Bachelorarbeit, 2010
63 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung und Fragestellung
2. Begriffsbestimmung: Jugend und Adoleszenz
2.1 Die Sozialgeschichte der Jugend
2.2 Jugend als gesellschaftliches Phänomen
3. Jugend und Jugendpolitik in der DDR
3.1 Das Bildungssystem der DDR
3.2 Die Jugendweihe
3.3 Die Freie Deutsche Jugend
3.4 Jugendliche Freizeit als planmäßig geleiteter Prozess
4. Adoleszenzliteratur
4.1 Die Geschichte des Adoleszenzromans
4.2 Adoleszenzliterarische Konventionen
4.3 Zur Rezeption der Adoleszenzliteratur
5. Adoleszenzliteratur in der DDR
5.1 Dieter Nolls „Die Abenteuer des Werner Holt“
5.1.1 Roman einer Jugend: Handlung
5.1.2 Roman einer Heimkehr: Handlung und inhaltsbezogene Kategorisierung
5.1.3 Rezeption
5.2 Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“
5.2.1 Handlung und inhaltsbezogene Kategorisierung
5.2.2 Rezeption
5.3 Thomas Brussigs „Wasserfarben“
5.3.1 Handlung und inhaltsbezogene Kategorisierung
5.3.2 Rezeption
6. Narratologische Analyse und Gegenüberstellung der Beispieltexte
6.1 Erzählperspektive und Fokalisierung
6.2 Analyse des Raums und der Zeit
6.3 Zuverlässigkeit der Erzähler
6.4 Ergebnisse des narratologischen Vergleichs
7. Schlussbetrachtung und Fazit
Die Arbeit untersucht, ob es in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eine mit westlichen Standards vergleichbare Adoleszenzphase gab oder ob diese durch staatliche Repression und Ideologie unterdrückt wurde. Im Zentrum steht die Analyse, wie sich Jugendliche zwischen den Anforderungen des sozialistischen Kollektivs und ihrem individuellen Bedürfnis nach Identitätsfindung und Abgrenzung bewegten.
5.1.1 Roman einer Jugend: Handlung
Die Handlung des ersten Teils ist in den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkriegs angesiedelt und erstreckt sich bis in die ersten Nachkriegsmonate hinein: Die 16-jährigen Gymnasiasten Werner Holt, Gilbert Wolzow, Sepp Gomulka, Christian Vetter und Peter Wiese ziehen im Sommer 1943 noch vor ihrem Abitur, voller Tatendrang als Flakhelfer in den Krieg. Nach der Grundausbildung werden die fünf Freunde in Ruhrgebiet versetzt, wo sie zum ersten Mal den unheroischen Seiten des Krieges, dem Tod und der Zerstörung begegnen. Im Zuge eines Ausflugs mit seiner älteren Geliebten (der Stiefmutter eines Kameraden) gerät Holt in Wattenscheid in einen Luftangriff der Briten, der beide beinahe das Leben kostet. Bei einem späteren Angriff auf die Stellung der eigenen Kompanie kommt es zu ersten Todesopfern aus Holts unmittelbaren Umkreis.
Nolls Roman schildert im Folgenden, wie die jungen Soldaten wiederholt an neue Standorte versetzt, von ihren wechselnden Vorgesetzten „geschliffen“ und schikaniert werden, wie interne Rivalitäten gewaltvoll ausgetragen werden. Der Leser erlebt, wie sich die Jugendlichen in Kampfhandlungen beweisen müssen und wie sie der nationalsozialistischen Vision sowie dem von Hitler unermüdlich versprochenen Endsieg zunehmend desillusioniert gegenüber stehen. Die heterogene Truppe — vom fanatischen Militaristen Wolzow bis zum zarten Feingeist Wiese — hält trotz wachsender Meinungsverschiedenheiten beinahe bis zur letzten Schlacht zusammen und versucht sich, trotz aller Rückschläge und Hiobsbotschaften in ihrem Glauben an den nationalsozialistischen „Endsieg“ immer wieder gegenseitig zu bestärken.
