Magisterarbeit, 2010
101 Seiten
1. Einleitung
2. Das rumänische Literaturexil 1945-1989
2.1 Begriffsgebrauch – Form und Semantik
2.2 Exilwellen
2.3 Funktionsbereiche der Exilliteratur
3. Rumänische Literatur als Teil einer „cultură minoră“
3.1 Entstehungsgeschichte der rumänischen Literatur
3.1.1 Kulturelle Einflüsse im Lauf der Geschichte
3.1.2 Rumänische Literatur im Zeichen nationaler Identitätsbildung
3.2 Ethnopsychogramm
3.3 Rumänische Literatur als Teil einer „kleinen Kultur“
3.3.1 Der Begriff der „kleinen Kultur“ als Machtdiskurs innerhalb des literarischen Feldes
3.3.2 „Kleine Literaturen“
4. Odysseus auf dem Weg nach Ithaka: Mircea Eliades Weg zum „Mittelpunkt“
4.1 Positionierung Eliades innerhalb der rumänischen Kulturgeschichte
4.2 Mircea Eliade: Der „Religionswissenschaftler“
4.2.1 Die universale Religionsphilosophie Eliades
4.2.2 Das Heilige und das Profane in der modernen Welt
4.2.3 Initiation als Weg aus dem „Terror der Geschichte“
4.3 Eliades Weg in die „Eiserne Garde“
4.3.1 Die Bildung des „neuen Menschen“ aus dem Geist eines „neuen Humanismus“
4.3.2 Der „neue Mensch“ aus dem Geist des Faschismus
4.4 Mircea Eliade: Der Schriftsteller
4.4.1 Methodische Probleme eines literaturwissenschaftlichen Zugangs
4.4.2 Der autobiographische Roman
4.4.3 Der existentialistische Roman
4.4.4 Der phantastische Roman
4.5 Mythische Funktion der Literatur
4.6 Die Verarbeitung des Exils zwischen dem „Authentic Bucharestian“ und dem „Universal Man“
4.6.1 Anfängliche Mühen der Akkulturation im Pariser Exil
4.6.2 Exil als Initiationsprüfung
4.7 Exilliteratur Eliades nach 1945
4.8 Produktionsästhetik
4.9. Resümee
5. Ein linksstehender Mensch in einem „linken“ System: Ion Caraion
5.1 Biographie
5.2 Kulturpolitik der Rumänischen Volksrepublik
5.2.1 Stalinistischer Auftakt 1947
5.2.2 Das „Bukarester Tauwetter“ ab 1964
5.2.3 Die „Kleine Kulturrevolution“ 1971
5.3 Ion Caraion in der Tradition rumänischer Avantgarde
5.4 Der Umgang Caraions mit der sprachlichen Deterritorialisierung Rumäniens nach 1945
5.4.1 Die Position des Schriftstellers innerhalb der Kultur
5.4.2 Die deterritorialisierte Sprache Ion Caraions
5.4.3 Exil im Exil
5.5 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Exilsituation zweier rumänischer Schriftsteller, Mircea Eliade und Ion Caraion, als existentielle Daseinsform, um in Erfahrung zu bringen, inwiefern sich ihre jeweilige weltanschauliche Überzeugung und ihr Ethos in der Ästhetik ihres literarischen Werkes vor und nach ihrem Gang ins Exil niederschlugen.
Die Position des Schriftstellers innerhalb der Kultur
Künstler wie Ion Caraion bewahren in dieser Situation der kulturellen Gleichschaltung sämtlicher Gesellschaftsbereiche ihre persönliche Identität, die sich in der Autonomiewahrung gegenüber sozialen und politischen Zwängen ausdrückt. Dies stellt eine erste Grundhaltung des Künstlers innerhalb einer Kultur dar, in der eine selbstverständliche und unproblematische soziale oder kulturelle Identität unmöglich wird. Dieses Selbstverständnis befähigt ihn, eine kulturkritische Position zu beziehen, in dem er sich in die Rolle des „Anderen“ innerhalb der vorgegeben Kultur begibt. Literatur nimmt dabei stets einen „fremden“ Blick auf die Welt ein und wird selbst zu einem positiven Begriff der „Fremdheit“. Durch Verfremdung kann sie schließlich selbst das Selbstverständliche in Zweifel ziehen und das Unsichtbare sichtbar machen. Demnach besteht die wahre Leistung der Literatur in der „Desautomatisierung der Wahrnehmung“, wobei dem bloßen Wiedererkennungseffekt die Erfahrung wirklicher Wahrnehmung entgegengesetzt wird. In der Konfrontation mit dem Fremden besteht dabei die Entwicklungsmöglichkeit einer Kultur.
