der einen Seite durch eine sehr wissenschaftliche Vorgehensweise auszeichnete, auf der anderen Seite aber dermaßen extreme antijudische Polemik enthielt, dass es von seinen Zeitgenossen schon nicht mehr als angemessene Antwort auf den Umgang mit dem Judentum aufgefasst wurde. Der Verfasser, Johann Andreas Eisenmenger, drückt die Intention und den Zweck seines Werks bereits im Titel der zweibändigen Schrift aus, die insgesamt mehr als 2100 Seiten umfasst:
"Entdecktes Judenthum / oder Grundlicher und Wahrhaffter Bericht / Welchergestalt Die verstockte Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit / GOtt Vater/Sohn und Heil. Geist / erschrecklicher Weise lästern und verunehren / die Heil. Mutter Christi verschmähen / das Neue Testament / die Evangelien und Aposteln / die Christliche Religion spöttisch durchziehen / und die ganze Christenheit auff das äusserste verachten und verfluchen; Daben noch viel andere / bißhero unter den Christen entweder gar nicht / oder nur zum Theil bekant gewesene Dinge und grosse Irrthume der Jüdischen Religion und Theologie / wie auch viel lächerliche und kurzweilige Fabeln / und andere ungereimte Sachen an den Tag kommen.[...]"
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik antijüdischer Verschwörungstheorien im 18. Jahrhundert ein und begründet den Vergleich zwischen dem Heiligen Römischen Reich und England.
2 Fruhantisemitismus versus Toleranz: Das Reich zur Zeit der Aufklärung: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche und soziale Situation der Juden im Reich, geprägt von fiskalischer Ausbeutung, Duldung und dem Fortbestehen mittelalterlicher Vorurteile.
3 England und die Juden: Hier wird die Wiederaufnahme jüdischen Lebens in England unter Cromwell und die spätere hitzige Debatte um das Einbürgerungsgesetz von 1753 untersucht.
4 Extreme Polemik in englischen und deutschen Schriften der Aufklärung: Dieser Hauptteil analysiert die Autoren und ihre Schriften, vergleicht ihre antijüdische Sprache und untersucht die Struktur und Funktion der kolportierten Verschwörungstheorien.
5 Resumee: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und schlägt eine Brücke zur Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert sowie zur Aktualität antisemitischer Verschwörungsmythen.
Antijudaismus, Verschwörungstheorie, Aufklärung, Johann Andreas Eisenmenger, England, Preußen, Jew Bill 1753, Antisemitismus, Judenfeindlichkeit, Christenhass, Diskriminierung, Emanzipation, Historischer Vergleich, Moderne, Toleranz
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Verbreitung antijüdischer Verschwörungstheorien im 18. Jahrhundert und vergleicht dabei die Situation und die polemische Literatur in Deutschland und England.
Zentrale Themen sind die rechtliche Stellung der Juden, die Instrumentalisierung von Judenfeindlichkeit durch wirtschaftliche und religiöse Vorurteile sowie die Rolle von Verschwörungstheorien in der politischen Debatte jener Zeit.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Vorurteile gegen Juden tradiert wurden und inwiefern diese Verschwörungsmythen als Erklärungsmodell für gesellschaftliche Krisen fungierten.
Es handelt sich um eine historisch-vergleichende Analyse, die primär auf der Auswertung zeitgenössischer Schriften, Flugblätter und juristischer Dokumente basiert.
Im Hauptteil werden zentrale Autoren wie Eisenmenger und englische Flugschriftenautoren analysiert, deren Sprache und Argumentationsmuster untersucht sowie der konkrete Fall des "Jew Bill" von 1753 betrachtet.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Antijudaismus, Verschwörungstheorien, Aufklärung, Judenfeindlichkeit und historische Diskriminierung charakterisiert.
Während im zersplitterten Heiligen Römischen Reich die Stellung der Juden stark vom Wohlwollen der jeweiligen Landesherrn abhing, war die Debatte in England stärker auf das nationale Identitätsverständnis und die politische Interessenvertretung von Kaufleuten fokussiert.
Sein Werk "Entdecktes Judenthum" dient als zentrale Quelle für den traditionellen Antijudaismus im Reich und gilt als einflussreiches Bindeglied, das durch seine pseudo-wissenschaftliche Aufbereitung antijüdische Ressentiments über Jahrhunderte hinweg modernisierte.
Diese Debatte löste in England eine massive Welle an antijüdischer Propaganda und Ausschreitungen aus, die von der Opposition politisch instrumentalisiert wurde, um die Regierung zu diskreditieren.
Die Autorin stellt fest, dass die im 18. Jahrhundert geprägten Verschwörungstheorien eine erstaunliche Langlebigkeit aufweisen und als Vorläufer für spätere rassistische Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts dienten.
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