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in den Adoleszenzbegriff ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob eine solche Phase unter den restriktiven Bedingungen der DDR-Gesellschaft überhaupt existieren konnte.
2. Begriffsbestimmung: Jugend und Adoleszenz: Hier werden die soziokulturellen Hintergründe der Jugendphase sowie deren gesellschaftliche Bedeutung und historische Entwicklung erarbeitet.
3. Jugend und Jugendpolitik in der DDR: Dieses Kapitel beleuchtet das staatliche System zur Kontrolle und Erziehung von Jugendlichen, einschließlich FDJ, Bildungssystem und Jugendweihe.
4. Adoleszenzliteratur: Es werden die Gattungsmerkmale des Adoleszenzromans sowie dessen historische Entwicklung und die literaturkritische Rezeption definiert.
5. Adoleszenzliteratur in der DDR: Der Hauptteil analysiert die Werke von Noll, Plenzdorf und Brussig hinsichtlich ihrer Entstehung, Handlung und Rezeption im Kontext der DDR-Literaturpolitik.
6. Narratologische Analyse und Gegenüberstellung der Beispieltexte: Die Romane werden narratologisch auf Erzählperspektive, Zeitgestaltung und Zuverlässigkeit der Erzähler untersucht, um Unterschiede in der literarischen Umsetzung von Adoleszenz aufzuzeigen.
7. Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Jugendliche in der DDR trotz staatlicher Instrumentalisierung eigenständige Identitätsfindungsprozesse durchliefen, was sich insbesondere in der untersuchten Literatur widerspiegelt.
Jugend, Adoleszenz, DDR, Sozialismus, FDJ, Identitätsfindung, Adoleszenzliteratur, Dieter Noll, Ulrich Plenzdorf, Thomas Brussig, Sozialisation, Literaturwissenschaft, Narratologie, Gesellschaftskritik, DDR-Literatur.
Die Arbeit untersucht, ob Jugendliche in der DDR trotz ideologischer Reglementierung und fehlender gesellschaftlicher Freiräume eine eigenständige Adoleszenzphase durchlaufen konnten, wie sie für westliche Gesellschaften typisch ist.
Die Schwerpunkte liegen auf der Jugendsoziologie, der staatlichen Jugendpolitik der DDR (Bildung, FDJ), der Theorie des Adoleszenzromans und der narratologischen Analyse von drei exemplarischen DDR-Romanen.
Ziel ist es, der Frage nachzugehen, ob Adoleszenz im DDR-Alltag möglich war oder ob die staatliche Vereinnahmung der Jugend eine solche Entwicklungsphase wirksam unterdrückt hat.
Die Autorin kombiniert sozialhistorische Erkenntnisse zur Jugendforschung mit einer literaturwissenschaftlichen Analyse, wobei narratologische Kategorien (Erzählperspektive, Zeit, Zuverlässigkeit) auf die ausgewählten Romane angewendet werden.
Der Hauptteil widmet sich der inhaltlichen und narratologischen Analyse der Romane „Die Abenteuer des Werner Holt“, „Die neuen Leiden des jungen W.“ und „Wasserfarben“.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Adoleszenz, DDR, Sozialismus, Adoleszenzliteratur, Identitätsfindung, Narratologie und das Verhältnis von Individuum zu Kollektiv.
Nolls Roman dient als historischer Vergleichspunkt, da er noch vor dem Bau der Mauer und in einem anderen gesellschaftlichen Kontext spielt, aber dennoch als Pflichtlektüre in DDR-Schulen kanonisiert wurde.
Plenzdorfs Roman gilt als „Nagelprobe“ der DDR-Literatur, da er systemnonkonforme Züge aufwies und die adoleszente Krise in einer für die DDR-Verhältnisse ungewohnt deutlichen und modernen Form thematisierte.
Brussigs Debütroman, der erst zur Wendezeit entstand, wird als politisch relevantes Werk eingestuft, das eine psychologische Sicht auf die Adoleszenz bietet, welche sich von den staatlich verordneten Erziehungsidealen distanziert.
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