Im Gegensatz zu anderen Künsten ist Literatur durch die Verwendung der allgemein gebrauchten Sprache besonders der Gefahr politischer Vereinnahmung ausgesetzt, weshalb ihre Geschichte auch eine politische Geschichte ist. Dabei ist sie zunehmend bemüht, sich aus der Abhängigkeit zu lösen, um eine relative Autonomie zu erlangen. Diese Kriterien von Literatur lassen den Schluss zu, dass sich der Avantgardebegriff im 20. Jahrhundert auf den Literaturbegriff ausweitetet. Nach Wintersteiner kann man also sagen: „Literatur ist ‚Avantgarde‘ oder sie ist nicht Literatur.“
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die literarische Exilsituation von Mircea Eliade und Ion Caraion vor dem Hintergrund ihrer ideologischen Positionierung zu untersuchen.
2. Das rumänische Literaturexil 1945-1989: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen und Wellen des rumänischen Exils nach 1945 sowie die Funktionen der in diesem Zeitraum entstandenen Exilliteratur.
3. Rumänische Literatur als Teil einer „cultură minoră“: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte der rumänischen Literatur und analysiert den Begriff der „kleinen Kultur“ als Machtdiskurs im literarischen Feld.
4. Odysseus auf dem Weg nach Ithaka: Mircea Eliades Weg zum „Mittelpunkt“: Diese Sektion widmet sich Mircea Eliade, seinem religionsphilosophischen Werk, seiner Verstrickung in die Eiserne Garde und der mythischen Dimension seiner Literatur.
5. Ein linksstehender Mensch in einem „linken“ System: Ion Caraion: Das Kapitel betrachtet die Biographie und die künstlerische Arbeit von Ion Caraion, insbesondere seinen Umgang mit Zensur und Sprachdeterritorialisierung innerhalb eines totalitären Systems.
6. Fazit: Das Fazit stellt die konträren Künstlertypen Eliade und Caraion gegenüber und bewertet ihre Strategien der Existenzsicherung in ihren jeweiligen Exilsituationen.
Exilliteratur, Rumänien, Mircea Eliade, Ion Caraion, kleine Kultur, Religion, Politik, Faschismus, Avantgarde, Identität, Sprache, Deterritorialisierung, Initiation, Mythos, Ideologie
Die Arbeit analysiert die Existenz und das literarische Schaffen von zwei rumänischen Schriftstellern, Mircea Eliade und Ion Caraion, unter den Bedingungen des Exils und der totalitären politischen Verfolgung.
Zentrale Themen sind die Definition des Exils, die Rolle der Literatur in „kleinen Kulturen“, das Verhältnis von Politik und Ästhetik sowie die literarische Verarbeitung von Identitätskrisen.
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie sich die jeweilige weltanschauliche Weltanschauung und das Ethos der beiden Autoren in ihrer Ästhetik manifestieren, bevor und nachdem sie ihr Heimatland verlassen haben.
Es wird ein kulturwissenschaftlicher Ansatz verfolgt, der literarische Texte mit historischem Hintergrund sowie soziologischen Theorien (unter anderem nach Pierre Bourdieu und Deleuze/Guattari) verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Eliades Religionsphilosophie und politischem Werdegang sowie einer Analyse von Caraions Kampf um ästhetische Autonomie unter stalinistischen und post-stalinistischen Bedingungen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „kleine Literatur“, „Deterritorialisierung“, „Initiation“, „Terror der Geschichte“ und „Totalitarismus“ geprägt.
Eliade integrierte faschistische und mystisch-orthodoxe Elemente in seinen „neuen Humanismus“, um einen „neuen Menschen“ zu schaffen, was sein gesamtes Werk und seine spätere Exil-Prosa maßgeblich prägte.
Caraion nutzte die Lyrik als Rückzugsort und Form „beredten Schweigens“, wobei er zunehmend in eine ästhetische Abstraktion und Sprachlosigkeit als Ausdruck des Widerstandes gegen das System glitt.
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