Magisterarbeit, 2008
54 Seiten, Note: 1,0
1. DIE ADOPTION DES GERMANICUS DURCH TIBERIUS
2. DIE MEUTEREI AM RHEIN 14 N. CHR.
2.1 Die Loyalitätsfrage
2.2 Die Unterdrückung der Meuterei
2.2.1 Germanicus’ Maßnahmen zur Unterdrückung der Meuterei
2.2.2 Die Unterdrückung der Meuterei bei Tacitus und die Reaktion des Tiberius
3. DIE GERMANIEN-FELDZÜGE DES GERMANICUS 15-16 N. CHR.
3.1 Feldzüge und Abberufung aus Sicht des Tacitus
3.2 Kritische Bewertung der Darstellung des Tacitus
3.3 Der Brief des Tiberius an Germanicus Tac. ann. 2,26
3.4 Die Kriegführung des Germanicus und des Tiberius im Vergleich
3.4.1 Exkurs: Die Germanien-Feldzüge des Tiberius 9-13 n. Chr.
3.4.2 Die Feldzüge des Germanicus unter dem Aspekt der tiberianischen Kriegführung
3.5 Die Befehlsverweigerung des Germanicus
4. DIE ORIENT-MISSION DES GERMANICUS 17-19 N. CHR.
4.1 Die Berufung Pisos zum Statthalter in Syrien 17 n. Chr.
4.1.1 Die Berufung Pisos in den Quellen
4.1.2 Tiberius’ Gründe für die Berufung Pisos
4.2 Die Ägyptenreise des Germanicus 19 n. Chr.
5. DER TOD DES GERMANICUS
5.1 Andeutungen und Gerüchte: Die Schuldfrage bei Tacitus
5.2 Tiberius, der Mörder des Germanicus?
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen Tiberius und Germanicus. Ziel ist es, unter kritischer Analyse der durch Tacitus geprägten Überlieferung zu bewerten, ob das oft dargestellte Bild eines tyrannischen Misstrauens gegenüber einem idealisierten Helden historisch haltbar ist oder ob differenziertere strategische und charakterliche Faktoren den Konflikt prägten.
3.3 Der Brief des Tiberius an Germanicus Tac. ann. 2,26
In meiner Darstellung der Argumentation des Tacitus habe ich bisher eine wichtige Passage außer Acht gelassen. Es handelt sich um eine briefliche Mahnung des Tiberius an Germanicus. Diese überzeugt den Feldherren schließlich von der Notwendigkeit, seinen Widerstand gegen eine Abberufung aufzugeben und dem Wunsch des Tiberius zum Abbruch der Feldzüge nachzukommen. In ungewohnt sachlicher Art und Weise legt der Princeps darin seine Gründe für die Abberufung des Germanicus dar:
„Aber mit wiederholten Schreiben drängte Tiberius den Caesar, er solle zur Feier des bewilligten Triumphs zurückkehren: es sei schon genug der Erfolge, genug auch der Rückschläge. Glückliche und bedeutende Kämpfe könne er aufweisen: er solle aber auch daran denken, was Winde und Wogen ohne jede Schuld des Heerführers doch an schweren und furchtbaren Verlusten herbeigeführt hätten. Er selbst sei neunmal vom göttlichen Augustus nach Germanien geschickt worden und habe dort mehr durch kluges Verhandeln als durch Gewalt erreicht. So habe man die Sugambrer zur Unterwerfung gebracht, so den Sueben und ihrem König Marbod durch einen Friedensschluss die Hände gebunden. Man könne auch die Cherusker und die übrigen aufrührerischen Stämme, da man der Rache Roms genug getan, ihren inneren Zwistigkeiten überlassen.”
1. DIE ADOPTION DES GERMANICUS DURCH TIBERIUS: Beschreibt die durch Augustus erzwungene Adoption und die daraus resultierende familiäre sowie politische Konstellation, die das Misstrauen zwischen beiden prägte.
2. DIE MEUTEREI AM RHEIN 14 N. CHR.: Analysiert die erste große Krise nach dem Regierungswechsel, in der die Soldaten Germanicus zum Kaiser ausrufen wollten und sein Umgang mit der Loyalitätsfrage.
3. DIE GERMANIEN-FELDZÜGE DES GERMANICUS 15-16 N. CHR.: Untersucht die militärischen Kampagnen, die Abberufung durch Tiberius und den methodischen Gegensatz zwischen der Kriegführung beider Protagonisten.
4. DIE ORIENT-MISSION DES GERMANICUS 17-19 N. CHR.: Beleuchtet die Versetzung von Germanicus in den Osten, die Rolle Pisos als Beaufsichtigung und die kontroverse Ägyptenreise.
5. DER TOD DES GERMANICUS: Setzt sich mit den Gerüchten um den vorzeitigen Tod des Prinzen und der Rolle von Tiberius und Piso im anschließenden Prozess auseinander.
Tiberius, Germanicus, Tacitus, Prinzipat, Meuterei, Germanien-Feldzüge, Orient-Mission, Piso, consilium, Nachfolgepolitik, Macht, Misstrauen, Historische Quellen, Kaiserreich, Römische Geschichte
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Beziehung zwischen Kaiser Tiberius und seinem Adoptivsohn Germanicus und hinterfragt kritisch die Überlieferung des Historikers Tacitus.
Im Fokus stehen die militärischen Unternehmungen des Germanicus am Rhein und im Orient, das Spannungsverhältnis zum Kaiserhaus sowie die politisch motivierten Konflikte innerhalb der augusteischen Nachfolgeregelung.
Ziel ist eine ausgewogene Bewertung des Verhältnisses, die über die einseitige Darstellung von Tiberius als Neider und Germanicus als Held hinausgeht und sachliche, strategische Hintergründe einbezieht.
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, die den Bericht des Tacitus mit anderen verfügbaren Quellen wie epigraphischen Funden und weiteren antiken Berichten abgleicht.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Meuterei am Rhein, die Germanien-Feldzüge, die Orient-Mission mit der Rolle Pisos sowie die Ereignisse um den Tod des Germanicus.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Prinzipat, Loyalität, Machtkonflikte, Tacitus-Rezeption und strategische Kriegführung geprägt.
Das gefundene senatus consultum de Cn. Pisone patre entlastet Tiberius insofern, als es Piso explizit Fehlverhalten entgegen den kaiserlichen Weisungen vorwirft und gegen eine Verschwörung im Auftrag des Kaisers spricht.
Während Tacitus eine rein touristische Absicht betont, zeigt die Analyse, dass Germanicus durch die eigenmächtige Öffnung der Kornspeicher in eine strategische Kompetenz des Kaisers eingriff und so dessen Misstrauen massiv schürte.
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