Bachelorarbeit, 2009
50 Seiten
1. Einleitung
2. Sprachlicher Relativismus – Einordnung des Forschungsgegenstandes
2.1 Wegbereiter der Relativitätsforschung
2.2 Gegenwärtige Forschung
2.3 Untersuchen sprachlicher Relativität
2.3.1 Theoretischer Hintergrund
2.4 Die Idee der Domänen
3. Die Raumdomäne
3.1 Referenzrahmen
3.2 Methoden zur Untersuchung räumlicher Beziehungen
3.2.1 Ermitteln sprachlicher Diversität
3.2.2 Nonverbale Testmethoden
3.3 Voraussagen der Untersuchungsergebnisse
3.4 Ergebnisse und Relativitätseffekte
4. Bewegungsereignisse
4.1 V- und S-Sprachen
4.2 Mittel zur Untersuchung von Bewegungsereignissen
4.2.1 Methoden zur verbalen Untersuchung
4.2.2 Ermitteln kognitiver Fähigkeiten
4.3 Erwartete Ergebnisse in der Domäne der Bewegungsereignisse
4.4 Ergebnisse
5. Diskussion der Ergebnisse beider Domänen: Mögliche Ursachen für die Unterschiede
5.1 Evidenz für sprachliche Relativität
5.1.1 Gesten
5.1.2 Spracherwerb und Sprachentwicklung
5.2 Schwierigkeiten bei den Untersuchungen
5.2.1 Unzulänglichkeiten im Material
5.2.2 Sprachliche Vermittlung
6. Allgemeine Zusammenfassung und abschließende Vorstellungen
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Sprache und Denken, speziell im Hinblick darauf, ob sprachliche Kodierungen konzeptuelle Strukturen bei der Raumwahrnehmung und bei Bewegungsereignissen beeinflussen. Dabei wird analysiert, inwieweit unterschiedliche sprachliche Muster zu divergierenden kognitiven Repräsentationen führen oder ob universelle kognitive Anlagen bestehen.
3. Die Raumdomäne
Kant vermutet, dass räumliche Konzepte von vornherein fundamentale Ideen sind, die andere Vorstellungen über die Welt zur Voraussetzung haben (vgl. Levinson 1997: 30). Die Wahrnehmung des Raumes stellt einen zentralen Aspekt beim Denken und Handeln dar. Deshalb wird er als nicht weiter reduzierbare Basisdomäne und Primat kognitiver Repräsentation verstanden. Whorfs Untersuchungen zum Hopi und dem amerikanischen Englisch in Bezug auf diese Domäne veranlassen ihn zu der Annahme, dass die Vorstellung des Raumes unabhängig von der Sprache allein aufgrund der (visuellen) Wahrnehmung, oder Erfahrung in derselben Form gegeben ist. In den Konzepten hinter der Raumvorstellung vermutet er allerdings durch die unterschiedlichen Sprachen und Sprachmuster begründete Variationen. Seine Untersuchungen geben den Anstoß für eine intensivere Beschäftigung auf diesem Gebiet. Motoviert durch die Annahme, dass der Raum grundlegend für jeden Menschen (und jedes Säugetier) ist, wird hier eine zwingende biologische Grundlage und somit konzeptuelle Einheitlichkeit vermutet. Allerdings kann die Physis der Welt und wie wir sie wahrnehmen nicht mit Uniformität in den Konzepten in Verbindung gebracht werden, wenn zwischen diesen Materien nachweisliche sprachliche und kulturelle Diversität besteht, die in irgendeiner Form vermittelnd wirkt. Um das Studieren dieser Domäne zu ermöglichen, ist es notwendig, eine ihr inne wohnende Struktur zu finden, auf der sich Hypothesen aufbauen lassen. Dazu hat sich die Idee der Referenzrahmen bewährt. Die Rahmen und ihre Möglichkeiten zur Erforschung bilden den Kern des gegenwärtigen Engagements vieler Wissenschaftler.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Forschungsfrage ein, ob und wie die Sprache das Denken beeinflusst, und erläutert die methodische Gliederung der Arbeit.
2. Sprachlicher Relativismus – Einordnung des Forschungsgegenstandes: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Relativitätsforschung, von Wilhelm von Humboldt bis hin zu zeitgenössischen Ansätzen.
3. Die Raumdomäne: Das Kapitel behandelt die Raumwahrnehmung als Basisdomäne und erläutert die Bedeutung von Referenzrahmen bei der Untersuchung räumlicher Beziehungen.
4. Bewegungsereignisse: Hier werden die Unterschiede zwischen V- und S-Sprachen bei der Beschreibung von Bewegungen analysiert und die entsprechenden Forschungsmethoden dargelegt.
5. Diskussion der Ergebnisse beider Domänen: Mögliche Ursachen für die Unterschiede: In diesem Teil werden die empirischen Ergebnisse kritisch diskutiert, insbesondere die Diskrepanz zwischen positiven Befunden in der Raumdomäne und negativen Befunden bei Bewegungsereignissen.
6. Allgemeine Zusammenfassung und abschließende Vorstellungen: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert zukünftige Perspektiven für die Forschung zur sprachlichen Relativität.
Sprachliche Relativität, Kognition, Raumdomäne, Referenzrahmen, Bewegungsereignisse, Psycholinguistik, Sprachmuster, Konzeptualisierung, Wahrnehmung, Spracherwerb, Universalgrammatik, V-Sprachen, S-Sprachen, Kulturelle Diversität, Sprachliche Kodierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob unsere Sprache unser Denken beeinflusst – eine Kernfrage der sprachlichen Relativitätshypothese.
Die Untersuchung konzentriert sich schwerpunktmäßig auf zwei Bereiche: die Domäne des Raumes (Raumkognition) und die Domäne der Bewegungsereignisse.
Das Ziel ist es, Methoden und Resultate der Erforschung semantischer und konzeptueller Repräsentationen bei der Raum- und Bewegungskognition vergleichend gegenüberzustellen.
Es wird ein systematischer Vergleich von Forschungsergebnissen zu sprachlicher Diversität und nicht-sprachlichen, kognitiven Testmethoden (z.B. Gedächtnistests, Ähnlichkeitsurteile) herangezogen.
Der Hauptteil analysiert, wie unterschiedliche Sprachen räumliche Referenzrahmen und Bewegungsereignisse kodieren und ob sich diese sprachlichen Unterschiede in kognitiven Tests nachweisen lassen.
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachliche Relativität, Raumkognition, Referenzrahmen, Bewegungsereignisse und Kognitive Konzepte.
Die Arbeit argumentiert, dass Raumkonzepte durch kulturell etablierte Referenzrahmen stärker beeinflusst scheinen, während Bewegungskonzepte eine höhere konzeptuelle Universalität aufweisen.
Probleme wie die Beeinflussung der Probanden durch Instruktionen, die Wahl des Stimulusmaterials und die Rolle der Sprache als vermittelnde Strategie bei Tests werden intensiv diskutiert.
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